weather-image
16°

»Wir brauchen diese Momente des Innehaltens«

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Bei der Feier des Verbindungskommandos der Bundeswehr in der Kriegsgräberstätte auf dem Hohen Kreuz senkten sich die Fahnen der Traditionsverbände und Ortsvereine zum Totengedenken.
Bildtext einblenden
Bei der Gedenkfeier des VdK-Ortsverbands am Kriegerdenkmal wurden Kränze niedergelegt. Unser Bild zeigt die Mitfeiernden mit Oberbürgermeister Manfred Kösterke. (Foto: Buthke)

Traunstein. Mit Ansprachen und Kranzniederlegungen am Kriegerdenkmal im Stadtpark begingen der VdK-Ortsverband und die Stadt Traunstein am gestrigen Sonntag mit Bürgern, Traditionsverbänden, Gebirgsschützen, Ortsvereinen, Bundeswehr und Polizei den Volkstrauertag, um an die Opfer von Krieg, Terrorismus und Gewalt zu erinnern. »Mit dem Volkstrauertag wollen wir verhindern, dass die schlimmen Erfahrungen aus beiden Weltkriegen verdrängt und vergessen werden«, erklärte der VdK-Ortsvorsitzende Jürgen Pieperhoff. Am Vorabend hatte bereits an der Kriegsgräberstätte auf dem Hohen Kreuz die Feierstunde des Verbindungskommandos der Bundeswehr stattgefunden.


Pieperhoff: Arbeit des VdK ist aktive Friedensarbeit

Anzeige

Der Volkstrauertag erinnere an die Aufgabe, die die Opfer hinterlassen hätten, damit ihr Tod nicht sinnlos gewesen sei. »Sie mahnen uns, uns für eine Welt einzusetzen, in der Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit herrschen.« Die Gründung des VdK nach dem Zweiten Weltkrieg habe ein wichtiges Ziel gehabt: Es soll nie wieder Krieg geben. »Die Gründer des VdK handelten damit sicherlich auch im Sinne der Toten. Die Arbeit des VdK beim Wiederaufbau war nicht zuletzt auch aktive Friedensarbeit«, sagte Pieperhoff.

»Wir brauchen diese Momente des Innehaltens genauso wie wir Orte des Gedenkens brauchen, damit das, was geschehen ist, nicht in Vergessenheit gerät«, betonte Oberbürgermeister Manfred Kösterke und erinnerte daran, dass der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Volkstrauertag bereits 1919 ins Leben gerufen hat, weil die Menschen damals von den Schrecken des Ersten Weltkriegs so erschüttert gewesen seien.

Krieg, Gewalt und Terror seien jedoch auch heute aktuell, betonte er mit Blick auf Syrien. Kösterke erinnerte an die rund zwei Millionen Flüchtlinge. Deutschland nehme 5000 auf, einige davon auch in Traunstein. Da gebe es tatsächlich Menschen, die sich dadurch gestört fühlten, dass Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen in unserer Nachbarschaft leben, empörte er sich.

»Jedes Gefühl für Mitmenschlichkeit verloren?«

»Haben wir schon jedes Gefühl für Mitmenschlichkeit und christliche Nächstenliebe verloren, weil unser Land seit 1945 keinen Krieg und kein Elend mehr erleben musste? Müssen wir erst Elend, Vertreibung und Terror am eigenen Leib verspüren, bevor wir mit anderen fühlen und unseren Reichtum wieder aus offenen Herzen teilen können?«, fragte er.

In der ökumenischen Andacht, die Diakon Björn Wagner und Prädikant Volker Steiner hielten, wies Steiner auf die Verheißung einer Welt ohne Leid, Schmerz und Katastrophen hin. Kriege; Mord, Totschlag, Flucht, Vertreibung und Vergewaltigung seien jedoch die Welt, in der wir leben. Der Volkstrauertag ermutige, Not und Elend nicht zu vergessen. »Und vor allem nicht zu resignieren vor den oft unverschuldeten Opfern menschlicher Gewalt.« Der Volkstrauertag ermutige uns, unser eigenes Gewicht in die Waagschale gelebter Barmherzigkeit und Solidarität zu werfen, so Steiner.

Viele Anwesende würden mehrmals im Jahr an verschiedenen Orten für den Frieden werben, weil das so wichtig sei, meinte der Leiter des Verbindungskommandos der Bundeswehr, Oberstleutnant a. D. Erwin Wudke, auf dem Soldatenfriedhof am Hohen Kreuz. Mitgefühl entstehe, wenn wir uns das Leid der Menschen während der Kampfhandlungen, in Kriegsgefangenschaft und ihrer Hinterbliebenen vor Augen hielten. Das erfordere die Fähigkeit, die Gefühle anderer anzuerkennen. »Mitgefühl endet nicht an den nationalen und ethnischen Trennlinien, sondern führt vielmehr zu der Einsicht, dass Menschen über räumliche und zeitliche Grenzen durch gemeinsame Wertvorstellungen, Rechte und Pflichten, aber auch Sehnsüchte und Ängste miteinander verbunden sind«, so Wudke.

»Am Volkstrauertag wollen wir auch der Toten der Kriege unserer Zeit gedenken«, sagte Militärpfarrerin Claudia Konoppa bei der Andacht. Zum Glück hätten wir in Deutschland keinen Krieg, doch würden die Soldaten der Bundeswehr seit 1992 immer wieder in Krisen- und Kriegsgebiete entsendet. Dabei seien 102 Bundeswehrsoldaten gefallen.

»Wenn wir mit dem Leid des Kriegs fertig werden, wenn wir den Verlust der vielen geliebten Menschen ertragen müssen, dann nur, wenn Gott die Kraft dazu gibt, wenn Gott mit seiner Gnade und seiner Nähe hilft«, sagte die Militärpfarrerin. Heute scheine aber alles so weit entfernt zu liegen. Damals habe man noch gespürt, dass man Gott brauche und nur mit seiner Hilfe und im Vertrauen auf ihn bestehen könne. Heute sei man stolz und brauche Gott nicht mehr, weil man ihn einfach vergessen habe. »Aber kommt man wirklich ohne ihn zurecht?« Bjr

Mehr aus der Stadt Traunstein