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Wenn Hände und Füße langsam verstümmeln

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Die Grassauerin Karin Demuth (von rechts), Vorsitzende der Indien-Nothilfe, besuchte bereits mehrfach die Leprastation und Schwester Julia in Indien. Zuletzt konnten dort dank Spenden Häuser für die Betroffenen errichtet werden. (Foto: Demuth)

Grassau – Es ist kaum vorstellbar, was Menschen, die in Indien an Lepra erkrankt sind, erleiden müssen. Soziale Diskriminierung droht zudem auch noch den Familienmitgliedern. Diesen Betroffenen nimmt sich die Indien-Nothilfe der Grassauerin Karin Demuth an und unterstützt in Südindien eine Leprastation. Schwester Julia, eine der beiden dort tätigen Schwestern, ist derzeit zu Gast in Grassau. In einem zweisprachigen Multimedia-Vortrag informiert sie am morgigen Mittwoch um 19.30 Uhr im kleinen Heftersaal über ihre Arbeit.


Südindien ist teilweise nur schwach besiedelt und die Dörfer liegen weit auseinander. »Medizinische Hilfe ist oft nicht möglich. Auch die hygienischen Verhältnisse sind sehr schlecht und so erkranken besonders unterernährte Menschen an Lepra«, informiert Schwester Julia, die derzeit zu Gast bei Karin Demuth, der Vorsitzenden der Indien-Nothilfe ist. Es ist der erste Europa-Besuch der 50-jährigen Schwester. Mit leiser Stimme und vielen Emotionen, erzählt sie von den Menschen, die in der Leprakolonie »Harshanager« (Haus des Lichts) in Sendhwa betreut werden.

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Meist kommen die Erkrankten spät in die Station und die Krankheit ist schon weit fortgeschritten, hat Haut und Nervensystem befallen, Hände und Füße verstümmeln lassen. Auch Lähmungen und Erblindung ist eine Folge von Lepra. Oft werden die Erkrankten auch einfach nur vor der Türe der Station abgestellt. Manchmal kommen auch ganze Familien, da sie als stigmatisiert, als von Gott gezeichnet und bestraft gelten und aus der dörflichen Gemeinschaft geworfen werden.

Man sei so dankbar, dass die Indien-Nothilfe die Leprakolonie unterstützt, dankte Schwester Julia der Vorsitzenden des Vereins Karin Demuth. Seit nunmehr 17 Jahren unterstützt die Nothilfe als eines ihrer vier Projekte die Lepra-Kolonie. Hier leben 92 Familien und 258 Patienten werden von zwei Schwestern betreut. Auch um die Kinder der Erkrankten sorgt die Kolonie, kleidet und ernährt diese und schickt sie in die Schule. Die Patienten, die nicht so schwer erkrankt sind, können am Webstuhl arbeiten und stellen Teppiche her. Dies, so Julia, stärke deren Selbstwertgefühl.

Vor drei Jahren wurden durch Unterstützung der Indien-Nothilfe und aus Mitteln des Wirtschaftsministeriums 34 neue Häuschen gebaut. Nun können sich die Familien zurückziehen und die Türe schließen. Wie die Schwester berichtete, boten die alten, offenen Strohhütten kaum Schutz. Ratten konnten nachts Hände und Füße der Erkrankten, die an diesen Stellen keinen Schmerz mehr fühlen, anfressen.

Wer finanziell helfen möchte, kann dies mit einer Spende auf das Konto des Grassauer Vereins bei der Deutschen Bank (BIC: DEUTDEDBDUE, IBAN: DE04 3007 0024 0966 1000 00) tun. tb