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»Wir brauchen nur einen friedlichen Platz«

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Trotz der Sprachbarriere setzten sich mehrere junge Asylbewerber beim Treffen des Unterstützerkreises dazu. (Foto: Mergenthal)

Inzell. »Ich kann jede Arbeit tun. Wir brauchen nur einen friedlichen Platz«, sagt der 21-jährige Khalil. Zusammen mit etwa 20 jungen Männern aus Afghanistan, dem Irak, Syrien und Palästina lebt er seit kurzem im Gasthof Fantenberg und hofft auf Asyl in Deutschland. Wenn er in seine afghanische Heimat zurückkehren würde, würde er wohl erschossen werden.


Vier Jahre arbeitete er im Süden Afghanistans als Dolmetscher für die britischen, amerikanischen und dänischen Soldaten. »Ich war glücklich in meinem Beruf«, betont er in einem Gespräch am Rande einer offenen Gesprächsrunde des Inzeller »Netzwerks Asyl«. Er hatte das Gefühl, anderen Menschen mit seinen Übersetzer-Diensten helfen zu können. »Vier amerikanische Marine-Captains waren meine Freunde.« Doch in den Augen der Taliban verbündete er sich dadurch mit dem Feind. Seine ganze Familie wurde von den Taliban bedroht und musste fliehen.

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»Sie wollen nur zerstören«

Schon vorher waren immer wieder Freunde von ihm bei Patrouillen erschossen worden. »Es gibt viele Typen von Taliban«, erklärt der 21-Jährige. Die islamistischen Terroristen geben Menschen, die in dem armen Land ansonsten keine Perspektive haben, Waffen und Geld. »Sie wollen nur zerstören.« Viele seiner Kollegen seien geköpft worden. Drei Angriffe überlebte der Dolmetscher – wie durch ein Wunder wurde er selber nur leicht an der Schulter verletzt. Mit seiner Familie floh der Sohn eines Flugzeugingenieurs zunächst nach Pakistan. Doch auch dort gab es keine Perspektive. Khalil wagte alleine den weiten, schwierigen Weg nach Europa, immer auf der Hut vor scharf schießenden Grenzpolizisten, durch Wüsten, Wälder und über Gebirge. »Wir haben sogar aus Pfützen getrunken«, erzählt er. Er spricht bereits fünf Sprachen und fungiert durch seine guten Englisch-Kenntnisse auch in Fantenberg oft als Übersetzer.

Nun möchte er so schnell wie möglich Deutsch lernen und würde gern ab und zu in einer heimischen Familie zu Gast sein, um die Sprache und Kultur besser kennenzulernen. Er hilft auch gern bei Alltagsarbeiten mit. Khalils Vision ist es, an einer Universität zu studieren und auch in Deutschland als Übersetzer zu arbeiten.

Nach einer besseren Zukunft sehnt sich auch Ahmed. Sein genaues Alter kennt er nicht, er ist vermutlich 16 oder 17 Jahre alt und hat vor über einem Jahr seine zwei älteren Schwestern und seine Mutter in Afghanistan zurückgelassen. »Mein Problem ist mein Vater«, schildert Ahmed. Dieser sei alkohol- und drogenabhängig. Über den Iran schlug er sich in die Türkei durch, wo er ein Jahr lang blieb. In einem Lastwagen, eingepfercht mit 18 Leuten, ging die Reise weiter.

Immer wieder fragen die jungen Männer in Fantenberg nach Tipps, wie man am besten Deutsch lernen könnte, und hoffen natürlich auch, bald gleichaltrige Inzeller kennenzulernen. Erzieherin Angela Winter und der gelernte Tischler Jochen Lutz, der für den Salzburger Verein »Einstieg« Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben betreut, hatten den Gasthof erworben und entschlossen sich, Asylbewerber aufzunehmen. Sie wohnen selbst hier und helfen, wo sie können. Für die Zubereitung des Frühstücks und des Essens stellten sie Personal ein.

Buchstaben üben und sportliche Aktivitäten

»Sie haben Probleme mit den Buchstaben«, berichtet Angela Winter. Ergänzend zum Deutschunterricht – diesen leiteten in Fantenberg bisher unter anderem Gabi Jakobi und Anita Baumgartner – wäre es ihrer Ansicht nach hilfreich, wenn jemand die Buchstaben mit ihnen übt. Annelie Gromoll regte sportliche Aktivitäten an, etwa durch Mitspielen in der Altherren-Mannschaft des SC Inzell. Ein Treff zum Fußballspielen im Birkenstadion soll vereinbart werden. Einige der von der Bevölkerung gespendeten Räder müssten hergerichtet werden; hier könnte sich der Unterstützerkreis vorstellen, dass sich ein Rentner findet, der dies gern mit den jungen Männern zusammen tut. Außerdem freuen sie sich, wenn man sie auf eine Bergtour oder zu anderen Aktivitäten mitnimmt. Anita Baumgartner schlug zum Beispiel vor, am Lagerfeuer miteinander zu tanzen – mit Tänzen aus den fremden Ländern und aus Inzell – , zu essen, zu trinken und auch religionsübergreifend für den Frieden und die Familien der Asylbewerber zu beten. vm