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»Wir fühlen uns allein gelassen«

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Unterwössen. »Die Unterbringung von Asylanten und deren Eingliederung wird von der Regierung von Oberbayern ans Landratsamt und dann an uns abgewälzt. Und uns beißen die Hunde.« So lautete das Fazit des Gemeindeprotests vor einer großen Zuhörerkulisse von 50 Bürgern aus Oberwössen in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Nicht die Unterbringung der 49 Asylanten in Oberwössen (wir berichteten), stieß den Gemeinderäten sauer auf, sondern die mangelnde Hilfestellung bei der Betreuung. »Wir fühlen uns allein gelassen«, lautete der Tenor.


Zuvor hatten Regierungsdirektor Florian Amann und Abteilungsleiter Rudolf Mühlbauer vom Landratsamt über die Vorgehensweise bei der Unterbringung von Asylanten informiert. »Die Zahl der Asylbewerber wächst in Deutschland als Zielland Nummer eins dramatisch«, stellte Amann fest. Vor diesem Hintergrund sei das Landratsamt Traunstein von der Regierung von Oberbayern verpflichtet worden, vier Prozent aller oberbayerischen Asylanten unterzubringen. »Gab es im Landkreis zu Jahresbeginn etwa 130 Bewerber, sind es zur Zeit 375. Die Prognosen für 2014 liegen bei 700 bis 800«, schilderte Mühlbauer die rasante Entwicklung.

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Nach Amanns Worten könne man an diesen Fakten nichts ändern und habe auch keine Auswahlmöglichkeiten. Man wisse vorab nicht, wer, wann und woher komme. Für das Landratsamt stehe die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten an erster Stelle – egal, ob in einer Stadt oder in kleinen Gemeinden. Bei angebotenem Wohnraum wird der auf Tauglichkeit geprüft. Passt alles, kommt es zum Vertragsabschluss. Erst danach werden laut Amann die Kommunen darüber informiert, was auf sie zukommt. Damit bestätigte er die teilweise angezweifelten Aussagen von Bürgermeister Hans Haslreiter und seinem Stellvertreter Barthl Irlinger, von der geplanten Unterbringung nichts gewusst zu haben. Im Übrigen seien laut Amann Vorabverhandlungen mit den Kommunen nicht vorgesehen, »da hier die Interessen zumeist auseinandergehen«.

Ihren Unmut über die Vorgehensweise des Landratsamtes äußerten einige Gemeinderäte. So empfand Manfred Höglauer (Unabhängige Wählergemeinschaft Wössen) diese Praxis geradezu einladend für Spekulanten, billige Immobilien zu erwerben, um dann mit der Unterbringung von Asylbewerbern, für die sie pro Tag und Person zwischen 35 und 38 Euro einschließlich Vollpension kassieren, Gewinne zu machen.

Vor dem Hintergrund, dass ein Asylbewerber auf 1000 Einwohner kommen soll und der Stadt Traunstein nur 22 Personen zugeteilt wurden, äußerte Dr. Dieter Stein (Freie Wählergemeinschaft) völliges Unverständnis über die 49 Asylanten in Oberwössen. »Das alles ist auch eine Frage des Marktes«, zeigte Amann wenig Verständnis. »Wo beispielsweise einem Hotel Touristen fehlen, machen es eben die Asylanten voll.« »Demnach würden wir bei weiteren Wohnraumangeboten noch mehr Asylanten bekommen«, fragte Haslreiter. Amanns klares »Ja« erntete ein deutliches Missfallen auf den Zuhörerbänken.

Am meisten bewegten die Gemeinderäte jedoch die ungeregelten Betreuungsprobleme. Wie sollen die Aufnahme der 13 minderjährigen Kinder in Kindergärten und Schulen, die medizinische Versorgung und die fehlende Mobilität bewerkstelligt werden? Sind Deutschkurse geplant? Gibt es Dolmetscher oder Ansprechpartner für die Gemeinde? »Alle diese Alltagsprobleme an die Kommunen abzugeben, ist ein bisschen zu einfach«, kritisierte Sandra Sonntag (FDP).

Wie Mühlbauer das Gremium informierte, werde derzeit landkreisweit eine Asyl-Sozialberatung von diakonischen Werk eingerichtet, die sich dann dieser Probleme annehme. Allerdings werde dieser Aufbau »noch eine gewisse Zeit« in Anspruch nehmen. Bis dahin setze er auch auf das ehrenamtliche soziale Engagement aus der Bevölkerung. Haslreiter appellierte an die Bürger, bei der Integration der Asylbewerber zusammenzuhelfen, um alle Schwierigkeiten auf die Reihe zu bringen. bvd