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Wenn sich der Kinderwunsch nicht erfüllt

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Nicht jeder hat das Glück, schwanger zu werden. Es gibt viele Paare, bei denen es einfach nicht klappen will.  Nun soll eine Selbsthilfegruppe gegründet werden mit dem Titel »Wunschkind – unerfüllter Kinderwunsch«.

Traunstein – Sie und ihr Mann haben es viele Jahre lang probiert. Doch ihr sehnlichster Kinderwunsch wollte sich einfach nicht erfüllen. Nun ist Claudia (Name von der Redaktion geändert) 40 und sie will und kann nicht mehr. »Ich muss mich einfach damit abfinden«, sagt die Traunsteinerin mit Tränen in den Augen. Um mit anderen ins Gespräch zu kommen, denen es ähnlich geht, möchte sie eine Selbsthilfegruppe gründen: »Wunschkind – unerfüllter Kinderwunsch«.


»Ich habe mich schuldig gefühlt«

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»Ich habe schon das Gefühl, dass das ein wenig ein Tabuthema ist«, sagt Claudia. Deshalb fiel es ihr auch nicht ganz leicht, ihre Geschichte zu erzählen.

Mit Mitte 20 beschließen sie und ihr Freund (heute Mann), dass sie ein Kind möchten. »Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, dass das nicht klappen könnte«, sagt die Traunsteinerin. Sie wurde auch zweimal schwanger, doch immer waren es Eileiterschwangerschaften. Ein Eileiter musste ihr damals sofort entfernt werden, der zweite dann Jahre später, nach vielen weiteren erfolglosen Versuchen, endlich schwanger zu werden.

»Spätestens da war dann klar, dass es auf normalem Weg nicht mehr funktionieren kann«, sagt Claudia. Auch wenn es rational nicht zu erklären sei, habe sie sich schuldig gefühlt. Der Gedanke »ich bin Schuld, dass wir keine Kinder haben«, habe sie oft beschäftigt – auch wenn ihr Partner ihr in keinster Weise das Gefühl gegeben habe. »Er hat immer darauf geachtet, dass ich mich nicht zu sehr zurückziehe«, sagt Claudia. »Für mich war das belastender als für ihn. Überall um uns herum waren Kinder. Ich habe mir so sehnlichst gewünscht, dass zu mir auch mal jemand 'Mama' sagt.«

Deshalb fahren sie und ihr Partner in eine Kinderwunschklinik nach München. »Wir haben zwei Versuche gemacht, aber leider hat auch das nicht geklappt«, sagt Claudia. »Es war einfach schlimm, so viele verschiedene Eingriffe über sich ergehen zu lassen – und dann immer ohne Erfolg.« Nach dem zweiten Versuch, durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden, »war für mich klar, dass jetzt Schluss sein muss. Es war für mich seelisch einfach genug«. Der zweite Versuch war vor drei Jahren, doch er belastet Claudia noch immer. »Ich hätte mir auch mehr Unterstützung von Seiten der Klinik gewünscht, aber da kam nicht viel. Ich fühlte mich irgendwie fallen und allein gelassen mit meinem Problem. Da kam kein Wort des Bedauerns.«

»Gegenseitig Ratschläge geben«

Ganz ausschließen will Claudia einen dritten Versuch nicht, doch die Traunsteinerin sagt: »Eher nicht. Ich habe jetzt ein gewisses Alter, ich fühle mich eigentlich zu alt.« Sie könnte sich vorstellen, dass in einer Selbsthilfegruppe Frauen/Paare zusammenkommen, »die in den unterschiedlichsten Phasen sind« – also vor einer künstlichen Befruchtung, danach oder auch Paare, die damit leben müssen, dass sich ihr Kinderwunsch nicht erfüllen wird. »Wir können uns gegenseitig Ratschläge geben und uns austauschen, das könnte sicher ein wenig helfen«, ist Claudia überzeugt.

Wer Interesse an der Selbsthilfegruppe »Wunschkind – unerfüllter Kinderwunsch« hat, kann sich ans Selbsthilfezentrum Traunstein unter der Telefonnummer 0861/204 66 92 wenden. KR