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Wenn von den Händen nur noch Stümpfe übrig bleiben

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Bei ihrem Besuch vor wenigen Tagen im Lepradorf in Indien traf Karin Demuth auch wieder auf Gendhali (im braunen Rock und hellblauen Oberteil), die bereits zwölf Jahre dort lebt.

Grassau – Es ist ein Herzensprojekt für die Grassauer Karin Demuth und Walter Lück: das Lepradorf »Harshanagar« in der indischen Kleinstadt Sendwha. Bereits seit 14 Jahren unterstützen sie mit ihrer Indien-Nothilfe die Bewohner dort, die zu den Ärmsten der Armen gehören. Fast genau so lange lebt auch schon Gendhali im »Haus des Lichts«, wie das Lepradorf übersetzt heißt. Die Krankheit hat bei ihr zu schweren Verstümmelungen geführt, von ihren Händen sind nur noch zwei Stümpfe übrig geblieben.


Ohne die Hilfe ihrer Nachbarin, die es nicht so stark getroffen hat, könnte sie das tägliche Leben nicht meistern. Sie hilft Gendhali bei der Körperhygiene, beim Anziehen und beim Zubereiten der Mahlzeiten. »Das ist es, was 'Harshanagar' auszeichnet: Die Geächteten, Unberührbaren finden hier Nähe und Geborgenheit, eine neue Heimat«, beschreibt Karin Demuth, die im Januar wieder das Dorf in Indien besucht hat.

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Lesen und Schreiben hat sie nie gelernt

Gendhali stammt aus einem abgelegenen Dorf Zentralindiens, wo sie in armseligen, unhygienischen Verhältnissen aufwuchs. Irgendwann steckte sie sich dort mit dem Bacterium Leprae an. Zunächst merkte sie nicht, dass sie sich infiziert hatte. Typische Hautveränderungen und Gefühllosigkeiten an den Händen beachtete sie nicht. Gendhali ist ungebildet. Lesen und Schreiben hat sie nie gelernt. »Woher sollte sie die Frühsymptome von Lepra kennen? Unbehandelt verursacht Lepra irreversible Nervenschäden, die zu Verstümmelungen an Händen, Füßen und im Gesicht führen«, erklärt Karin Demuth.

Als die Dorfbewohner die Verstümmelungen bemerkten, wurde Gendhali aus der Gemeinschaft ausgeschlossen und kam nach »Harshanagar«. Ein weiteres Ausbreiten ihrer Krankheit wurde hier mit einer Kombi-Therapie dreier Antibiotika gestoppt. Mit dieser Therapie ist Lepra heilbar, sodass die Menschen nicht mehr ansteckend sind. Eine Rückkehr in das alte Leben war für Gendhali aber nicht möglich. Denn die Ängste vor Lepra sind im traditionellen Indien tief verwurzelt. »Gendhali blieb in 'Harshanagar'. Hier wird sie akzeptiert und führt ein ruhiges, zufriedenes Leben.«

Karin Demuth und Walter Lück finanzieren mit ihrer Indien-Nothilfe im Lepradorf Medikamente und ärztliche Behandlungen, sie geben Zuschüsse für Ernährung und Kleidung und sorgen für gute Schulausbildungen der Kinder der Leprakranken.

25 stabile Steinhäuser wurden errichtet

Vor vier Jahren hat die Indien-Nothilfe e.V. in Kooperation mit dem Bundesministerium für Entwicklung menschenwürdigen Wohnraum für die Leprakranken gebaut. »Die Menschen leben jetzt in 25 stabilen Steinhäusern, wodurch sich ihre Lebensqualität und ihr Gesundheitszustand erheblich verbessert haben«, so Demuth.

Bei ihrem Besuch des Lepradorfes im Januar stellten die beiden Grassauer fest, dass die heftigen Monsunregen der letzten Jahre den Außenanstrichen der Häuser aber stark zugesetzt haben. Deshalb müssen die Häuser neu gestrichen werden. Die Malerarbeiten können junge Bewohner des Dorfes ausführen. Die Kosten für die Farbe in Höhe von ca. 2000 Euro übernimmt die Indien-Nothilfe als Verein. Hierfür werden Sponsoren gesucht. Wer helfen möchte, kann die Spende auf das Konto der Indien-Nothilfe bei der Deutschen Bank (IBAN: DE 043 007 002 409 661 00000, BIC: DEU TDE DBD UE) überweisen. Wer Fragen hat, kann sich bei Karin Demuth in Grassau, Telefon 08641/69 69 529, melden. apo