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»Wir haben ein Jahr komplett verpennt«

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In dem grauen Container werden die Buben und Mädchen des Kindergartens und der Schule in Kammer betreut. Im kommenden Jahr läuft die Betriebserlaubnis des Jugendamts aus. Die Verwaltung wurde vom Stadtrat beauftragt, sich Gedanken zu machen, wie es weitergehen soll.

Traunstein – Um die Schule in Kammer wird seit fast 30 Jahren gekämpft. Schon mehrmals stand der Schulstandort kurz vor dem Aus. Mit dem Kinderhort wurde eine Einrichtung geschaffen, die Kammer auch für Eltern von Traunsteiner Schülern interessant macht. Die Betriebserlaubnis läuft allerdings im kommenden Jahr aus. Nun befasste sich der Stadtrat mit dem Thema.


Der Hort in Kammer hat ein Alleinstellungsmerkmal, das in keiner anderen Traunsteiner Schule zu finden ist: Dort werden die Buben und Mädchen auch in den Allerheiligen-, den Faschings-, den Pfingst- und Osterferien betreut, weil der Hort maximal an 30 Tagen geschlossen sein darf. Der Container, der dafür zwischen Schule und Kindergarten aufgestellt wurde, war allerdings von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht. Die Betriebserlaubnis des Jugendamts läuft 2016 aus.

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Ursula Lay (UW) fragte, »warum die Kindergartenkinder nicht von den Schulkindern abgekoppelt werden?« Dann wäre nicht länger das Jugendamt zuständig.

Stefan Namberger (CSU) betonte, dass die Hortbetreuung in Kammer eine sehr hohe Qualität habe. »Es ist wichtig, dass wir den Standard nicht runterfahren.« Er kritisierte, dass sich die Stadt schon früher Gedanken machen hätte sollen. »Wir haben ein Jahr komplett verpennt, jetzt sollten wir wirklich in die Puschen kommen und eine Lösung finden.«

Thomas Stadler (Grüne) sagte, dass es so oder so eine Entscheidung geben müsse. Wenn der Schulstandort in Kammer geschlossen würde, »dann müssen die Kinder nach Traunstein rein. Auch da müssten wir bauen.«

»Sterben Einrichtungen wie Kindergarten und Schule, dann stirbt das Dorf«, sagte Dr. Christian Hümmer (CSU). »Das wollen wir nicht. Wir müssen die dörflichen Strukturen stärken.«

Einhellig beauftragte der Stadtrat die Verwaltung, Vorschläge für eine dauerhafte Unterbringung der Kinder in Kammer zu erarbeiten. Im Raum stehen sowohl ein Anbau an die bestehenden städtischen Gebäude am Hopfengartenweg wie auch ein Umbau oder ein Neubau.

Bislang kümmerte sich das Diakonische Werk Traunstein um die Ganztagsbetreuung an der Ludwig-Thoma-Grundschule. Nachdem die Stadt Traunstein nicht bereit war, das Betriebskostendefizit zu übernehmen, wurde die Trägerschaft zurückgegeben. Künftig wird sich die Stadt selbst um die Nachmittagsbetreuung der Kinder kümmern. Dem stimmte der Stadtrat einhellig zu. »Wir können das gut selbst machen – und wahrscheinlich auch günstiger«, sagte Oberbürgermeister Christian Kegel.

Für die Betreuung der Kinder bekommt der Kooperationspartner einen Zuschuss vom Freistaat von 10 500 Euro für die erste Jahrgangsstufe, 9100 Euro für die zweite Jahrgangsstufe und 6100 Euro für die dritte und vierte Jahrgangsstufe. Diese Beträge stehen zur Anstellung entsprechender Betreuungskräfte zur Verfügung. Die Stadt geht davon aus, dass sie die Ganztagsbetreuung in der Ludwig-Thoma-Grundschule mit einem geringen Betriebskostendefizit betreiben kann, in jeder Ganztagsklasse sollen – soweit verfügbar – pädagogische Fachkräfte eingesetzt werden. KR