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Wieder eine Million Euro Zuschuss für Chiemgau-Tourismus

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Acht Prozent der Deutschen können mit dem Begriff Chiemsee etwas anfangen, mit dem Begriff Chiemgau nur drei Prozent. Das ist auch der Grund, warum jetzt neben Chiemgau auch Chiemsee im Logo von Chiemgau-Tourismus auftaucht. (Foto: H. Lanz)

Traunstein – Das neunte Jahr in Folge wird der Chiemgau-Tourismus heuer einen Landkreiszuschuss von einer Million Euro erhalten. Dafür sprach sich der Kreisausschuss in seiner jüngsten Sitzung einstimmig aus. »Wir haben keinen anderen Bereich, den wir mit so einer Summe bezuschussen«, führte Landrat Siegfried Walch aus.


Die kräftige Finanzspritze scheint sich auszuzahlen, denn der Tourismus im Kreis Traunstein befindet sich im Aufwind, wie die Zahlen belegen, die der Geschäftsführer von Chiemgau-Tourismus, Stephan Semmelmayr, bei der Sitzung präsentierte. Demnach gab es im Jahr 2016 rund 2,7 Millionen Übernachtungen, 4,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Noch satter war das Plus von 6,9 Prozent bei den Gästeankünften; 2016 wurden 688 587 verzeichnet. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei vier Tagen, die Auslastung der Betten bei 37,5 Prozent. Die insgesamt 2668 Betriebe hatten 2016 zusammen 27 425 Betten.

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Kooperationen mit Brauereien und Bergbahnen

Semmelmayr informierte auch über das Marketing von Chiemgau-Tourismus. Der Tourismusverband wird 2017 auf insgesamt 17 Messen vertreten sein, erstmals zum Beispiel auf der Golfwoche in Köln. Neben eigenen Veranstaltungen wie dem Chiemgauer Almumtrieb auf der Winklmoosalm setzt der Tourismusverband vor allem auf Wirtschaftskooperationen, unter anderem mit den Brauereien und den Bergbahnen. Diese spülen rund 90 000 Euro in die Kasse.

Der Geschäftsführer kam auch auf den Bekanntheitsgrad der Marken Chiemgau/Chiemsee zu sprechen. Als Vergleich führte er die Marke Red Bull ins Feld. »Der Bekanntheitsgrad von Red Bull liegt bei 98 Prozent, der vom Chiemsee bei acht Prozent und der vom Chiemgau bei drei Prozent.« Zahlen, die auch dazu führten, dass der Chiemgau-Tourismus jetzt neben dem Begriff Chiemgau auch den Begriff Chiemsee in sein Logo aufgenommen hat. »Es wäre fahrlässig, den Begriff Chiemsee nicht zu verwenden. Er ist einfach bekannter«, so Semmelmayr.

Landrat Siegfried Walch lobte Semmelmayr und sein Team. »Wir erleben touristisch immer wieder bewegte Zeiten. Es ist nicht das einfachste Geschäftsfeld«, so Walch.

Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) sprach die eben erst vollzogene Gründung von Achental-Tourismus an, ein Kommunalunternehmen der vier Gemeinden Marquartstein, Schleching, Staudach-Egerndach und Unterwössen. »Müssen wir uns darauf einstellen, dass wieder Kleines im Großen kommt?«, wollte Wiesholler-Niederlöhner wissen.

Bei Achental-Tourismus gehe es vor allem um eine infrastrukturelle Organisation, antwortete Semmelmayr. »Ein gemeinsames Tourismusinfo-Center spart einiges an Kosten.« Nicht nur darum hieß er den Schritt, den die vier Gemeinden gegangen sind, gut. »Wir brauchen starke Unterregionen«, führte er aus.

Vor allem mit Blick auf Schloss Herrenchiemsee wollte Wiesholler-Niederlöhner noch wissen, wie viele asiatische Gäste es im Landkreis Traunstein gibt. Semmelmayr antwortete, dass die astiatischen Touristen »stark München-lastig« seien, dort ihr Quartier hätten und dann Ausflüge unternähmen. »Ich gehe aber davon aus, dass wir in 30 Jahren einen signifikanten Anstieg an asiatischen Gästen haben werden.«

Abschließend wollte die dritte Bürgermeisterin der Stadt Traunstein vom Tourismus-Chef noch wissen, wie gut der Landkreis Traunstein bei qualitativ hochwertigen Unterkünften aufgestellt ist. »Wir bräuchten mehr hochwertige Unterkünfte«, erklärte Semmelmayr. Vor allem die Nachfrage nach guten Drei-Sterne-Häusern sei groß.

Dr. Thomas Graf (ÖDP) wollte wissen, wie es mit der Zusammenarbeit mit anderen Regionen aussieht. »Eine Fusion ist momentan kein Thema, aber Kooperation ist auf allen Ebenen ein Thema«, meinte Landrat Walch nicht nur mit Blick nach Rosenheim, sondern auch ins Berchtesgadener Land. Walch machte aber auch deutlich: »Wir stehen bereit. Wir denken nicht in den Grenzen des Landkreises, sondern in der Region.«

»Das Geld zeigt jetzt absolute Wirkung«

Willi Geistanger (Bündnis 90/Die Grünen) sprach die Zuschusshöhe von einer Million Euro an. »Ich glaube nicht, dass es da Änderungen in der Positionierung geben wird. Wir stehen zu einer Million Euro«, sagte Walch. Dem pflichtete auch Bernd Gietl (CSU) bei: »Das Geld zeigt jetzt absolute Wirkung. Darum glaube ich, dass es ein falsches Signal ist, jetzt zu fragen, ob wir mit dem Zuschuss runtergehen.«

Josef Konhäuser (SPD) und Heinz Wallner (Bayernpartei) warben mit Blick auf Hotellerie und Gastronomie für den Beruf des Kochs. Aktuell gebe es im Landkreis kaum Auszubildende in dem Beruf. »Man muss die Arbeitsverhältnisse verbessern und vom Billigstandard wegkommen«, so Konhäuser.

Franz Parzinger (CSU) regte an, eine Karte mit Tankstellen für E-Bike-Fahrer herauszugeben. Semmelmayr meinte, wegen der großen Reichweiten der neuen Räder sei eine solche gar nicht mehr nötig. Walch stellte sich an Parzingers Seite: »Aus meiner Sicht wäre es schon gut, da immer wieder was nachzuschieben. Damit man sieht, dass wir da vorne mit dabei sind.« san

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