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»Wir haben deutlich mehr Personal im Einsatz«

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Wenn heute Nacht buntes Feuerwerk den nächtlichen Himmel erhellt – so wie vor einem Jahr in München – dann wachen die Beamten der Polizei Traunstein über die Sicherheit der Feiernden.

Traunstein – Gut, Traunstein ist nicht Köln. Und auch nicht Berlin. Dennoch tut die Polizeiinspektion Traunstein in der heutigen Silvesternacht alles für die Sicherheit der Feiernden. »Natürlich werden auch wir deutlich mehr Personal einsetzen«, sagt dazu der Chef der Polizeiinspektion Traunstein, Rainer Wolf, »so wie das die Polizei bundesweit macht, nicht nur in Traunstein«.


Die bekannten Silvesterfeiern seien überwiegend in Traunstein, aber auch in den umliegenden Orten. »Die Täter in Köln waren überwiegend Marokkaner und Tunesier. Die haben wir hier ja nicht«, so Wolf. »Natürlich gibt es grundsätzlich auch hier eine abstrakte, immer bestehende Terrorgefahr, besonders da, wo viele Menschen zusammenkommen.« Aber man habe »null Hinweise auf Anschlagspläne – die hatte man allerdings vor Berlin auch nicht«, räumt er ein.

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»Selbstradikalisierung im stillen Kämmerlein«

In Traunstein rechne man auch eher nicht mit Anschlägen wie in Paris, wo eine ganze Gruppe gezielt an mehreren Stellen gleichzeitig zugeschlagen hatte. »Es ist mehr diese Selbstradikalisierung im stillen Kämmerlein, die uns Sorgen macht«, so Wolf. Hinweise, dass sich jemand stark verändere oder religiös fanatisch werde, nehme man darum immer ernst.

»Die Silvesternacht ist seit jeher eine Nacht, in der mehr zu tun ist, als sonst«, erklärt Wolf, »etwa wegen Alkoholfahrten, Pöbeleien oder Schlägereien.« Aber im Prinzip sei das Alltagsgeschäft – nicht zuletzt dank der verschiedenen Clubs in der Stadt und entsprechendem Alkoholgenuss – mehr oder weniger an jedem Wochenende.

Fälle, in denen Frauen in sexueller Absicht oder zum Zwecke des Diebstahls angetanzt worden wären, sind bisher nicht bekannt, so Wolf, »außer, es wäre nicht angezeigt worden«. Generell achteten aber sowohl die Polizei als auch die Sicherheitsdienste in den Lokalen auf Belästigungen jedweder Art. »Da funktioniert die Meldekette sehr gut.« Neben den Streifenbeamten seien auch Zivilbeamte unterwegs. »In den Lokalen sind allerdings die Betreiber zuständig für die Sicherheit ihrer Gäste«, stellt Wolf klar.

Im Gegensatz zur hin und wieder geäußerten, öffentlichen Meinung stellt Wolf keine eklatante Zunahme der Gewalt fest: »Das bleibt seit Jahren in etwa gleich.« Natürlich gebe es immer wieder Streitereien in Asylbewerberunterkünften. Aber das sei auch nachvollziehbar angesichts der unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten in den Einrichtungen, der Unsicherheit der eigenen Zukunft. »Oft haben die Menschen Gewalterfahrungen aus Kriegsgebieten – die Symptome sind die gleichen wie damals beim Balkankrieg.«

»Kommen mit der Situation gut zurecht«

Auch das beschere der Polizei zwar zusätzliche Arbeit, »aber wir kommen mit der Situation gut zurecht.« Die Beamten würden immer erfahrener und routinierter im Umgang mit Asylbewerbern und der teilweise schwierigen Gemengelage in den Unterkünften. Mittlerweile, so Wolf, kenne man auch schon die einzelnen Menschen persönlich und wisse um Problemlagen. »Aber gemessen an der Zahl der Schutzsuchenden ist die Lage insgesamt unproblematisch.« Und es werde ja auf allen Ebenen bereits viel getan, um die Menschen zu unterstützen und zu integrieren, sowohl von der Politik als auch von den Helferkreisen, Sozialbehörden oder der Polizei aus.

Das entscheidende Gebot bei dieser Problematik aber sieht Wolf in der Differenzierung: »Man hat natürlich Täter, die schlimme Straftaten begehen wie zuletzt in Berlin, in München, Würzburg oder Ansbach. Aber auf der anderen Seite stehen eineinhalb bis zwei Millionen Menschen, die vollkommen harmlos sind.«

Das Problem sieht Wolf eher in der Altersklasse der Straftäter, als in ihrer Herkunft: »Auch bei den Deutschen sind die 16- bis 30-Jährigen die delinquenteste Gruppe.« Wolfs Devise lautet daher »konsequent vorgehen gegen die, die sich nicht an unsere Spielregeln halten wollen und die anderen unterstützen.«

Verdächtige Beobachtungen über Notruf melden

Angesichts der erhöhten, abstrakten Gefährdung sei die Polizei also an Silvester in erhöhter Einsatzbereitschaft. Doch könne auch jeder selbst etwas zu seiner eigenen Sicherheit beitragen, so Wolf. Dazu gehöre es etwa, verdächtige Wahrnehmungen lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig zu melden, »wenn etwa jemand verdächtig umeinander schleicht oder wenn herrenlose Gegenstände auffallen. Dann bitte die 110 anrufen, wir kümmern uns darum«. Es müsse auch niemand Angst haben, den Einsatz zahlen zu müssen – »es sei denn, es handelt sich um vorsätzlichen Notrufmissbrauch. Den können wir in der Regel schnell nachweisen.«

Grundsätzlich gilt: »Feierlaune ja, aber besonders junge Frauen sollten mit Rauschmitteln immer so umgehen, dass sie am nächsten Morgen noch wissen, was am Abend zuvor war und warum sie wo neben wem aufwachen«, rät Wolf. »Denn Täter können nicht nur Flüchtlinge werden, auch deutsche Männer kennen manchmal keine Grenze.« Und auch, wenn die Polizei in der Silvester-Nacht besonders viele Beamte im Einsatz hat: »Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es leider nicht«, so Wolf. coho