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»Wir haben das iPhone in den Ofen gebracht«

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Dr. Matthias Jahner, Produktentwickler für »Home Connect Appliances« im Bereich Kochen, erläuterte die verschiedenen Funktionen des smarten Herds auf dem interaktiven Display. (Foto: Effner)

Traunreut – Smarte und intelligent vernetzte Haushaltsgeräte liegen im Trend. Davon profitiert auch die Herdfabrik der BSH Hausgeräte GmbH in Traunreut. Mit der Jahresproduktion von rund 2,2 Millionen Herden und Kochmulden hat das Unternehmen im vergangenen Jahr eine Rekordmarke gesetzt. Besonders die Produktion der 2014 neu eingeführten, innovativen Herdreihe »sorgt für hohe Auslastung der Fabrik und trägt damit zur Standortsicherung bei«, erklärte Standortleiter Günter Striegel bei einem Pressegespräch. Für heuer werde eine neue Bestmarke von 2,4 Millionen Geräten angepeilt.


Der BSH-Konzern setzt dabei insgesamt auf den konsequenten Ausbau von »Home Connect«, der ersten digitalen Lösung, die über WLAN unterschiedliche Hausgeräte verschiedener Marken in einer App vernetzt und so die Steuerung ermöglicht. Neben Backöfen und Geschirrspülern der Hausgerätemarken Bosch und Siemens können seit kurzem auch Waschmaschinen, Wäschetrockner, Kühlschränke mit integrierter Kamera und Kaffeevollautomaten per Smartphone oder Tablet gesteuert werden. Striegel sprach in diesem Zusammenhang vom »größten Einzelprojekt in der BSH-Geschichte«, in der rund 21 neue Technologien integriert werden.

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Wie der Standortleiter weiter erklärte, erfordere die hohe Nachfrage nach der neuen Herdreihe die optimale Nutzung aller Kapazitäten. Seit Jahresanfang werde die Fabrikkapazität »voll ausgeschöpft« und in Teilbereichen in bis zu 19 Schichten gearbeitet. In Abstimmung mit dem Betriebsrat sei deshalb ein flexibler Schichtplan entwickelt worden. Die Einführung einer zusätzlichen Herdbaureihe erfordere zudem weitere Investitionen in neue Prozesse und Werkzeuge sowie Umbauten in den Fertigungsgebäuden.

Größter deutscher BSH-Standort

Angesichts der aktuell 3400 Mitarbeiter sprach Personalchef Otto Rockel von einem »neuen Beschäftigungsrekord« und Personalhöchststand: »Mehr geht nicht.« Traunreut bleibe damit der größte deutsche Standort der BSH. Allein seit 2015 seien 370 neue Mitarbeiter eingestellt worden, davon über 30 in der Entwicklung, speziell im Bereich Elektronik. Zusätzlich wurden 100 Leiharbeiter übernommen und 100 befristete Arbeitsverträge in unbefristete Beschäftigungsverhältnisse umgewandelt. Grundlage für diese Investition sei die hohe Produktivität im Werk. Rockel ergänzte, dass die Integration ausländischer Mitarbeiter im Werk seit rund 50 Jahren eine wichtige Rolle spiele. Derzeit würden rund 450 Mitarbeiter aus über 40 Nationen beschäftigt. Auch fünf Asylbewerber sind darunter. Vor dem Hintergrund der längeren Lebensarbeitszeit setze BSH mit einem ausgefeilten und umfangreichen Gesundheitsmanagement zusätzlich darauf, physische und psychische Erkrankungen zu vermeiden.

Eine Vorreiterrolle für andere Werke übernimmt die Traunreuter Herdfabrik auch bei der Optimierung innerbetrieblicher Logistikabläufe. Schließlich müssen Abermillionen von Einzelteilen zur Montage am Band zusammengeführt werden. Günter Striegel erläuterte, dass derzeit ein komplett automatisiertes Kleinteilelager entstehe. In diesem werden Routenzüge mit vorsortierter Kommissionsware in kleinen Boxen beladen, die dann die einzelnen Montagelinien ansteuern. Dafür wurde eigens ein Doppelaufzug mit Riesenkabinen von 12,5 Metern Länge gebaut. Logistikleiter Hans Bernhofer ergänzte, dass die Herdfabrik täglich acht Bahnwaggons und 20 Jumbo-Lkws verlassen. Ein neuer werksinterner Parkplatz sorge dafür, dass Lkw und Trailer in der Nacht beladen werden können, aber erst tagsüber starten, um so nächtliche Ruhestörungen zu vermeiden.

Die hohe Bedeutung innovativer Techniken für die Herdfabrik machte Frank Wirsing, Leiter der Elektronikentwicklung im Produktbereich Kochen, deutlich. Aktuell arbeiten 90 Informatiker, Physiker, Elektrotechniker und weitere Spezialisten an der weiteren Optimierung der Herde. Die Elektronik der Geräte werde immer komplexer, die Aufgaben auch in Zukunft noch anspruchsvoller. Das Kompetenzzentrum für TFT-Userinterfaces und vernetzte Herde in Traunreut sei eine der größten Elektronik-Entwicklungsabteilungen bei BSH. Leicht bedienbare interaktive Displays wie beim Smartphone setzen im Hintergrund eine ausgeklügelte Software voraus.

»Mehrwert begeistert die Kunden«

Allein im Produktbereich Kochen würden jährlich 16 Millionen Elektronikeinheiten verbaut. Um ein Höchstmaß an Benutzerfreundlichkeit und Produktqualität zu garantieren, arbeiten die Bereiche Entwicklung, Fertigung und Qualitätsmanagement in der Herdfabrik eng zusammen. Dies ermöglicht etwa das integrierte Kochen nach Rezept auf dem Display mit automatisierten Funktionen oder das Zusammenspiel von Backen und Braten in Kombination mit Dampf und Mikrowelle. »Dieser Mehrwert begeistert die Kunden« zog Wirsing als Resumee und erklärte mit Blick auf die Innovationsführerschaft von BSH bei smarten Herden: »Wir haben das iPhone in den Ofen gebracht.« ae