Winkerduelle beim Großviehmarkt in Traunstein: 82.000 Euro für Besamungsstier Monet erzielt

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Züchter Franz Eder und Aufzüchter Gerhard Enzinger mit seiner Lebenspartnerin Nadine Hogger und Sohn haben allen Grund zu lachen bei diesem hochpreisigen Besamungsstier mit dem Namen Monet.

Traunstein – Nachdem in der Vorwoche auf dem Weilheimer Zuchtviehmarkt ein Stier für einen sechsstelligen Betrag verkauft wurde, lieferten sich die Einkäufer von Besamungsstationen diesmal auch in Traunstein zwei spannende Winkerduelle. Die Zuschläge für zwei Spitzenstiere von Traunsteiner Züchtern erhielt bei 82.000 Euro die Besamungsstation Höchstädt für einen reinerbig hornlos vererbenden Mercedes-Sohn und die Besamungsstation Bayern Genetik bei 45.000 Euro für einen Herzklopfen-Sohn. Weitere Stationen wie CRV Deutschland und Neustadt Aisch gingen mit ihren Geboten an deren Schmerzgrenze, sodass solche hohen Preise möglich sind.


Fast schon zur Nebensache geraten ist der Ankauf von zwei weiteren Stieren in den Besamungseinsatz für den Grundpreis eines Besamungsstiers mit 3500 Euro. Zufriedenstellend ist auch der Durchschnittspreis der vier Natursprungstiere mit 1975 Euro.

Bei den Jungkühen bewahrheitete sich wieder die alte Weisheit, dass ein hohes Angebot marktbelebend wirkt und damit auch die Preise steigen. Der mittlere Erlös der 72 verkauften Jungkühe lag bei 1831 Euro. Die durchschnittliche Milchleistung dieser Jungkühe lag bei 27,8 kg. Die sechs angebotenen Zweitkalbskühe wechselten für im Mittel 1583 Euro die Besitzer. Eine verkaufte Kalbin kostete 1500 Euro.

Es ist klar, dass bei solch hohen Preisen für Besamungstiere nicht nur der Zufall dahintersteckt, sondern akribische Zuchtarbeit über Jahre oder Jahrzehnte. In beiden Betrieben wird die Zucht aus Passion betrieben, dass es dann noch das Quäntchen Glück dazu braucht, versteht sich von selbst. Dies wird bei den zwei Vollbrüdern aus dem Zuchtbetrieb von Franz Eder aus Eschlbach deutlich. Aus der Kombination aus dem gemischterbig hornlos vererbenden Stier Mercedes und der gemischterbig hornlos vererbenden Mutter Marie, einer Votary-Tochter gibt es drei mögliche Vererbungsmuster der Nachkommen. Zu je 25 Prozent kann ein Nachkomme gehörnt bzw. reinerbig hornlos sein. 50 Prozent der Nachkommen sind hornlos, vererben dies aber nur gemischterbig.

Der Aufzüchter Gerhard Enzinger aus Esing bei Leobendorf, der die Stiere von Franz Eder aufzieht, hatte eine gehörnte Variante und eine reinerbig hornlose Variante aus einem Embryotransfer auf dem Markt. Die gehörnte Variante ging für 2150 Euro in den Natursprung, dessen Vollbruder kostete das Zwanzigfache davon.

Abgesehen von einem etwas höheren Milchwert waren alle anderen Zuchtwerte zwischen den Stieren vergleichbar. Ein erheblicher Einfluss kommt auch daher, dass aus der M-Linie des Betriebs schon einige bekannte Stiere hervorgegangen sind. Stellvertretend ist der Stier Rayan zu nennen, der im Jahr 2012 der teuerste Stier in Traunstein war.

Ähnlich verhält es sich auch bei dem Herzklopfen-Sohn Hott aus dem Zuchtbetrieb von Christian Niederbuchner in Aiging. Von der Großmutter des Stiers, der Kuh Subaru stehen auf dem Zuchtbetrieb fünf weibliche Nachkommen, die natürlich bei einer Kaufentscheidung eine Rolle spielen. Die Kühe Skoda, Seat, Suzuki, Super und Smart liefern einen Eindruck über die Vererbung dieser Kuhlinie. Der Stier selbst ist mit einem Gesamtzuchtwert von 140 die Nummer 6 von 275 Halbbrüdern.

Eine hohe Milchmengenvererbung, einen Zuchtwert in der Nutzungsdauer von 126 und überdurchschnittliche Zuchtwerte in der Melkbarkeit, Kalbeverlauf und Euter beeinflussten den Ankauf positiv. Als weitere Stiere gehen noch in den Besamungseinsatz ein Sohn des Stiers Wüstensohn aus dem Betrieb Niederbuchner bei der Bayern Genetik und ein reinerbig hornlos vererbender Mercedes-Sohn von Helmut Wolfertstetter aus Höhenstetten bei Palling zur Besamungsstation Greifenberg.

Alle vier Jungkühe der Wertklasse 1 erzielten einen Steigpreis über 2000 Euro. Als Mittelwert errechnete sich 2338 Euro. Mit 2500 Euro erzielte eine Hutubi-Tochter aus dem Zuchtbetrieb Franz Hofmann aus Niederndorf den höchsten Preis. Eine Kuh mit 33 Kilogramm Milch, guter Melkbarkeit, 680 Kilogramm Gewicht, weidegewohnt und einer sehr ansprechenden Exterieur erhält dafür ein Züchter aus Niederbayern. Bei der teuersten Jungkuh des Markts erfolgte der Zuschlag bei 2550 Euro. Er wurde für eine Wolgast-Tochter aus dem Zuchtbetrieb von Hubert Hocheder aus Jechling bei Anger bezahlt. Die weidegewohnte Jungkuh konnte mit einer Milchleistung von 34 Kilogramm aufwarten. Von Vorteil ist auch, dass bei dieser Kuh das Melken mit einem Melkroboter erfolgte.

Bei diesem Markt wechselten noch weitere zwölf Jungkühe für einen Steigerungspreis über 2000 Euro den Besitzer. Nur bei einer Jungkuh blieb der Versteigerungspreis unter 1400 Euro.

Zwei Stiere, drei Zweitkalbskühe und neun Jungkühe blieben diesmal im eigenen Zuchtgebiet. Vier Stiere gingen an bayerische Besamungsstationen. Ein weiterer Natursprungstier, eine Kuh und 24 Jungkühe verblieben innerhalb Bayerns. Ins restliche Bundesgebiet wurden zwei Kühe und sieben Jungkühe verkauft. Je ein Natursprungstier und Kalbin sowie 32 Jungkühe konnten in die Niederlande und Österreich abgesetzt werden. Der nächste Kälbermarkt findet am Mittwoch statt. Der nächste Großviehmarkt ist am 18. November.

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