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Wieviel Lebensraum braucht das Birkhuhn?

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Schleching – Die erweiterte Beweidung auf der Roßalm kritisiert die Bürgerinitiative »Rettet den Geigelstein« in einem Brief an die Regierung von Oberbayern. »Das war ein Rückschlag für unser Bemühen, den streng geschützten Raufußhühnern ihre Nahrung zum Überleben zu erhalten«, schreiben die beiden Vorsitzenden Karl Lindner und Lothar Obermayer.


Bei einer Begehung habe man festgestellt, dass die Heidelbeersträucher in dem neu beweideten Gebiet großflächig abgestorben seien. »Es kann Jahrzehnte dauern, bis diese total verdorrten Heidelbeersträucher sich wieder erholen, wenn überhaupt«, so die beiden Vertreter der Bürgerinitiative. Mit Verweis auf ein Gutachten des Wildbiologen Albin Zeitler kritisieren sie: »Für Ihre Entscheidung, die Beweidung auf dem unrechtmäßig erweiterten Gebiet innerhalb des Naturschutzgebiets zu erlauben, hat Albin Zeitler ein vernichtendes Urteil gefällt.«

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Ferner habe man festgestellt, dass die Beweidung auf der ganzen ostseitigen Naturschutzfläche stattfand. »Das geht über die Probefläche weit hinaus bis zur Absturzkante zur Haidenholzalm.« Dazu fügten Lindner und Obermayer Bilder bei, die die zertretene Lacke zeigen, die bereits 2001 in einem Gutachten als gefährdet eingestuft worden war. Weite Flächen seien zertreten und der Borstgrasrasen nahm zu.

Aus diesem Grund fordert die Bürgerinitiative eine geringere Bestoßung und eine Zurücknahme der heuer neu erlaubten Beweidung. Ferner fordern Lindner und Obermayer die Regierung von Oberbayern auf, den Traktor aus dem Naturschutzgebiet zu entfernen, mit dem offenbar der Borstgrasbewuchs gemäht wurde. Schon mehrfach habe es Beschwerden von Wanderern über den Lärm gegeben, der auch die streng geschützten Raufußhühner störe.

Weidefläche bereits 2012 um vier Hektar ausgedehnt

Auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts bestätigte die Regierung von Oberbayern, dass die Weidefläche bereits im Jahr 2012 um etwa vier Hektar nach Osten ausgedehnt wurde. »Für die Weidesaison 2014 wurde die Beweidung seitens der Höheren Naturschutzbehörde im Interesse einer langfristig tragfähigen Entscheidung geduldet. Im Mai 2015 wurde eine befristete Befreiung von den Verboten der Naturschutzgebietsverordnung bis 2020 für die Wiederbeweidung der bis in der 1970er Jahre beweideten Fläche erteilt.« Auflage war, den Erweiterungsbereich vom Almauftrieb bis Mitte Juli auszuzäunen. Während dieses Zeitraums wird die Beweidung durch jährliche Beobachtungen begleitet.

Die Heidelbeersträucher seien zum Teil durch den Tritt des Weideviehs, besonders entlang der Zäune, abgestorben. Sie selbst seien allerdings nicht geschützt. »Allerdings gehören sie zu dem gesetzlich geschützten Biotoptyp der alpinen Zwergstrauchheide. Die Zwergstrauchheide prägt im östlichen Teil der Roßalm nach wie vor das Landschaftsbild. Große Teile davon sind weiterhin unbeweidet.« Auch Borstgrasrasen stellten einen gesetzlich geschützten Biotoptyp dar. Vom Almvieh würden Borstgrasrasen aber eher gemieden.

Grundsätzlich sei die Offenhaltung der Almen ein gemeinsames Ziel der Almlandwirtschaft und des Naturschutzes. Sie leiste einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der vegetationskundlich bedeutenden, offenen Bereiche des Gebietes. Ziel der Beweidung von Teilen der Zwergstrauchheide ist ein Mosaik aus offenen und halboffenen Bereichen und damit eine Erhöhung der Strukturvielfalt.

Beerstrauchheiden großflächig vorhanden

Zur Frage der Bedrohung des auf der Roßalm vorkommenden Birkhuhns schreibt die Regierung: »Im Naturschutzgebiet Geigelstein kommen drei Rauhfußhuhnarten vor (Birkhuhn, Haselhuhn, Auerhuhn). Im Bereich der Roßalm kommt davon nur das Birkhuhn vor. Das Vogelschutzgebiet Geigelstein, insbesondere die nördlich des Geigelstein gelegenen Bereiche mit der Roßalm, haben wichtige Bedeutung für den Erhalt der Art in Bayern und Deutschland. Potenzielle Bedrohungen für das Birkhuhn sind zum Beispiel das Zuwachsen von Habitatflächen sowie Beunruhigungen durch Wintersportler. Eine Beweidung kann zur Erhöhung der Strukturvielfalt in Lebensräumen des Birkhuhns beitragen«.

Das Birkhuhn sei auf komplexe Lebensräume für die Balz, die Jungenaufzucht und die Überwinterung angewiesen. Ein Mosaik offener und halboffener Standorte spiele dabei im Wechsel mit Schutz bietenden Gehölzen eine wichtige Rolle. Die auf der Roßalm vorkommenden Beerstrauchheiden stellen demnach einen wichtigen, aber auch großflächig vorhandenen Teillebensraum der Art dar. coho

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