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Windkraft: Zwei Anträge mehrheitlich abgelehnt

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Traunstein. Einzig und alleine mit dem Thema »Windkraft« hat sich der Ausschuss für Kreisentwicklung, Energie und Verkehrsfragen in seiner gestrigen Sitzung beschäftigt. Das Gremium unter der Leitung von Landrat Hermann Steinmaßl befürwortete die Teilfortschreibung des Abschnitts »Windenergie« in der Regionalplanung für Südostoberbayern. Die vorgesehenen Vorranggebiete – der Landrat sprach von rund 150 möglichen Windanlagen im Landkreis Traunstein – könnten »ein wesentlicher Baustein« sein, die Kreisziele bei der erneuerbaren Energiegewinnung zu schaffen.


Der Regionale Planungsverband solle alles »möglichst zügig umsetzen«. Dieser Grundsatzbeschluss fand den Segen aller Ausschussmitglieder. Die endgültige Entscheidung, mit welcher Stellungnahme der Landkreis Traunstein in das Anhörungsverfahren für die Regionalplan-Fortschreibung gehen wird, wird der Kreisausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch, 20. März, um 9 Uhr treffen.

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30 Vorranggebiete für Windkraft

Der aktuelle Planungsstand für den Landkreis Traunstein bei der Regionalplan-Fortschreibung umfasst nach Worten des Landrats 30 Vorranggebiete für Windkraft auf einer Fläche von 1348 Hektar, verteilt auf 17 Gemeinden, teils in Überschneidung mit Nachbarkommunen beziehungsweise Gemeinden in anderen Landkreisen. Steinmaßl nannte Engelsberg, Schnaitsee, Tittmoning, Kienberg, Babensham, Palling, Amerang, Obing, Altenmarkt, Traunreut, Trostberg, Seeon-Seebruck, Pittenhart, Chieming, Traunstein, Waging und Nußdorf.

Über zwei fraktionsübergreifende Anträge – zu den Abstandsflächen von Windrädern zu Wohnbebauung in Ortslage und auf ein »Zonierungskonzept Alpenraum« mit dem Ziel, auch im Alpenraum im Einzelfall Windkraft zu nutzen – debattierten die Ausschussmitglieder gestern intensiv. Die Antragsteller, darunter Hans Schupfner von der Bayernpartei, untermauerten ihre Anregungen, etwa »weiße Flächen« statt fixer Pufferabstände, mit Argumenten. Andere Kreisräte, wie Robert Aigner von der CSU, bemängelten die geringe Akzeptanz von Windkraftanlagen bei den Bürgern und die Beeinträchtigung der Landschaft.

Um »weg von Atomkraft« zu kommen, müssten Alternativen entstehen, mahnte Martin Czepan, Bündnis 90/Die Grünen. Vorschlag von Sebastian Röckenwagner (CSU) war, weniger Windräder zu bauen und mehr auf die auch grundlastfähige Biomasse zu setzen. Die ortsnahe Energieversorgung verteidigte Hans Schupfner. Sonst drohten neue große Stromtrassen. Der Landrat erinnerte, in der Vergangenheit seien bereits viele Aspekte untersucht und Abwägungen getroffen worden.

Keine Mehrheit für Antrag zu Abstandsflächen

Den Antrag zu den Abstandsflächen lehnte der Ausschuss bei drei Gegenstimmen ab. Zum zweiten Antrag legte der Landrat den aktuellen Alpenplan vor. Der Nachbarlandkreis Rosenheim sei gänzlich gegen Windkraft im Alpenraum gewesen, das Berchtesgadener Land größtenteils auch, von wenigen nördlichen Gemeinden abgesehen. Werde der Alpenraum nicht als Grundlage genommen, kegelten zum Beispiel Vogelschutzgebiete Flächen raus. Den Alpenraum zur Prüfung mit in den Regionalplan zu nehmen, sei »ein reiner Verhinderungsplan«, so Steinmaßl. Er vermute, letztlich komme bei einem entsprechenden Gutachten »nichts raus«: »Die Arbeit ist für die Katz'.«

Wie groß das Potenzial sein könne, wollte Martin Czepan wissen. Von »maximal zehn Windradln« sprach Steinmaßl: »Ist es das wert? Wir müssten dafür riesigen Aufwand betreiben und uns aus der Solidarität im Alpenraum ausklinken.« Viel Porzellan würde zerschlagen, wenn aus dem Landkreis Traunstein solche Anträge kämen. Für die SPD erachtete Michael Mayer hohe Windräder in den Bergen als »nicht nachvollziehbar«. Der Ausschuss verwarf den Antrag letztlich mit zwei Gegenstimmen mehrheitlich. kd