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»Wenn die Wände doch erzählen könnten...«

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Petra und Björn Gangkofer vor ihrem Wagnerhof: Die Ursprünge des Anwesens in Bergen gehen auf das 9. Jahrhundert zurück, das Haus stammt aus dem 16. Jahrhundert. (Foto: Wannisch)

Bergen – »Das Haus hat uns gefunden«, da ist sich Björn Gangkofer sicher. Mit in die Hüften gestemmten Armen steht der 41-Jährige vor dem Wagnerhof in der Bergner Ortsmitte und schaut stolz auf seinen historischen Hof. In mühevoller Kleinarbeit und mit viel Liebe zu originalgetreuen Details haben Gangkofer und seine Frau Petra den doppelten Hakenhof in dreijähriger Arbeit saniert und restauriert. Für diese Leistung werden sie heute in München mit der Denkmalschutzmedaille des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege ausgezeichnet.


Der Wagnerhof in Bergen ist ein sogenanntes Traunsteiner Gebirgshaus. Es war ursprünglich ein Einfirsthof, bei dem Wohn- und Wirtschaftsteil unter einem Dach liegen. Seine Geschichte lässt sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen. Der heutige Wohnbereich stammt im Erdgeschoß aus dem 16./17. Jahrhundert, im Jahr 1800 wurde er aufgestockt. 1850 schließlich erhielt dieser Bau rechts und links je eine sogenannte Wiederkehr – rechtwinklige Anbauten. Der Wagnerhof ist also ein doppelter Hakenhof.

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»Spontane Idee, bei der Versteigerung mitzumachen«

Als Petra und Björn Gangkofer 2011 den Hof, dessen Ursprung als »Adam Bauern Gut« auf das 9. Jahrhundert zurückgeht, bei einer Zwangsversteigerung kauften, stand das Gebäude seit mehr als 25 Jahren leer und drohte zu verkommen. »Es war eine spontane Idee, bei der Versteigerung mitzumachen, wir hatten – aus heutiger Sicht gesehen zum Glück – nicht viel Zeit, darüber nachzudenken«, erinnert sich Björn Gangkofer. Anfangs seien sie von vielen im Dorf belächelt worden. Am Stammtisch oder bei Vereinstreffen mussten sie sich anhören, »des wird eh nix«, »schiabts es hoid üban Haufa«. »Da ist die Auszeichnung jetzt schon eine Bestätigung unserer Arbeit«, sagt Petra Gangkofer. Der Stolz über das Geleistete ist dem Ehepaar Gangkofer deutlich anzusehen.

Nach umfangreichen Voruntersuchungen begannen die Gangkofers 2012 mit der Instandsetzung. Sie bauten den verfallenen Anbau wieder auf, reparierten die Dachkonstruktion und sicherten das historische Mauerwerk. Historische Türen, Fenster und Böden, die teilweise noch vorhanden waren, bauten Petra und Björn Gangkofer wieder ein – an anderen Stellen ließen sie sie nach historischem Vorbild anfertigen. Sämtliche Oberflächen wurden aufwändig restauriert, die Malerei an der Fassade von einem Kirchenmaler wiederhergestellt.

Wie man das alles stemmt? Als gelernter Zimmerermeister wusste sich der 41-Jährige in vielen Situationen zu helfen, nahm aber auch die Expertisen des Landesamts für Denkmalpflege und des Kirchenmalers gerne an. »In manchen Details sind wir fast extremer geworden, als es vom Amt vorgeschrieben war«, gibt Gangkofer zu. Aber den beiden ging es immer darum, das Historische, so gut es geht, im Original zu bewahren. »Wenn wir es machen, machen wir es richtig«, war das Motto. In einem Museum wohnend sehen sich die Gangkofers mit ihren beiden Kindern Verena (10) und Vinzent (7) aber nicht. »Der Reiz für uns ist es, in diesem geschichtsträchtigen Haus leben zu dürfen; wenn die Wände doch erzählen könnten ...«, sagt Petra Gangkofer.

Nach der Sanierung zogen auch die Eltern mit ein

Drei Generationen leben nun unter dem Dach des Wagnerhofs. Als die Sanierung 2014 beendet war, zogen spontan auch noch Björn Gangkofers Eltern Friederike und Gerhard Gangkofer mit auf den Hof. Ihre Wohnung ist im ehemaligen Pferdestall eingerichtet. Sie hatten das Paar bei der Instandsetzung tatkräftig unter die Arme gegriffen. »Wir sind jeden Tag einfach angegangen, haben nicht gefragt und nicht gejammert, sondern sind zu den Entscheidungen gestanden«, erinnert sich die 67-Jährige.

Dieses Engagement würdigt das Landesamt für Denkmalpflege am heutigen Tag mit der Verleihung der Denkmalschutzmedaille: »Mit ihrem herausragenden Einsatz für den Wagnerhof haben sich Petra und Björn Gangkofer mit ihrer Familie in besonderer Weise um die Denkmalpflege verdient gemacht.« vew

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