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»Wenn ich nicht dran komme, komm ich halt nicht dran«

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Piroschka ist eine seiner Lieblingskühe – in ihren mittlerweile zwölf Lebensjahren hat sie insgesamt rund 80 000 Liter Milch gegeben »und ist dabei noch frisch und munter«, berichtet Franz Pletschacher junior. (Foto: Hohler)

Grassau. »Ich denke oft an Piroschka« – vielleicht nicht ganz so süß, wie die junge Lilo Pulver in dem Film, aber genauso lieb ist die braune Fleckvieh-Kuh »Piroschka« im Stall von Franz Pletschacher. Der 41-jährige Biobauer aus Weiher hatte sich beworben für die Serie »Bauer sucht Frau«. Die Szenen mit ihm waren auch schon abgedreht – aber ausgestrahlt werden sie nun doch nicht, wenn am Montag die neunte Staffel beginnt.


»Die drücken die Daumen, die anderen gönnen dir eh nix«

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Pletschacher nimmt das gelassen: »Ja mei, ich bin halt nicht dran gekommen, das ist halt so. Mir tut's vor allem leid für meine Freunde, die sich da ganz schön engagiert haben. Die haben sogar eine eigene Fan-Seite bei Facebook für mich eingerichtet.« Der Sender habe die Geschichten von zwölf Landwirten und einer Landwirtin aufgezeichnet, aber nur zehn würden ausgestrahlt. Es würden wohl immer ein paar Geschichten mehr produziert als ausgestrahlt – nicht zuletzt, weil immer wieder mal ein Teilnehmer zwischen Aufzeichnung und Sendetermin sein Glück findet und aussteigt. »Aber das musst alles locker sehen. Man muss auch mal was ausprobieren, und wenn's net klappt, musst drüber stehen.«

Es war die Freundin eines Spezls, die ihn vor zwei oder drei Jahren auf die Idee brachte, sich bei »Bauer sucht Frau« zu bewerben. Erst war er nicht so recht überzeugt, meldete sich aber doch, und als sich RTL im Frühjahr bei ihm meldete, dachte er sich: »Warum nicht? Verlieren kann man ja nix.« Dabei war ihm das mögliche Gerede egal. »Mei, das ist doch immer so, egal, was d' machst. Die einen mögen dich, die drücken dir die Daumen, die anderen gönnen dir eh nix«, sagt er. Unterstützung erfuhr er vor allem von seiner Familie und den Freunden aus dem Schützenverein. Natürlich habe er Fragen gehört, wie etwa: »Hast dir bei uns keine gefunden?« Aber auch da steht er drüber und stellt lachend klar, dass er »keineswegs unberührt« oder ein Eigenbrötler sei, der noch nie eine Freundin hatte. »Es hat halt einfach bisher net gepasst.«

Und das liege weder an dem von Geburt an fehlenden rechten Unterarm noch an der Landwirtschaft an sich. Freilich habe es sich die eine oder andere auf Dauer nicht vorstellen können, Bäuerin zu sein. »Aber ich steh um halb, dreiviertel sechs auf, wir haben humane Zeiten, wann die Milch abgeholt wird«, sagt er und lacht. »Außerdem ist das alles Einteilungssache.«

Kühe, Meerschweinchen, Hühner und die »Stallente«

Freilich, es sind 21 Kühe und derzeit 27 Stück Jungvieh, die jeden Tag versorgt sein wollen. Dabei ist das Vieh normalerweise draußen, außer es ist Frost oder ist allzu nass. Dann gibt es noch rund 20 Hühner, 15 bis 20 freilaufende Meerschweinchen – Rocco, das älteste, ist an die zehn Jahre alt – und die zwölf Jahre alte »Stallente Flatterball«. »Der mag gar nimmer raus, wenn ich ihn doch mal raus trag, rennt er einmal um den Hof und kommt zur Stalltür wieder rein«, sagt er. Aber um das Kleinvieh kümmert sich Franz Pletschacher senior. Inklusive der Pachtflächen sind da zudem noch rund 21 Hektar Land, die nach den Grundsätzen des Bio-Anbauverbands Naturland bewirtschaftet werden. Das meiste ist Grünland, aber auch ein bisserl Mais und Weizen gehören dazu.

»Es ist ja nicht so, dass die Arbeit in der Landwirtschaft eine menschliche Bestrafung ist, das ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige überhaupt«, sagt der Nebenerwerbslandwirt, im Hauptberuf Industriekaufmann. »Da wird viel zu wenig drüber nachgedacht, es müssten eigentlich noch viel mehr auf 'bio umstellen'. Da geht's um unsere Nahrung! Also ich möcht nicht auf Dauer abhängig sein von ausländischen Konzernen und ihrem Genzeug und der ganzen Chemie. Man sieht ja, wozu das führt, in den Ländern, wo's keinen schert.«

Wenn am Montag die Ausstrahlung beginnt, ist Franz Pletschacher höchstens vom Kanapee aus dabei. »Mir tut's mehr leid für die anderen, die sich so bemüht haben und die Daumen gedrückt haben«. Ganz umsonst war seine Teilnahme ja nicht. Zum einen hatte er eine schöne Zeit bei der Scheunenparty. »Da waren wir schon ein paar Tage vorher in einem Hotel einquartiert, das war ein richtiger Urlaub.«

Und zum anderen hat er im Zuge der Aufzeichnungen zwei nette Dirndln kennengelernt, die auch schon zum Probe-Leben auf seinem Hof waren. »Die eine hätte mir nicht getaugt, aber mit der anderen bin ich noch in Kontakt.« Das heißt im Klartext? »Es ist nicht so, dass ich nicht mehr zu haben wäre, aber auch nicht so, dass es völlig chancenlos ist. Schau ma mal.« Vielleicht geht sein Wunsch von einer Familie ja bald in Erfüllung, so oder so. coho