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Wenn schneebedeckte Wiesen plötzlich braun sind

Ab dem morgigen Samstag dürfen Bauern wieder Gülle auf ihren Wiesen ausbringen. Auf Ackerböden ist das bereits seit Monatsbeginn erlaubt. Allerdings darf nur geodelt werden, wenn der Boden aufnahmefähig ist. Angesichts des Dauerfrostes der letzten Tage darf das vielerorts bezweifelt werden.

Viele Bauern nutzen in diesen Tagen die stabile Unterlage, um Gülle auf Wiesen und Ackerflächen auszubringen. Wenn es erst einmal richtig taut, besteht die Gefahr, dass ihre schweren Maschinen den Boden beschädigen und verdichten. Bei einer Schneeauflage von fünf Zentimeter oder mehr sowie bei gefrorenem Boden ist das Düngen allerdings generell verboten. Vor allem in vielen bergnahen Gebieten in der Region ist diese Konstellation derzeit gegeben.

Genaue Regelungen für das Ausbringen

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Kein Wunder, dass beim Landwirtschaftsamt schon etliche Anzeigen eingegangen sind, in denen sich Bürger darüber beschweren, dass Bauern in diesen Tagen ihre Felder und Wiesen düngen. Mehrere Landwirte, die gegen die Auflagen verstoßen haben, müssen damit rechnen, dass gegen sie Bußgelder verhängt werden. Überdies werden ihnen Fördergelder gekürzt. »Da kann je nach Betriebsgröße schnell ein Tausender zusammenkommen«, sagt Rolf Oehler, der beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für diesen Bereich zuständig ist.

Das Verbot für das Ausbringen stickstoffhaltiger Düngemittel (außer Stallmist) dauert vom 1. November bis 31. Januar für Ackerland und vom 1. Dezember bis 15. Februar für Grünland. Festmist darf aber auch nur dann ausgebracht werden, wenn der Boden aufnahmefähig ist. Nicht aufnahmefähig ist er, wenn er wassergesättigt oder überschwemmt ist, wenn er dauerhaft gefroren ist und tagsüber nicht auftaut. Gleiches gilt, wenn er mehr als fünf Zentimeter hoch mit Schnee bedeckt ist. Verstöße, so heißt es im Verordnungstext, ziehen unweigerlich Bußgelder und Kürzungen bei der Betriebsprämie nach sich. Für die Überprüfung von Einzelfällen ist das Zentrum für Agrarökologie in Pfaffenhofen an der Ilm zuständig. Weil man von dort aus die Situation in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land sicherlich nicht exakt beurteilen kann, wird jeder Einzelfall an Ort und Stelle geprüft.

Schäden halten sich um diese Jahreszeit in Grenzen

Viele Bauern, so Rolf Oehler, fahren jetzt ihre Gülle aus, weil sich beim Befahren von Wiesen und Feldern die Schäden, die ihre schweren Maschinen verursachen, angesichts der derzeitigen Wetterlage in Grenzen halten. Und er weist auch darauf hin, dass die Konstellation ideal sein könnte: Wenn wie gestern den ganzen Tag die Sonne scheint, erwärmt sich der Boden unter der dunklen Gülle schneller. Sie wird durch den Schnee verdünnt und ist ein idealer Dünger.

Oehler appellierte gestern in einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt an die Landwirte, dass jeder von ihnen selbst verantwortlich für den Schutz von Boden, Gewässern und Umwelt ist. Er mahnt Landwirte, besonders kritisch zu prüfen, wenn sie in Hanglagen in der Nähe von Seezuflüssen düngen wollen. -K.O.-