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Wie ist der Chiemsee bei einer Ölkatastrophe zu schützen?

An der Chiemsee-Ölwehr-Übung vor dem Delta der Tiroler Ache beteiligten sich an die 70 Einsatzkräfte der THW-Ortsverbände Traunstein, Traunreut und Rosenheim. (Foto: Müller)

Rund 70 THWler beteiligten sich an der Übung


An der zweitägigen, sogenannten »kleinen Übung« nahmen am Freitagabend und samstags rund 70 Mann der THW-Ortsverbände Traunstein, Traunreut und Rosenheim teil. Diesmal standen die nächtliche Ausbildung der Bootsfahrer und vor allem das Ausbringen von Schlauchleitungen an. Auch ein 45 Meter langer, 13 000 Euro teurer aufblasbarer Steg wurde erstmals getestet. Im Gegensatz zur letztjährigen Großübung, die alle drei Jahre stattfindet, kamen die am TAL-Gelände »Lachsgang« gelagerten Ölsperren nicht zum Einsatz. Damals wurden mit 150 THW-Einsatzkräften rund 1200 Meter Ölsperren montiert.

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Eine von der Pipeline ausgehende Öl-Katastrophe am Chiemsee sei dank regelmäßiger Inspektionen an der Leitung und vorhandener Notfallpläne mit Schiebern und riesiger Auffangtanks an der Strecke äußerst unwahrscheinlich, so Karl Gaßner von der TAL. Sollte die 40-Zoll-Ölleitung bei Kitzbühel dennoch einmal Leck schlagen, müssten auf dem Chiemsee vor dem Achendelta umgehend alle notwendigen Vorkehrungen getroffen werden, erzählte Andreas Wageneder von der Hauptgeschäftsstelle des THW in Mühldorf den Pressevertretern. Den Hauptstrom gelte es schon nach vier Stunden mit Ölsperren abzuschirmen. Spätestens nach zwölf Stunden sollte alles abgeschlossen sein, denn das Öl könnte schon nach 16 Stunden eintreffen. Damit im Ernstfall alles reibungsfrei klappe und jeder Handgriff sitze, »müssen wir jedes Jahr üben«, betonte Wageneder auch mit Blick auf die sich ständig ändernde komplizierte Technik.

Im Katastrophenfall haben die THW-Ortsverbände Rosenheim, Traunreut und Traunstein mit Unterstützung ihrer Kameraden aus Bad Aibling, Berchtesgadener Land, Ergolding, Hiltpoltstein, Kelheim, Mühldorf und Simbach die Aufgabe, die Ölwehrausstattung der Firma TAL an die Einsatzstelle zu bringen, Sammelbehälter aufzubauen, Schlauchleitungen zu verlegen und zwischen den Bojen eine insgesamt bis zu 2,4 Kilometer lange Ölsperre auszubringen.

Bedauern über starre Haltung der Vogelschützer

»Auch wir wollen die Flora und Fauna schützen« stellten die TAL-Vertreter und Regierungsdirektor Karl Traunspurger von der Regierung von Oberbayern unmissverständlich klar und bedauerten die starre Haltung des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), der eine Ölwehr im Chiemsee kategorisch ablehnt. Dass ein Kompromiss mit dem LBV trotz aller Vermittlungsversuche der Regierung von Oberbayern in weiter Ferne liegt, verdeutlichen die Aussagen des Vorsitzenden der LBV-Ortsgruppe Achental, Dr. Michael Lohmann, der ebenfalls vor Ort weilte: »Diese Übungen könnten auch an einem kleinen Weiher durchgeführt werden und müssten nicht an der Mündung der Tiroler Ache stattfinden«, sorgt sich Biologe und Ornithologe Lohmann insbesondere um die sensible Vogelwelt in der Kernzone des Naturschutzgebietes. mmü