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Wenn Information auf Emotion trifft

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Langläuferin  Steffi Böhler  sprach  offen  über ihre Krebserkrankung. Heute geheilt, machte die 36-Jährige Betroffenen Mut: »Das heißt nicht gleich Untergang, man muss sich nicht gleich ein Grab schaufeln«, betonte sie. (Foto: Tobias Brummer)

Traunstein – Ganz im Zeichen von Information, Kommunikation und Empathie stand der vom Onkologischen Zentrum Traunstein (OZ) organisierte dreitägige Traunsteiner Krebskongress. Unter dem Motto »Gemeinsam gegen den Krebs« beleuchteten hochkarätige Referenten die verschiedensten Aspekte rund um das Thema Krebs. Für bewegende Momente sorgten Weltklasse-Langläuferin Steffi Böhler und LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl im Interview mit BR-Moderator Norbert Joa.


»Jeden Tag bekommen 1400 Deutsche die Diagnose Krebs«, sagte Norbert Joa. Die gute Nachricht sei, dass die Möglichkeiten von Diagnose und Therapie dank intensiver Forschung immer besser würden. Dabei erhöhe die Früherkennung nach wie vor die Heilungschancen.

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Jede zehnte Frau von Brustkrebs betroffen

Dass Vorsorge Not, aber nicht weh tut, davon konnten sich die insgesamt über 500 Gäste in der Aula auch gleich ein Bild machen: Bei einer Live-Schaltung ins Klinikum Traunstein nahmen sie an einer Darmspiegelung teil. Während der mit der Veröffentlichung einverstandene Patient vor sich hinschlummerte, entführte Gastroenterologie-Chefarzt Dr. Anton Kreuzmayr das faszinierte Publikum auf eine aufschlussreiche, endoskopische Reise durch den Darm.

Einige Seminarräume weiter stellte Dr. Christian Geltner, Chefarzt der Pneumologie an der Kreisklinik Bad Reichenhall, fest, dass Raucher im Schnitt zehn Jahre früher sterben und der Anteil der an Lungenkrebs erkrankten Frauen weiterhin steige. Die häufigste Krebserkrankung bei Frauen sei aber nach wie vor der Brustkrebs, »jede Zehnte ist betroffen«, so Prof. Afshin Rashmanian-Schwarz beim »Talk in der Aula« mit Norbert Joa. Der Chefarzt der neuen Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie am Klinikum Traunstein machte Patientinnen mit einer nicht vermeidbaren Brust-Amputation Mut, indem er die, heutzutage mit gutem Ergebnis möglichen Rekonstruktionen aus körpereigenem Gewebe vorstellte. Sein Vortrag in Wort und Bild bewegte das Publikum sichtlich.

Und auch der abendliche Talk des Patiententags ging den Besuchern unter die Haut: So, als die sympathische Sportlerin Steffi Böhler mit Joa und dem Stresstherapeuten Dr. Philip Janda offen über ihre vor fünf Jahren erfolgte Diagnose Schilddrüsenkrebs und ihren Umgang damit sprach. Heute geheilt, machte die 36-Jährige Betroffenen Mut: »Das heißt nicht gleich Untergang, man muss sich nicht gleich ein Grab schaufeln.«

Vollblutmusiker Stefan Dettl aus Truchtlaching, der das Publikum zwischendurch mit Gitarrist Fabian Jungreithmayr vor Begeisterung von den Stühlen riss, zollte Steffi Böhler höchste Anerkennung für ihre mentale Stärke im Umgang mit der Diagnose Krebs. Sie habe in ihrem sozialen Umfeld gefunden, was andere Menschen auch in den, von Janda dringend empfohlenen, Selbsthilfegruppen finden könnten, so Böhler.

Betroffene nahmen beim Krebskongress auch sehr gerne die Möglichkeit wahr, direkt mit Selbsthilfegruppen wie der von Dr. Eckhard Pfeiffer geleiteten Prostatakrebs Selbsthilfe in Traunstein ins Gespräch zu kommen. Wie Ärzte bei der Diagnose Krebs ihren Patienten die schlimme Nachricht überbringen, brachte Kommunikationsprofi Oliver Keifert beim Ärztetag auf den Punkt: »Es ist eine große Kunst, Dinge einfach darzustellen«, sagte er. Ob Vorträge für jedermann oder auch die sehr gut besuchten Ausführungen für das medizinische Fachpersonal: Die Referenten des Krebskongresses beherrschten diese Kunst erfreulich gut. Und so konnten die Kongressbesucher eine Fülle wertvoller Informationen mitnehmen, etwa auch beim Vortrag von Hämato-Onkologie-Chefarzt Dr. Thomas Kubin über die Fortschritte in der Medizin bei der Weiterentwicklung der Immuntherapie. Oder auch ganz lebensnahe Tipps, wie die der Jenaer Professorin Jutta Hübner über die richtige Ernährung bei Krebs. Der international renommierte Hamburger Krebsforscher Prof. Thorsten Schlomm referierte über das komplexe Thema Gene und Bits in der Medizin.

Einmal mehr engagierte sich auch der FC Bayern Fanclub Rot-Weiße-Traun Traunstein für von Krebs Betroffene: Er verdoppelte den Erlös seines Torwandschießens vor dem Bildungszentrum, der direkt dem guten Zweck zukommt.

Verein soll gegründet werden

Zusammen mit der Ankündigung von Prof. Zaak, dass im Juli ein Verein »Gemeinsam gegen den Krebs« gegründet werde, bestätigte der Kongress, was der Traunsteiner Landrat Siegfried Walch im Gespräch mit Dr. Uwe Gretscher, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Südostbayern AG, so zusammenfasste: »Es ist eine Ausnahme und im ländlichen Raum durchaus nicht selbstverständlich, dass wir mit dem Klinikverbund in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein eine qualitativ sehr gute Gesundheitsversorgung haben.« Dafür könne man durchaus dankbar sein, so der Aufsichtsratsvorsitzende der Kliniken AG. fb