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»Wir brauchen keinen Menschen, der die Stadt schön redet«

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Traunreut – Die Besetzung einer sogenannten Stabsstelle zur Standortförderung ist vom Tisch. Zumindest vorerst. Mit knapper Mehrheit hat sich der Stadtrat in seiner Sitzung dagegen ausgesprochen, eine Fachkraft für Stadtmarketing sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit einzustellen.


»Wir haben keinen Fachmann«

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Wie berichtet, hatte der Hauptausschuss mit knapper Mehrheit (6:5) dem Stadtrat eine solche Stelle empfohlen, um das Ansehen der Stadt nach außen hin voranzutreiben. Bürgermeister Klaus Ritter hatte von einer »kraftvollen Stelle, die was nach vorne bringt« gesprochen. Seine Bitte wurde im Gesamtgremium aber nicht erhört. Mit 16:13 Stimmen lehnte der Stadtrat nach einer kontroversen Debatte die Besetzung einer Stelle ab.

Die SPD halte eine Stelle für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zwar als dringend erforderlich, aber der Zeitpunkt wäre nicht der richtige, zumal eine solche Stelle im erst kürzlich abgesegneten Stellenplan nicht enthalten sei, räumte der SPD-Sprecher Christian Stoib ein. Ritter konterte und erklärte, dass die Besetzung einer solchen Stelle seit Jahren und zuletzt auch Ende letzten Jahres diskutiert worden sei. »Wir haben keinen Fachmann. Wir können noch zehn Jahre warten – dann bleiben wir halt auf dem Niveau«, bekräftigte er und wiederholte seine Feststellung im Hauptausschuss, dass jeder größere Betrieb eine Stelle für Öffentlichkeitsarbeit habe, um sich positiv zu präsentieren. In der Stadtverwaltung gebe es aktuell keinen Fachmann, der das breite Spektrum von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Ehrungen, Tourismus, Stadtmarketing bis hin zur Wirtschaftsförderung koordiniere. »Jeder macht ein bisschen was nebenbei. Es ist nichts koordiniert!« Bislang würden unterschiedliche Arbeiten von unterschiedlichen Leuten erledigt werden, betonte Ritter.

Reinhold Schroll (CSU), der sich aufgrund des ausgerufenen Sparhaushalts dagegen aussprach, stellte zu seiner Verwunderung fest: »Es ist ein Armutszeugnis, wie chaotisch es in der Verwaltung offenbar zugeht« und regte an, die Aufgabenbereiche intern umzuorganisieren. In seinen Augen könne man erst dann über eine solche Stelle nachdenken, wenn vom CIMA (Citymanagement), die im Rahmen ihrer Arbeit in Traunreut unter anderem die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit als Aufgabenschwerpunkte nennt, konkrete Aussagen vorlägen.

»CIMA hat nichts Konkretes auf den Tisch gelegt«

»CIMA hat bis jetzt nichts Konkretes auf den Tisch gelegt«, kritisierten Gabriele Liebetruth und Roger Gorzel von der Bürgerliste. Die geforderte Stelle sei ihrer Ansicht nach überflüssig, solange von der CIMA keine Arbeitsumsetzung, wie beispielsweise die der Kantstraßensanierung bekannt sei. Die besagte Stelle wüsste nicht, was sie als erstes machen sollte, so Liebebruth.

Ritter teilte dazu mit, dass eine Feinplanung des Sanierungsbereichs Kant- und Munastraße in der Märzsitzung vorgestellt werden soll. Sein Vorschlag, die Entscheidung der Stabsstelle bis dahin zu vertagen, wurde aber nicht mitgetragen. Dr. Michael Elsen (CSU) ging sogar soweit, den Vertretern des Citymanagements zu kündigen und dafür die Aufgabengebiete auf Verwaltungsebene klar zu definieren und zu verteilen.

Sein Fraktionskollege Bernhard Seitlinger regte ebenfalls an, eine Person für die PR-Arbeit aus den eigenen Reihen heranzuziehen. Sepp Winkler (Bürgerliste) ist überzeugt davon: »Wir können und brauchen uns die Stelle nicht leisten«. Die Außendarstellung der Stadt sei sehr gut. »Wir brauchen keinen Menschen zu besorgen, der die Stadt schön redet«, wetterte Winkler.

Unterstützung bekam der Bürgermeister allerdings von seinen Fraktionskollegen Ernst Biermaier und Matthias Bauregger. Durch CIMA sei in dieser Form endlich was inszeniert worden »und jetzt muss der Schritt B erfolgen,« sagte Biermaier. Ziel müsse es sein, nach vorne zu marschieren, so auch die Meinung Baureggers. Die Vertreter des CIMA, die seit Anfang letzten Jahres wöchentlich 16 Stunden in Traunreut eingesetzt sind, hatten dem Stadtrat im Oktober letzten Jahres ein Konzept zur Organisation der Standortförderung vorgelegt. Als Aufgabenschwerpunkte für die Zukunft wurden dabei die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die Wirtschaftsförderung (Innenstadtkümmerer) und der Bereich Tourismus/Veranstaltung/Kultur genannt. Darauf basierend hatte der Manager des k1, Thomas Kazianka, ein Organisationskonzept unter Berücksichtigung der Aufgabenschwerpunkte entwickelt.

Ehrungen, Tourismus und Stadtmarketing

Nach Angaben der Stadtverwaltung habe sich der Stadtrat daraufhin geeinigt, eine sogenannte Stabsstelle Standortförderung einzurichten, wobei versucht werden sollte, möglichst viele der anstehenden Aufgaben mit vorhandenem Personal zu bearbeiten. Insbesondere sollten dem Bereich Standortförderung die Aufgaben Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Ehrungen, Tourismus und Gästebetreuung, Stadtmarketing und Maßnahmen zur Verbesserung des Images der Stadt zugeordnet werden. ga

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