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Wie wird die Gefahrenstelle am Pattinger Berg entschärft?

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Die Straße von Patting Richtung Weildorf birgt im Bereich des Pattinger Bergs eine Gefahrenstelle. Die Gemeinde überlegt nun, wie sie diese entschärfen kann. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Etwas ratlos wirkten die Teisendorfer Gemeinderäte in ihrer ausführlichen Diskussion über das weitere Vorgehen, um die Gefahrenstelle am Pattinger Berg zu entschärfen. Auslöser war der Antrag von Johann Niederstraßer (FWG) zur Errichtung eines Radwegs an der Gemeindeverbindungsstraße Patting-Weildorf im dortigen Waldbereich.


Das Problem an diesem in Richtung Weildorf ansteigenden Berg ist, dass ein Überholen wegen der schlechten Sicht nicht möglich ist. Wenn Autos, Lastwagen oder landwirtschaftliche Fahrzeuge langsam und relativ lange hinter Radlern herfahren müssen, neigen sie der Beobachtung mehrerer Gemeinderäte zufolge zu riskanten Überholmanövern. Die Sicht ist umso schlechter, weil die Fahrzeuge im Waldstück vom Dunkeln ins Licht fahren.

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Eigens angelegte Gehwege sind »der Regelfall«

Niederstraßer hatte vorgeschlagen, einen solchen Radweg durch eine Verbreiterung der Straße und Markierung eines Streifen auf der Fahrbahn zu schaffen. Nach Aussage der Verkehrsbehörden und der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium sind außerorts jedoch eigens angelegte gemeinsame Geh- und Radwege »der Regelfall«. Diese Auskunft hatte das Rathaus laut Beschlussvorlage der Verwaltung eingeholt. Radfahrstreifen und Schutzstreifen kämen außerorts vor allem wegen des hohen Geschwindigkeitsunterschieds zum Kfz-Verkehr nicht in Betracht.

Für einen separaten Geh- und Radweg wären laut Bürgermeister Thomas Gasser ein zwei Meter breiter Grünstreifen zwischen Straße und Weg sowie eine zwei bis drei Meter breite Fahrbahn beim Radweg erforderlich. Die angefragten Grundstückseigentümer seien grundsätzlich bereit, für eine geringe Verbreiterung der Straße den Grund abzutreten, nicht jedoch für einen Geh- und Radweg. Johann Niederstraßer rechnet nicht damit, dass vergleichbare Maßnahmen bei allen ähnlichen Straßenpassagen im Gemeindegebiet nötig sind. Die Straße zwischen Patting und Weildorf sei »eine der am meisten befahrenen Straßen« in der Gemeinde, hob er hervor.

Edwin Hertlein (Grüne) begrüßte das Bemühen um Sicherheit für Radfahrer und Fußgänger. Er warnte jedoch davor, dass die Autofahrer bei einer Verbreiterung noch schneller fahren und so die Stelle noch gefährlicher werden würde. Zudem prognostizierte er im Gegensatz zu Niederstraßer, dass für andere Gefahrenstellen, etwa am Freidlinger Berg, ähnliche Anfragen kommen. Dem pflichtete Gernot Daxer (FWG) bei. Das Problem entsteht seiner Ansicht nach vor allem durch die breiten Traktoren. »Das Thema haben wir im ganzen Gemeindegebiet. Dem werden wir nicht Herr.« Auch er meint, je besser die Straßen ausgebaut seien, desto schneller werde gefahren.

Radfahrer könnten Alternativroute nutzen

Thomas Egger (CSU) wies darauf hin, dass vor dem Waldstück ein Weg rechts von der Straße abzweige und auf der Höhe von Kothbrünnung wieder auf die Straße stoße. Radler, die zur Arbeit fahren, würden diese Ausweichroute wohl nicht nehmen, doch für Kinder und Familien könne man etwas tun, wenn man diesen Weg verbessere. Ein von Peter Schuhbeck (FWG) angeregtes Tempolimit hält Gasser für nicht durchsetzbar. Daxer schlug vor, stattdessen ein Schild »Achtung Radfahrer« aufzustellen. Ein solches Schild erhöht die Sicherheit nach Ansicht von Anita Niederstraßer (FWG) nicht. Sie betonte, nur ein eigener Radweg oder eine Verbreiterung helfe.

Für Georg Wetzelsperger (CSU) ist nur ein richtiger Radweg eine akzeptable und hilfreiche Lösung. Bernhard Reitschuh (FWG) warnte vor einer neuen Gefahrenstelle am Ende des verbreiterten Straßenstücks. Wichtig wäre für Thomas Prechtl (CSU), viele Radfahrer von der Straße auf die Alternativroute wegzubringen. »Die Strecke ist saugefährlich«, betonte Hans Rauscher (SPD). Auf dem Ausweichweg werde niemand fahren, prognostizierte er. »Jeder fährt den direkten Weg.« Nur ein eigener Radweg helfe, alles andere sei »für die Katz’«. Wenn, dann gehöre der Radweg aber durchgehend gebaut. Man müsse halt den Grundstückseigentümern gegenüber gut argumentieren; vielleicht gebe es den einen oder anderen, dessen Kinder an dieser gefährlichen Stelle ebenfalls mit dem Rad fahren.

Straße verbreitern und ein Tempolimit?

Mathias Spiegelsperger (Grüne) würde eine Asphaltverbreiterung in Kombination mit einem Tempolimit begrüßen. Andreas Neumeier (CSU) erinnerte daran, dass der Grund für einen Radweg nicht zur Verfügung stehe. Johann Niederstraßer plädierte dafür, die Straße um zwei Meter zu verbreitern, damit Radfahrer und Fußgänger ausweichen können. Zweiter Bürgermeister Norbert Schader (FWG) sieht eine Chance darin, anstelle eines Radwegs eine Entwässerungsrinne und daneben einen asphaltierten Randstreifen zu bauen, den die Radfahrer nutzen könnten. Zusätzlich sei zu prüfen, ob der Alternativweg für die Radler beschildert werden könne.

Auf Vorschlag von Gasser einigte man sich auf eine Vertagung. Die Verwaltung soll die Kosten noch einmal prüfen. Eine Verbreiterung der Straße um einen Meter auf 4,50 Meter kostet laut Schätzung des Büros Dippold & Gerold rund 140 000 Euro. Johann Niederstraßer hielt das für viel zu hoch angesetzt. Außerdem soll das Rathaus noch Verkehrsexperten zu Rate ziehen. vm