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Wenn die Grabenstätter Trachtler ein »Drachenfest« feiern

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Beim Starkbierfest-Singspiel nahmen die Akteure des Theatervereins Grabenstätt kein Blatt vor den Mund. (Foto: Müller)

Grabenstätt. Nach dem großartigen Auftritt von Fastenprediger »Guardian, Pater Superior« alias Gustl Lex (wir berichteten) begeisterte der Theaterverein Grabenstätt beim Starbierfest mit seinem Singspiel »Das Trachtenfest«. Da der GTEV »Chiemgauer« Grabenstätt auf den Plakaten das »t« vergessen hatte, kamen die Besucher nicht in bayerischer Tracht, sondern in chinesischer Kleidung zum »Drachenfest«, was Bürgermeister Georg Schützinger – gedoubelt von Christoph Urian – und Trachtenvorstand Sepp Fleischmann alias Michael Hartl gleichermaßen irritierte: »Weißt du, Schorsch, was da los ist, im Dorf siehst nur noch gelb?«


Derweil marschierten die Schützen im Chinesen-Gwand auf, angeführt vom »schlitzäugigen Blechhaufen« und dahinter die Sportler als Geishas und Mandarins. Für Verwunderung sorgten auch diverse Schilder, auf denen der gewiefte Gemeinderat und Frauenbeauftragte Rudi Aigner Dienstleistungen aller Art anbot. »A Hund ist er schon, der Rudi, und geschäftstüchtig«, so Fleischmann und Schützinger kommentierte: »Das hat er sich gewiss vom Pfeilstetter abgeschaut.«

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Als die »Neu-Asiaten« Manuela Keil, Becci Miller, Steffi Rohrmeyer, Stefan Knuppertz und Angelina Keil mit Musikant Thomas Urian eintrafen, schwante dem Trachtenvorstand Böses: »Um Gottes Willen, wenn das der Zweite Vorstand Franz 'Xare' Wiesholler sieht, der doch bei der Tracht so heikel ist.« Auch die Presse dürfe keinen Wind davon bekommen, wo man doch nach dem Berlin-Auftritt und dem Hamburg-Gastspiel der Goaßlschnalzer quasi weltbekannt geworden sei. Als ob man mit der »Anderl-Plage« der Freien Wähler nicht genug gestraft wäre.

Das ist der George Clooney vom Chiemsee-Ostufer, an dem der Zahn der Zeit nage, erklärte man der jungen »Chinesin« Becci Miller zu Gemeinderat Rudi Aigner, und Kollegin Manuela Keil warnte: »Solange ein Mann noch eine Nudelsuppe beißen kann, ist ihm nicht zu trauen.« Jugendlich frisch wirken hingegen die Gemeindefinanzen und so freute sich Schützinger über Einsparungen beim Turnhallenbau: »Sogar das Mehrzweck haben wir gestrichen.« Nach einer Statutenänderung beim Förderverein würden nun alle Mitglieder den TSV Grabenstätt fördern. »Diese werden nun nicht nur um ihre Kilos, sondern auch um ihre Euros erleichtert«, scherzte Keil. Der Trachtenvorstand prangerte an, dass man vor lauter Baumspenden keine Bäume mehr sehe, »nicht einmal den Müll an der Tankstelle und beim McDonald´s verdecken sie mehr.« Und für »unser Schauspielhaus« gibt es dann keine Baumspenden mehr, ärgerte sich die Theatervereins-Vorsitzende Keil. Das Bauholz hole man sich einfach aus der Hirschauer Bucht, meinte Steffi Rohrmeyer.

Nach der Bayerhymne ging es auf die Bäume zum Blätter-Essen, wie es die Referentin dem Gartenbauverein empfohlen hatte. Doch Schützinger wollte sich partout nicht zum Affen machen lassen: »Bevor ich auf einen Baum kraxl, gehe ich lieber am Herzerlweg spazieren«, der bereits dreimal eingeweiht worden sei. Von den Helfern auf der Baustelle werde im Probenhaus eine Büste aufgestellt, er selbst habe schon eine in Auftrag gegeben, verriet er und präsentierte stolz seinen gestählten Körper.

Für den unlängst in Rente gegangenen CSU-Vorsitzenden Hans Pertl müsse man dringend neue Aufgaben suchen, doch Rudi Aigner drohe ihm alles wegzunehmen, mit Sicherheit auch die Rolle des jungen Liebhabers beim Theaterverein. Der Erlstätter Stimmenkönig Gerhard Wirnshofer käme dafür ebenfalls in Frage, doch sei dieser seit seinem Wahlerfolg ziemlich verwirrt.

Im Übrigen mutiere Erlstätt immer mehr zum Grünwald von Grabenstätt, dabei habe man dort nicht einmal ein Lebensmittelgeschäft oder einen Marktsonntag. Befreit vom Wahlkampfstress sonnte sich Schützinger im Glanz des »unbestrittenen Platzhirschen«. Diese Stellung habe ihm sogar der ADAC bescheinigt. Er mache weiter, bis ihm sein Sohn Georg nachfolge und er dann Seehofer beerben könne.

Abschließend heizten die bestens aufgelegten Darsteller gleich zweimal als tanzende und stimmgewaltige Starkbierfesttreiber ein. Passende Klänge verbreiteten beim Singspiel die Musikanten Lukas Wimmer und Thomas Urian. mmü