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Wieder knapp 22 Millionen Euro für die Jugendhilfe

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Der Sucht auch bei jungen Menschen entgegen wirken: Der Jugendhilfeausschuss stimmte der Einführung einer Jugendsuchtberatungsstelle bei der Caritas mit einer Vollzeitstelle zu. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – Der Landkreis misst der Jugendhilfe weiterhin uneingeschränkt hohe Bedeutung zu. So beschloss der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung das Budget fürs Jugendamt für das kommende Jahr mit 21,9 Millionen Euro. Bei rund 4,8 Millionen Euro liegen die Einnahmen, die Nettoausgaben werden mit 17,1 Millionen Euro beziffert. Das Budget liegt damit in etwa auf Vorjahresniveau.


Sachgebietsleiter Franz Feil betonte, dass man im laufenden Jahr den Haushaltsansatz »ziemlich genau« einhalten könne. Es habe im laufenden Jahr keine außergewöhnlichen Ereignisse gegeben. Sowohl Verwaltung als auch pädagogischer Bereich seien im üblichen Rahmen verlaufen, Fallzahlen bei unbegleiteten minderjährigen Ausländern waren rückläufig, was zu organisatorischen Veränderungen im Amt geführt habe.

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»Sozial-Raum Trostberg« als zentrale Anlaufstelle

Feil nannte die wichtigsten erwarteten Entwicklungen. Das vor Kurzem in Trostberg installierte Beratungszentrum »Sozial-Raum Trostberg« sei in guter Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis entwickelt worden und solle als zentrale Anlaufstelle für Familien, Jugendliche und sozial benachteiligte Personen dienen, Straßensozialarbeit inklusive.

Die Jugendsozialarbeit an 24 Schulen im Landkreis bleibe eines der zentralen Themen des Amts. Darunter seien 14 Mittelschulen und -verbünde, drei Berufsschulen, zwei Förderschulen und fünf Grundschulen. Zuletzt wurden Sozialarbeiter für die Mittelschulen Schnaitsee, Unterwössen und die Ludwig-Thoma-Grundschule Traunstein genehmigt. Das Amt habe in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen damit gemacht, heißt es in der Sitzungsvorlage. »Wir sind da sehr gut aufgestellt« so Feil. Die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Jugendsozialarbeit und Jugendamt laufe sehr gut. Die Kosten wurden mit 850 000 Euro beziffert.

Stabile Fallzahlen seien bei der ambulanten Hilfe zu verzeichnen. Im Bereich der Schulbegleitung liege man weiter auf sehr hohem Niveau – wie im Vorjahr gab es 41 Begleitungen. Der Haushaltsansatz erhöht sich um 100 000 auf 1,2 Millionen Euro.

Unverändert ist die Situation weitgehend bei den teilstationären Hilfen. Bei leicht rückläufigen Belegungen bleibt der Haushaltsansatz unverändert. Stationäre Hilfen (zum Beispiel bei seelische Behinderungen) ohne die unbegleiteten minderjährigen Ausländer sind im laufenden Jahr leicht gestiegen (134,6 Fälle). Aufgrund der rückgängigen Zahlen bei ausländischen Kindern und Jugendlichen verringert sich der Haushaltsansatz von heuer 7,7 Millionen Euro auf 4,8 Millionen Euro im nächsten Jahr.

In Vollzeitpflege sind derzeit 99 junge Menschen untergebracht. Das Amt will hier künftig verstärkt um mehr Vollzeitpflegeeltern werben. Der Haushaltsansatz liegt bei 1,5 Millionen Euro. Inobhutnahmen gab es in den vergangenen Jahren deutlich mehr mit durchschnittlich 10,2 Kindern und einem Durchschnittsalter von 11,6 Jahren. Bei unbegleiteten minderjährigen Ausländern hat sich die Lage im laufenden Jahr weiter entspannt. Einige stationäre und teilstationäre Einrichtungen wurden geschlossen. Im laufenden Jahr wurden dem Landkreis drei Jugendliche zugewiesen, wovon einer letztlich tatsächlich kam, wie Feil weiter ausführte.

Inobhutnahme ist immer der letzte Schritt

»Wir werden auch im nächsten Jahr die Familien, Kinder und Jugendlichen im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen und beraten«, betonte Feil. »Kinder herauszunehmen, ist immer der letzte Schritt.« Hilfe zur Selbsthilfe sei die Devise des Amts für die Eltern. Man wolle sich im Amt fachlich immer wieder auf den Prüfstand stellen. »Wir versuchen, uns weiter zu entwickeln.«

Die Gesellschaft habe sich dramatisch weiterentwickelt, so Landrat Siegfried Walch, der zu steigenden Herausforderungen betonte: »Ich bin froh, dass wir es schaffen, nur mit einer moderaten Kostensteigerung planen zu müssen.« Er wolle den Ausschuss ermutigen, weiter ins Jugendamt zu investieren. »Wir haben eine viel moderatere Steigerung als dies in der Vergangenheit der Fall war.« Zu investieren, bevor der Bedarf massiv und akut entstehe, sei die Devise, sagte er gerade mit Blick auf die Jugendsozialarbeit an den Schulen.

Auch in Sachen Straßensozialarbeit sei er überzeugt: »Ich bin ein großer Fan davon.« Er stehe voll hinter dem Beratungszentrum »Sozial-Raum Trostberg«, auch wenn es dafür keine staatliche Förderung gebe. In einigen Jahren werde man den Vorbildcharakter der Einrichtung zu würdigen wissen. Er würdigte das Jugendamt für die »großartige« Arbeit.

Melanie Sterkel von der Katholischen Jugendstelle Traunstein fragte nach der Kooperation mit der Mittelschule Traunstein, was Sachgebietsleiter Feil bejahte. Ausschussmitglied Marianne Penn (Bündnis 90/ die Grünen) lobte die neue Einrichtung in Trostberg. »Das ist erfolgreich gestartet. Genau das haben wir gebraucht in Trostberg.« Die Budgetanforderung wurde einstimmig von den Ausschussmitgliedern genehmigt.

Seit 1989 betreibt der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising im Landkreis Traunstein eine Fachambulanz für Suchterkrankungen. Auftrag- und Finanzgeber ist der Bezirk Oberbayern. Die Stelle darf allerdings nur für Erwachsene und deren Angehörige tätig werden.

Jugendliche mit Beratungs- und Hilfebedarf dürfen von der Fachambulanz nicht betreut werden. Das Thema Sucht spiele aber seit vielen Jahren auch hier eine große Rolle. Von 750 Fällen im vergangenen Jahr wurden bei der Jugendgerichtshilfe 225 Jugendliche und junge Volljährige wegen Straftaten des Betäubungsmittelgesetztes begleitet. 117 davon waren unter 18 Jahre alt.

Vollzeitstelle für Suchtberatung Jugendlicher

Der Soziale Dienst betreute Mitte dieses Jahres bereits 33 Jugendliche, für die eine Suchtberatung notwendig gewesen wäre. Auch die Jugendsozialarbeit an Schulen meldete einen sehr hohen Bedarf an Beratung. Das Jugendamt sieht hier großen Handlungsbedarf. Die Caritas Traunstein hat deshalb ein Konzept erstellt, um eine Jugendsuchtberatung an der Fachambulanz für Suchterkrankungen im Landkreis Traunstein einzurichten. Die Caritas rechnet mit Kosten in Höhe von 73 600 Euro jährlich für eine Vollzeitstelle.

»Wir wissen, dass wir hier einen verlässlichen Partner haben. Das wäre die logische Ergänzung«, so Landrat Walch. Sandra Sonntag (FW/UW) wollte wissen, ob es hier auch Hilfe bei Spielsucht gebe, was Feil uneingeschränkt bestätigte. »Wir wollen, dass übergreifend und vernetzt gearbeitet wird«, rundete Walch die Diskussion ab. Die Ausschussmitglieder stimmten der Einführung einer Jugendsuchtberatungsstelle bei der Caritas Traunstein mit einer Vollzeitstelle am Ende zu. awi