weather-image
27°

»Wer von euch ist für die Auflösung?«

5.0
5.0

Unterwössen – Ohne neue Vorstandschaft ging die Jahreshauptversammlung des Gartenbauvereins Oberwössen im Hotel Sonnenbichl zu Ende. Werden in naher Zukunft keine Nachfolger für die Vorstandsmitglieder gefunden, muss der Verein aufgelöst werden.


Mit Rundschreiben um Nachfolger geworben

Anzeige

Schon weit im Vorfeld hatte die Vorstandschaft erklärt, keine neue Amtsperiode mehr anzuhängen. Zuletzt hatte Vorstand Ralf Maibach mit einem Rundschreiben an die Mitglieder im November nachdrücklich um Kandidaten für die Vorstandsämter geworben. Auch Bürgermeister Ludwig Entfellner hatte aufgerufen, für die Ämter zu kandidieren.

»So schlecht, wie mir in dieser Versammlung ist, ist es mir noch nicht gegangen«, schilderte Wahleiter Barthl Irlinger. »Ich will mir einfach nicht vorstellen, dass sich ein Verein mit so einer kompakten Hintermannschaft auflöst.«

Irlinger zählte die Vorstandschaft im 30-jährigen Bestehen des Vereins auf. Er nannte die Ehrenvorsitzenden und verdienten Mitglieder. »Es ist eine historische Stunde«, kehrte er in die Gegenwart zurück. »Das Leichteste ist für jeden von euch, 'Nein' zu sagen, aber das hat unser Dorf nicht verdient. Der Gast, der durch das Dorf fährt, erkennt, dass hier Leute wohnen, die ein Gespür für Blumen und Schönheit haben. Es ist doch auch für uns. Wir mögen es doch auch, wenn unser Dorf geschmückt ist. Wollt ihr das alle aufgeben? Ich glaub' nicht!« Dann seine Frage: »Ich möchte jetzt von euch wissen, wer von euch ist für die Auflösung des Vereins?« Niemand hob die Hand.

Dann zückte Irlinger ein Papier und skizzierte eine mögliche Vorstandschaft für den Gartenbauverein. Das brachte ihm lautes Lachen und begeisterten Beifall, aber eben auch Absagen, der von ihm vorgeschlagenen Kandidaten. Es folgten Vorschläge aus dem Publikum und weitere Absagen.

119 Mitglieder hat der Verein

Ralf Maibach sah 30 Jahre erfolgreiche Vereinsarbeit verschwinden. Er nannte die Zahl der Mitglieder: 119 in einem kleinen Dorf. Er sprach über die Gefahren für die Dorfgemeinschaft. Wieder ein Verein weniger – Veranstaltungen, die zukünftig im Dorfleben fehlen. »Ich hoffe und wünsche mir, dass es weitergeht«, so der Vorstand.

Ludwig Entfellner blickte auf eine Vereinsmannschaft, deren Mitglieder mit einem großen Aufwand zum Beispiel zur Dorfverschönerung beitragen. Er sorgte sich vor allem um den gesellschaftlichen Dorfzusammenhalt. »Seht euch um. Gibt es rundum eine Mitgliederversammlung mit einer solchen Teilnehmerzahl?«

»Ich habe den Eindruck, das ist ein gesunder Verein«

Fast die Hälfte der Mitglieder war zur Jahreshauptversammlung gekommen. Entfellner weiter: »Erwartet keine Blut- und Tränenrede von mir, aber ich habe den Eindruck, das ist ein gesunder Verein.«

Wie Vorstand Ralf Maibach abschließend erklärte, wird die jetzt kommissarische Vorstandschaft zu einer neuen Mitgliederversammlung in ein paar Wochen aufrufen. Dann wird es erneut um die Neuwahlen gehen. Findet sich niemand, droht dem Verein die endgültige Auflösung.

Im Rahmen der Jahreshauptversammlung ehrte Vorstand Ralf Maibach schließlich noch Erwin Losert, Sieglinde König und Monika Irlinger für 25-jährige Mitgliedschaft. lukk