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»Wildbäche stellen eine große Herausforderung dar«

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Podiumsdiskussion zum Thema Hochwasserschutz in Schleching (von links) Bürgermeister Josef Loferer, Staatsministerin Ulrike Scharf, Professor Dr. Martin Grambow von der TU in München, MdL Klaus Steiner und Michael Scheck, der Kreisvorsitzende der CSU. (Foto: Wunderlich)

Schleching – Um das Thema Hochwasserschutz im Achental ging es bei einer Diskussionsveranstaltung mit Staatsministerin Ulrike Scharf in Schleching. Bürgermeister Josef Loferer berichtete von dem Spagat zwischen Umweltschutz und Vermarktung in der Region und von dem Umbruch, zum Beispiel in der Forstwirtschaft. Wünschenswert wäre die Ausbildung und Einstellung von Holzfacharbeitern, um dauerhaft einen Mischbergwald erhalten zu können, betonte er.


Ulrike Scharf erwähnte in ihrem Vortrag die Problematiken der Wildbäche im alpinen Raum. Sie stellten eine gewaltige Herausforderung dar, es seien über 50 000 Schutzbauwerke mit einem Neubauwert von über einer Milliarde Euro verbaut worden. In einem eigens für diese Thematik erstellten »Wildbachbericht« könnten sich die Bürger über die sie betreffende Region informieren.

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»Naturpark Chiemsee ein Meilenstein«

Ein weiterer Punkt in den Ausführungen der Staatsministerin aus dem Bayerischen Umweltministerium betraf die Auswirkungen des Hochwasserschutzes bei der Bauleitplanung. Besonders wichtig war ihr dabei, dass es sich bei diesen Aufgaben um eine gemeinschaftliche Aufgabe handelt, die auf viele Schultern verteilt werden müsse.

Als einen Meilenstein im bayerischen Natur- und Landschaftsschutz sah sie den viel diskutierten »Naturpark Chiemsee«. Es wäre der erste und einzige Naturpark in den deutschen Kalkalpen. In der vorgeschlagenen Gebietskulisse liegen rund 40 Naturseen, das größte Binnendelta Mitteleuropas, viele Moore, Teile der Chiemgauer Alpen und eine eindrucksvolle Alm-Kulturlandschaft. Um diesen Naturpark zu etablieren, sei aber die Zustimmung der drei betroffenen Landkreise und aller 31 Gemeinden notwendig.

In der folgenden Fragerunde meldeten sich Konrad Rappl und Franz Wilk zu der Problematik von Mikroplastik in der Tiroler Achen. Der Eindruck bestünde, dass vermehrt Plastik und Müll aus Tirol herangeschwemmt würden. Ulrike Scharf bestätigte dazu, dass eine Untersuchung der Binnengewässer eine Belastung mit Mikroplastik ergeben hätte, aber ob es sich schädlich auf Natur und Mensch auswirkt, stehe noch nicht fest.

Professor Dr. Martin Grambow von der TU in München sagte, dass er die Problematik der Anschwemmung von Plastik und Müll mit seinen Kollegen in Österreich besprechen wolle.

Michael Maier aus Schleching bemängelte die Gewinnmaximierung in der Forstwirtschaft sowie die Beschäftigung von ausländischen Hilfsarbeitern statt – wie früher üblich – ausgebildeter Forstknechte. Seiner Meinung nach sollte der Wald mehr Wertschätzung als Naturraum erfahren.

Bauern drohen Ernteausfälle

Landtagsabgeordneter Klaus Steiner gab ihm Recht und bestätigte, dass der wirtschaftliche Erfolg nicht im Vordergrund stehen dürfe. Die Politik habe sich geändert, es wurde bei den Staatsforsten der Schutz und der Nutzen in einem Umweltkonzept neu festgelegt. Wozu Ulrike Scharf anfügte, dass die Forstreform wohl noch nicht verdaut sei.

Hans Haslreiter aus Unterwössen sprach das Thema der fehlenden Retentionsräume an der Tiroler Achen an, auch auf österreichischer Seite. »Hätten wir mehr, wäre es ein Segen für alle Gemeinden«, war seine Meinung. Walter Raith (Behördenleiter Wasserwirtschaftsamt Traunstein) pflichtete ihm bei und berichtete, dass auch Österreich in dieser Angelegenheit aktiv ist. Das Problem sei, geeignete Flächen zu finden. Das bestätigte Klaus Steiner, der auch den Punkt der Schädigung der Landwirtschaft mit diesen Flächen zu berücksichtigen gab.

Darauf antwortete Georg Hacher aus Marquartstein, er sei Landwirt und Besitzer von Retentionsflächen in Raiten. Er berichtete, das Problem sei nicht nur das Wasser, er kämpfe besonders mit den Rückständen wie Sedimenten und Müll, die auf seinen Wiesen liegen bleiben und beseitigt werden müssen. Wenn er nach dem Rückgang des Wassers das verunreinigte Gras mäht, wisse er nicht, wohin damit.

Auch Franz Mühlberger aus Reit im Winkl meldete sich zu diesem Thema zu Wort und sprach von einer schlechten Stimmung in der Landwirtschaft. Bei den Retentionsflächen drohten den Bauern Ernteausfälle und bei dem Thema »Naturpark Chiemsee« fühlten sich die Bauern übergangen, führte er aus. Dem letzten Punkt widersprach Bürgermeister Josef Loferer. Er wies darauf hin, dass Gespräche erst mit allen Bürgermeistern und Gemeinderäten geführt werden müssten und dann mit den Vertretern der Landwirtschaft.

Bartholomäus Irlinger aus Oberwössen sprach das Thema Rad-Tourismus am Chiemsee an. »Noch ein weißer Fleck auf den Radkarten«, sagte er. Ulrike Scharf berichtete, dass sie selbst aus der Tourismusbranche komme und der Ausbau von Radwegen für sie eine hohe Priorität habe. Sie wollte die Idee mitnehmen, denn sie fällt nicht in ihren Zuständigkeitsbereich.

»Zu hohe Abschusspläne für Gamswild«

Jakob Stadler aus Schleching (Jagdvorsteher) beklagte die vorgegebenen und zu hohen Abschusspläne für Gamswild. Das Gamswild gehöre in unsere Gegend und sei hilfreich, zum Beispiel beim Schwenden der Almen. »Eine Gams ist erst mit drei Jahren geschlechtsreif, muss sie vorher abgeschossen werden, so wird dadurch der weitere Bestand stark gefährdet«. Ulrike Scharf versprach, sich um dieses Problem zu kümmern.

Markus Fröschl aus Trostberg (Vorsitzender Landschaftspflege Verband) sprach über notwendige Ausgleichsflächen für die Grundstückseigentümer, die ihre Flächen für die Wiedervernässung von Hochmooren zur Verfügung stellen und somit die Flächen ökologisch aufwerten. Ulrike Scharf stimmte den Maßnahmen voll zu und bezeichnete sie als segensreiche Einrichtung, allerdings gäbe es ein zähes Ringen um die Mittel hierfür. wun

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