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»Wenn es still ist, ist es gefährlich«

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Traunstein. Auf den Brief habe man keine Antwort erhalten, bedauert Walter Kellermann. Dabei möchte die Aktionsgemeinschaft zum Schutze der Saalforste und des Sonntagshorns mit den Unkenern ins Gespräch kommen, sie gewinnen für die Idee eines sanften Tourismus. Denn alpines Skifahren sei in Höhenregionen wie des Sonntags- und dem Dürrnbachhorns ein »Auslaufmodell«, künstliche Beschneiung auf Dauer nicht bezahlbar, ist Kellermann überzeugt. Die Aktionsgemeinschaft hatte eine Mitgliederversammlung im Bräustüberl einberufen, weil die Nachwahl von Walter Kellermann als Stellvertretender Vorsitzender formaljuristisch notwendig geworden war. 2015 wird wieder die komplette Vorstandschaft gewählt.


»Wenn es still ist, ist es gefährlich«, glaubt Kellermann, »und zurzeit ist es ganz ruhig«. Kellermann wurde von der Versammlung einstimmig zu einem der beiden Stellvertreter wiedergewählt. In den Beirat berufen wurden Hans Sleik, langjähriger Betriebsleiter der Saalforste, und Manfred Scheuermann vom Deutschen Alpenverein.

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Unkens neuerlich bestätigter Bürgermeister Hubert Lohfeyer und ein dortiger Hotelier hätten sich auch nach 40 Jahren immer noch nicht von der Idee einer Skischaukel Heutal-Winklmoosalm und möglichen weiteren Erschließungen verabschiedet, bedauerte Kellermann. Auf der Internetseite eines Planungsbüros habe man neuere Planungen in Sachen Heutal und Dürrnbachhorn entdeckt. Die dortige Bahn ist inzwischen 55 Jahre alt. »Erneuern oder abreißen?«, fragte Kellermann. Man müsste Millionen investieren, dabei sei allein die künstliche Beschneiung auf Dauer nicht bezahlbar.

Eine Studie der Uni Innsbruck habe genau dies bestätigt, dass nämlich Investitionen in derart niedrigen Lagen »ökologisch und wirtschaftlich sinnlos« seien, erläuterte Schriftführer Rudolf Till. Diese Studie sei der eigentliche Anlass für den Brief an die Gemeinde Unken gewesen, darin enthalten ein Angebot zur Zusammenarbeit. Orte wie Villgraten in Osttirol oder Werfenweng am Tennengebirge als »Bergsteigerdörfer« machten vor, wie es anders gehe.

»Die Situation ist allein deshalb vertrackt, weil sich aus Unkener Sicht die Bayern dort einmischen«, meint Alfhart Amberger, Vorsitzender der Alpenvereins-Sektion Traunstein. »Wir wollen nicht nur Spielverderber sein«, versicherte der Vorsitzende Wolf Guglhör. Man wolle weitere Schritte auf die Gemeinde Unken zugehen.

»Die Salzburger Skierschließungs-Kommission hat sich klar gegen eine Erschließung von Sonntagshorn und Peitingköpfl ausgesprochen«, berichtete Thomas Zanker, seit drei Jahren Betriebsleiter der Saalforste – jenes bayerischen Forstbetriebs, der 18 500 Hektar Wald im österreichischen Pinzgau bewirtschaftet. Und das auch noch mit Gewinn, trotz hoher Naturschutzauflagen. »Rund 11 000 Hektar davon sind mit Naturschutz-Kategorien überlagert«, erklärte Zanker. Die Pinzgauer Nachrichten hätten im August berichtet, dass selbst Betreiber Matthäus Unseld eine Verwirklichung der Pläne »kaum mehr für möglich hält«, gleichwohl er eine Modernisierung der Heutallifte und einen Zusammenschluss weiter betreiben wolle.

Zanker hatte Bilder von Hängen dabei, die im Falle einer Realisierung massiv mit Lawinen-Sicherungen verbaut werden müssten. Genau dorthin will die weitere Stellvertretende Vorsitzende Claudia Till alle Interessierten im Mai hinführen, zur Krokusblüte. »Es sollen auch Menschen, die kein Interesse an Wintersport haben, die Schönheit dort erleben«, begründete sie das Angebot zur Wanderung in das Gebiet der Finsterbachalm. Eine Exkursion in sein Forstgebiet bot Thomas Zanker allen Interessierten an.

21 Vereine, vorwiegend Alpenvereins-Sektionen und Naturschutz-Verbände, sind derzeit Mitglied in der AG, dazu kommen 74 Einzelmitglieder. Kassier Klaus Herold konnte von einem stabilen Finanzpolster berichten. Gut 23 000 Euro lägen auf diversen Konten. »Ich bin froh um die Rücklagen«, betonte Herold, »denn wir wissen nicht, was auf uns zukommt.« Thomas Zanker jedenfalls sieht derzeit »keine große Gefahr«. Jedoch: »Der Ministerpräsident ist eher wankelmütig«. höf

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