Wiederholt »zum Nulltarif« getankt und logiert

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An mehreren Tankstellen zapfte der Finne Kraftstoff – jedoch ohne dafür zu bezahlen.

Traunstein – Für 14 Monate muss ein geständiger 60-jähriger Benzindieb und notorischer Hotelbetrüger ins Gefängnis. Das Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott verurteilte den Finnen wegen Diebstahls und Betrugs.


Der 60-jährige Finne hatte am 20. Februar 2014 aus einer Werkstätte in Höxter in Nordrhein-Westfalen einen Citroen Xsara im Wert von 1000 Euro ergaunert. Dann fuhr er kreuz und quer durch den Süden der Republik, tankte »zum Nulltarif« und hinterließ einige unbeglichene Hotelrechnungen. Der »unbezahlte Urlaub« endete am 2. September, als Traunsteiner Schleierfahnder das zur Fahndung ausgeschriebene Fahrzeug auf der Autobahn Salzburg–München bei Siegsdorf aus dem Verkehr zogen.

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»Ich war's – eine klare Sache«, antwortete der 60-Jährige auf Frage des Gerichts. Zwischen 21. und 30. August 2014 hatte er in Gasthöfen in Garmisch-Partenkirchen, in einer kleinen Gemeinde im Schwarzwald und in Lindau am Bodensee übernachtet. In einem anderen Hotel hatte er lediglich gegessen, aber das bestellte Zimmer nicht benutzt. Außerdem hatte er im gleichen Zeitraum an Tankstellen in Schweinfurt, am Irschenberg, in Velburg, in Weibersbrunn und in Baden-Baden Kraftstoff gezapft und nicht bezahlt. Der Gesamtschaden lag bei rund 400 Euro.

Ein Zeuge der Kripo Traunstein berichtete, der Angeklagte sei bei der Vernehmung sehr gelassen, ruhig und kooperativ gewesen: »Er machte auf mich den Eindruck, als wäre ihm alles egal.« Für sein ganzes Verhalten habe der 60-Jährige »einen privaten Grund« angeführt, den er aber nicht nennen habe wollen. Der Finne reise wahrscheinlich seit zehn Jahren europaweit umher und begehe Einmietbetrügereien. Der Polizeizeuge erinnerte sich weiter: »Ich habe in 39 Jahren Dienst nicht erlebt, dass jemand sagt, 'sollte noch was offen sein, gestehe ich das auch'.«

Der 60-jährige Finne schilderte, er liebe die Bundesrepublik, habe hier in 15 Jahren häufig Urlaub gemacht: »Deutschland ist ein schönes Land.« In den letzten Jahren sei er arbeitslos gewesen. Seine Zeit hierzulande ist auch zum Teil behördlich dokumentiert im deutschen Bundeszentralregister. Fünf Einträge, der letzte aus dem Jahr 2014 vom Amtsgericht Deggendorf, zeugen von zahlreichen Betrügereien und Diebstählen, immer in Verbindung mit Hotels. Eine plausible Erklärung für sein Tun konnte der 60-Jährige auf Nachhaken von Richter Wolfgang Ott nicht liefern.

Staatsanwältin Veronika Denk forderte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten wegen Diebstahls und neun Fällen des Betrugs. Der Angeklagte sei geständig. Zu seinen Lasten gingen die einschlägigen Vorstrafen und das besonders dreiste Verhalten. Verteidiger Julian Praun aus Chieming betonte, vier der fünf Vorstrafen lägen rund zehn Jahre zurück. Seit viereinhalb Monaten sitze der Finne in Untersuchungshaft. Der Schaden insgesamt sei relativ gering. 18 Monate Freiheitsstrafe seien tat- und schuldangemessen. Im »letzten Wort« wiederholte der 60-Jährige: »Es ist alles klar. Ich habe nichts zu sagen.«

Im Urteil stellte Richter Wolfgang Ott fest, der Angeklagte habe bei den Einmietungen teils gewerbsmäßig gehandelt: »Hätte ihn die Traunsteiner Polizei nicht festgenommen, hätte der 60-Jährige munter weitergemacht.« Für den Angeklagten spreche sein überschießendes Geständnis von Anfang an. Dadurch habe die Beweisaufnahme auf das Nötigste beschränkt werden können. Der Pkw sei seinem Besitzer zurückgegeben worden. Straferschwerend hingegen sei die Unbelehrbarkeit des Bewährungsversagers.

Der 60-jährige finnische Angeklagte akzeptierte das Urteil sofort: »Ich bin glücklich damit.« Er äußerte den Wunsch, die Strafe in Kempten absitzen zu dürfen. kd

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