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Wenn Venus und Hormone mitreden

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Mirandolina (Mona Kricke) in dem gleichnamigen Stück von Goldoni wird von Fabrizio (Anton Seinsch) angeschmachtet. Dazu sang das »Standbild« der Göttin Venus (Antonia Steinbacher) Bachs Arie »Ich liebe dich«. (Foto: Giesen)

Marquartstein. Sind es die Hormone, die die Liebe des Lebens entfachen, ist es der eigene Wille oder ist es gar die Liebesgöttin Venus? Zum großen Vergnügen des Publikums brachten 18 Schüler der zwölften Jahrgangsstufe des Staatlichen Landschulheims das Stück »Mirandolina« von Carlo Goldoni auf die Bühne.


Bestens einstudiert von Theaterleiterin Sandra Altmann spielten die jungen Laiendarsteller, die noch heuer ihr Abitur ablegen werden, die 1753 erschienene, witzige und hintersinnige Komödie des venezianischen Komödiendichters Goldoni. Auch wegen der vielen Mitwirkenden hatte Sandra Altmann das Stück für die Schulbühne umgearbeitet, wobei der Wortwitz des berühmten Autors erhalten blieb.

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Im Mittelpunkt steht die hübsche und intelligente Gastwirtin Mirandolina (Mona Kricke), die ihr vom Vater geerbtes Hotel mit Charme und Ehrgeiz leitet. Zwei aufdringliche Verehrer, der neureiche Goldmann (Felix Wiedemann) und ein verarmter Adeliger (Marian Boschner), rivalisieren um ihre Gunst und auch der Kellner Fabrizio (Anton Seinsch) hat ein sehnsüchtiges Auge auf sie geworfen. Aber nur der notorische Frauenverachter (Niklas Gronemann) weckt ihren Ehrgeiz.

Um die beiden unliebsamen Verehrer loszuwerden, setzt Mirandolina die beiden Heiratsschwindlerinnen (Laura Knoll und Sarah Knäusl), die sich unter falschem Namen bei ihr einquartiert haben, auf die beiden Herren an. Da tauchen auch noch zwei herrlich dargestellte Touristinnen auf (Sofie Lindlacher und Lisa Hackl), die sich um Fabrizio bemühen. Zwei wortkarge, aber eindrucksvoll ihre Muskeln spielen lassende Weinhändler (Jonas von Mengershausen und Fabian Wagner) sowie ein plump agierender Bühnenbildner (Heiko Nöldeke) bringen weitere Verwicklungen ins schon bestehende Chaos. Da taucht auch noch die bissige Männerhasserin Frau Ritter (Merit Kümper) im Hotel auf.

Aber die beiden knallpink gekleideten, höchst beweglichen Hormone (Lilli Filipenco und Isabel Krull) und natürlich besonders die als unbewegliche Statue auftretende Venus (Antonia Steinbacher) verändern dann doch so Manches. Schließlich scheint zusammen zu finden, was zusammen gehört und Venus singt mit beachtlicher Ausdruckskraft und Stimme Johann Sebastian Bachs berühmte Liebesarie.

Auch sonst trägt die flotte musikalische Untermalung des Geschehens viel zur beschwingten Stimmung des Stücks und damit des Publikums bei. Auch zwei Lehrer, Andrea Zannantonio und Gerhard Mayer, geben mit gut geschulten Stimmen zwei Arien zum Besten, die mit viel Applaus vom Publikum belohnt wurden.

Von der ersten Minute bis zuletzt spielten alle Darsteller mit großer Spielfreude, aber auch voller Konzentration, passender Mimik und Gestik, was durch die technisch ausgeklügelten Lichteffekte unterstützt wurde, für die Max Krull und Lenny Lander verantwortlich sind. Der große Beifall am Schluss und die großzügigen Spenden bewiesen, wie gut sich das Publikum amüsiert hatte.

Eine weitere Aufführung von »Mirandolina« ist am heutigen Donnerstag um 19.30 Uhr sowie am 25. Juni auf der Freilichtbühne in Schützing am Chiemsee. Am Donnerstagabend findet nach der Theateraufführung im Festsaal eine Versteigerung von 15 digitalen Drucken von Anton Steinbacher statt, von dem derzeit viele bearbeitete Fotografien im Kulturraum der Schule ausgestellt sind. Der Erlös kommt den Schülern der 12. Jahrgangsstufe zu Gute, deren Klassenkasse vor einiger Zeit entwendet wurde. gi