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Wer spielt den »Royal Flush« im Berliner Wahlpoker?

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Als Dank für sein Referat erhielt Hans-Ulrich Jörges (rechts) von Bürgermeister Claus Pichler den »Ruhpoldinger Bären« und den Jahresbildkalender der Gemeinde. (Foto: Burghartswieser)

Ruhpolding. Welche Machtkonstellationen könnten sich nach der Bundestagswahl in Berlin ergeben und wer wird Deutschland regieren? Zu diesen Fragen wagte Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Chefredaktion der Illustrierten »Stern« und Chefredakteur für Sonderaufgaben des Verlags Gruner + Jahr, einige interessante Prognosen. »Es wird auf die Machtkonstellationen ankommen, nicht auf die Spitzenkandidaten«, analysierte er in seinem Vortrag »Berliner Wahlpoker: Wer spielt den Royal Flush« seine Einschätzungen beim Neujahrsempfang der Gemeinde Ruhpolding im Kurhaus.


Viele Bauprojekte vorangetrieben

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Eingangs ergriff Bürgermeister Claus Pichler das Wort, um die Neujahrsgrüße der Gemeinde anhand eines Mundartgedichtes zu überbringen. Er fand danach auch nachdenkliche Worte zu den Bedürfnissen der Menschen. »Geht es uns im Jahr 2013 nicht so gut, dass wir gar nicht mehr erkennen, wie sehr wir auf hohem Niveau jammern?«, fragte er. Der alleinige Maßstab sei offensichtlich nur Geld und nochmals Geld.

Er ließ aber auch das vergangene Jahr aus kommunaler Sicht Revue passieren. Auch 2012 sei ein überaus arbeits- und ereignisreiches Jahr gewesen. »Aber das ist ja in Ruhpolding nichts Ungewöhnliches.« Er erinnerte nochmals an die Ausrichtung der Biathlonweltmeisterschaft, die ein »einmaliges Festival gewesen ist«. Das vergangene Jahr sei auch von sehr großen Anstrengungen im Bausektor geprägt gewesen, sagte der Rathauschef weiter. Dazu nannte er die Sanierung der Turnhalle und die Ortskernsanierung.

Im Tourismus konnten durch steigende Zahlen gute Ergebnisse erzielt werden und auf sozialem Sektor könne man mit dem Erhalt der Volksschule und des Mittelschulverbundes, des Krankenhauses Vinzentinum und der Freizeiteinrichtung »Josefshaus« Erfolge verbuchen. Er lobte aber auch das nachbarschaftliche und bürgerschaftliche Engagement der Einwohner. »Dieses ist unabdingbar für eine funktionierende Dorfgemeinschaft und für das Zusammenleben über die Generationen hinweg.«

Dem in Ruhpolding lebenden, ehemaligen ZDF-Redakteur, Jörg Wimmelmann, ist es zu verdanken, dass jährlich zum Neujahrsempfang hochkarätige Persönlichkeiten als Referenten kommen, so wie in diesem Jahr Hans-Ulrich Jörges. Angesichts von 63 Milliarden Schulden und des Desasters um den neuen Flughafen, was nur eine kleine Spitze von dem bedeute, was noch kommen werde, sei »Berlin unser Griechenland«. Viel sei falsch gebaut worden und »die Berliner wären mittlerweile froh, wenn der neue Flughafen gesprengt würde«. Auch das Bauchaos mit 100 000 unkontrollierten Straßenbaustellen würde von einer »organisierten Planlosigkeit« zeugen. »Es ist in diesem Wahljahr mehr offen, als es scheint«, begann Jörges seine Ausführungen zum Berliner Wahlpoker hinsichtlich der Bundestagswahl. Nach Umfragewerten liege Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Wertschätzung der Bevölkerung vor Peer Steinbrück, betonte er. »Die Werte für den Wahlkandidaten Steinbrück sind von 30 auf 23 Prozent gefallen.«

Koalitionsverhandlungen »werden lustige Zeit«

Für die kommende Bundestagswahl stellte Jörges mögliche Konstellationen vor. Rot-Grün sei für ihn fast unvorstellbar und Schwarz-Gelb schwierig. »Es bieten sich aber auch mit Schwarz-Grün einer Ampelkoalition oder einer großen Koalition Möglichkeiten an«, obwohl das von allen Seiten vehement bestritten werde. Schwarz-Grün würde zwar die CDU ruinieren, aber der Reiz, der SPD den Partner wegzunehmen, sei vorhanden. »Meiner Überzeugung nach sind die Grünen für alles bereit«.

Somit könne er feststellen, dass die Koalitionsverhandlungen »eine lustige Zeit werden«. Er hält derzeit eine schwarz-grüne Koalition am wahrscheinlichsten. »Der Seitensprung wird geistig bereits eingeleitet«, sagte er. Jörges warnte aber auch, dass Leihstimmen gefährlich wären. »Wie immer Sie sich auch entscheiden, halten Sie beide Stimmen zusammen«, riet er. Als Dank für sein Referat überreichte ihm Pichler nach einigen Diskussionsbeiträgen unter großem Applaus den »Ruhpoldinger Bären« und den Jahresbildkalender der Gemeinde. hab