weather-image
28°
Im »Biathlon Family Club« werden während des Weltcups die Athleten und die Helfer in der Chiemgau-Arena verpflegt

"Wer einmal Blut geleckt hat, kommt immer wieder"

Bereit für die Sportler: Renate Aschenbrenner ist verantwortlich für den »Biathlon Family Club«, in dem die Athleten auch einen Rückzugsort haben. (Foto: J. Müller)

Im »Biathlon Family Club« kommen die rund 30 ehrenamtlichen Helfer den Biathleten beim Weltcup in Ruhpolding ganz nahe – davon sollen die Sportler aber am besten gar nichts merken.

Anzeige

Wenn sie in die Holzhütte in der Chiemgau-Arena kommen, um sich dort zu stärken, gelten für die Servicekräfte klare Regeln: »Das oberste Gebot ist, höflich und nett zu sein«, erklärt Renate Aschenbrenner, die für die Helfer zuständig ist. »Und natürlich dürfen die Athleten nicht fotografiert oder einfach angesprochen werden.« Schließlich soll die Hütte ein »Ruhepol« für die Biathleten sein – abseits vom Trubel in der Chiemgau-Arena und auf der Strecke.

Ihren Servicekräften muss Renate Aschenbrenner das aber gar nicht mehr sagen – die meisten helfen schon seit Jahren in ihrem Team mit. »Teilweise sind sie sogar schon seit 15 bis 20 Jahren dabei«, erzählt die 55-Jährige. »Wer einmal Blut geleckt hat, kommt immer wieder.« Das gilt auch für Renate Aschenbrenner: Weil ihre Töchter im Skiclub aktiv waren, half sie immer wieder bei Wettkämpfen mit. »Am Anfang waren wir zu zweit im Service und sind von Jahr zu Jahr gewachsen.« Inzwischen kommen sogar manche Helfer aus Nord- und Ostdeutschland nach Ruhpolding, um mitanzupacken.

Besondere Vorkenntnisse müssen sie dafür nicht mitbringen, nur das »nötige Fingerspitzengefühl. Man muss nicht professionell abräumen können«, sagt Renate Aschenbrenner. »Viel wichtiger als eine fachliche Qualifikation ist, dass die Helfer ins Team passen.« Wobei sich Renate Aschenbrenner über einheimische Helfer besonders freut: »Wenn bei uns Bairisch gesprochen wird, schadet das nicht.«

»Man muss viel laufen und schleppen«

Trotzdem sind natürlich alle Helfer willkommen – bis auf Autogrammjäger. Dass die sich als Helfer für den Service melden, kommt aber nur sehr selten vor. Viel Zeit, um Unterschriften zu sammeln, bleibt ihnen im »Biathlon Family Club« ohnehin nicht: »Bei uns ist es schon anstrengend«, weiß Renate Aschenbrenner, die selbst auch schon in der Gastronomie gearbeitet hat. »Man muss viel laufen und schleppen. Natürlich ist es zu den Stoßzeiten besonders stressig.« Von den Wettkämpfen bekommen die Ehrenamtlichen kaum etwas mit. »Oft müssen wir dann nachfragen, wie es ausgegangen ist.« Schließlich läuft der Betrieb täglich von 10 bis 17 Uhr, als Büffet werden pro Tag 1000 bis 1200 Essen bereitgestellt – und damit gibt es nicht nur bei rund 200 Plätzen im »Biathlon Family Club« viel zu tun, nebenan werden auch die Helfer und Kamerateams verpflegt. Für Renate Aschenbrenner ist oft erst Schluss, wenn auch die Presseverpflegung in der Chiemgau-Arena zusperrt – dort ist erst um 19.30 Uhr Schluss.

In der Family-Club-Hütte geht der Betrieb bereits am Montag vor den Wettkämpfen los, weil die Athleten da schon trainieren – deshalb muss nach dem Aufbau der Hütte zunächst das ganze Geschirr ausgepackt und eingeräumt, die Tische eingedeckt und alles aufgebaut werden.

»Viel Aufwand« bedeutet der Weltcup auch für Renate Aschenbrenner persönlich, die sich dafür nicht nur eine Woche Urlaub nimmt, sondern auch immer wieder eine Kurzzeitpflege für ihre Schwiegermutter organisieren musste. »Ich würde liebend gerne auch was abgeben«, meint die 55-Jährige. »Ich will hier nicht mehr im Rollator durchmarschieren.« Eine Nachfolgerin ist aber nicht in Sicht. Zumindest die Verantwortung für die Presseverpflegung hat die Ruhpoldingerin inzwischen an Elfriede Mayer abgegeben.

Biathlon bedeutet für Renate Aschenbrenner aber nicht nur Arbeit: »Antholz in der Woche nach dem Ruhpolding-Weltcup ist ein Muss – aber nur als Zuschauer.« In Hochfilzen hat die Ruhpoldingerin auch schon Wettkämpfe verfolgt – und natürlich einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Am Weltcup in Ruhpolding schätzt die 55-Jährige vor allem die familiäre Atmosphäre. Renate Aschenbrenner weiß aber, dass nicht nur die in Ruhpolding besonders ist: »Ich glaube, dass die Auswahl an Essen nirgends so gut ist, wie bei uns. Da brauchen wir uns nicht zu verstecken.« Für die Sportler gibt es Kohlenhydrate, Obst und Salat, bei den Helfern steht vor allem Hausmannskost auf dem Speiseplan.

»Nach außen hin darf man davon gar nichts merken«

Natürlich komme es schon mal vor, dass in der Hütte noch irgendwas fehlt. »Genau das, was nicht da ist, wird dann meistens als erstes verlangt. Aber Probleme lösen wir ganz unkompliziert«, sagt Renate Aschenbrenner. »Nach außen hin darf man davon gar nichts merken.« Nicht nur für Probleme findet das Team Lösungen, es erfüllt auch viele Wünsche: »Wir versuchen wirklich alles, machen auch mal ein Babyfläschchen warm, organisieren Stracciatella-Joghurt oder eine Flasche Sekt, wenn es einen Sieg zu feiern gibt.«

Feiern dürfen die Service-Helfer auch – wenn die Gäste weg sind. »Das ist natürlich anstrengend«, meint Renate Aschenbrenner und lacht. »Aber wer diese Woche auslässt, ist selbst schuld. Am Sonntag werden in Ruhpolding wieder die Gehsteige hochgeklappt.« Und dann ist auch im »Family Club« Ruhe: »Am Sonntagabend habe ich genug vom Biathlon«, gibt Renate Aschenbrenner zu. »Aber wenn im Oktober die ersten E-Mails kommen, freue ich mich schon wieder auf den Weltcup.« jom