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Wildpflaumen gibt es heuer im Überfluss

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Ob gelb, rot gesprenkelt, blau oder fast schwarz: Wildpflaumen gibt es bei uns in den verschiedensten Farben und Größen zwischen einem und acht Zentimetern. Eines ist allen gemeinsam: Die Schale ist hart und sauer; das Fruchtfleisch löst sich nur sehr schwer vom Stein.

Kirschen, Zwetschgen, Äpfel, Birnen – was fällt einem sonst noch ein, wenn man nach Obst aus heimischen Gärten, aus Wald und Flur im Chiemgau und Rupertiwinkel gefragt wird? Bestimmt werden die wenigsten Myrobalanen oder Kirschpflaumen nennen. Dabei sind diese Früchte eine Köstlichkeit, die man in diesen Wochen in Wald und Flur, in Bauern- und Privatgärten in einem Überfluss ernten kann, den man mit Worten kaum beschreiben kann.


Wer in seinem Garten einen Zwetschgenbaum pflanzt und das Pech hat, dass die Veredelung erfriert oder abstirbt, und wer dann nichts weiter unternimmt, der kann beobachten, wie in den nächsten Jahren aus den verbleibenden Wurzeltrieben ein neuer Strauch wächst. Wie dessen Früchte aussehen, weiß man zuvor nicht: Sie können von hellgelb über gelb-rot gesprenkelt, rot, violett bis blauschwarz sein. Ihr Durchmesser kann weniger als einen Zentimeter bis zu acht Zentimeter betragen.

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Eines ist aber allen Wildpflaumen gemeinsam: Sie haben eine feste Haut, die herzhaft herb und sauer schmeckt und ein Fruchtfleisch, das sich nicht vom Stein löst. Wildpflaumen stammen aus dem Nahen Osten und waren bereits bei den Kelten bekannt. Bekannt ist die Art regional auch unter dem Namen Türkenkirsche oder türkische Kirsche, in der pfälzischen Mundart als Därgelkersch, in der sächsisch-ländlichen Mundart als Sterninkel, sowie in der österreichischen Mundart als Kringelbaum, und bei uns nennt man sie Kriacherl.

Manche Gartenbesitzer glauben, sie haben einen Mirabellenbaum; in Wirklichkeit sind es aber Wildpflaumen. Den Unterschied kann man neben der sauren Schale und dem sich nicht vom Stein lösenden Fruchtfleisch auch am späteren Blüte- und Reifezeitpunkt erkennen.

Es gibt immer wieder Jahre, in denen es bei uns so gut wie keine Wildpflaumen gibt. Das liegt meist an späten Frösten, denn die Kriacherl blühen noch vor den Zwetschgen und Mirabellen. Auch die Trockenheit der letzten Wochen hat den Wildpflaumen im Gegensatz zu Äpfeln und Birnen nicht geschadet. Die Reife der Früchte war zur Trockenzeit im Juli und in der ersten Augustwoche so weit fortgeschritten, dass kein Schaden entstanden ist.

Was aber tun, mit der reichen Wildpflaumenernte, die uns die Natur heuer beschert hat? Versuchen Sie es doch einmal mit einem Kriacherldatschi oder einer Kriacherlmarmelade (siehe Kasten). Aber Vorsicht: Es ist so ziemlich die einzige Konfitüre, die garantiert eine säuerliche Note behält. Wer nach dem Wahlspruch lebt: »Sauer macht lustig«, der setzt hier garantiert auf die richtige Karte. Das feinsäuerliche Aroma der Wildpflaumen ist ein einzigartiges Geschmackserlebnis. Probieren Sie es doch einfach aus! -K.O.-