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Wenn der Zaunkönig die Friedhofsmauer kürzt ...

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Fastenprediger Bruder Andreas hatte beim Wössner Starkbierfest die Lacher auf seiner Seite. (Foto: Flug)

Unterwössen – Beste Unterhaltung und einen Parforceritt durch ein Jahr Dorfgeschichte bescherte das Starkbierfest des Trachtenvereins »D' Achentaler«. Knapp 200 Besucher erfreuten sich an der »Hauptprobe«, einem Einakter des Wössner Bauerntheaters, und guter Musik der Tanzl-Musi. Den Abend eröffnete der Starkbieranstich von Bürgermeister Ludwig Entfellner. Zur Seite standen ihm Christian Wieninger von der gleichnamigen Brauerei und deren Verkaufsleiter Andreas Bauer sowie die Festwirte Ingrid und Wilhelm Fechtig.


Den Ehrentitel Zaunkönig verlieh dem Bürgermeister Fastenprediger Bruder Andreas. Denn zu Beginn seiner Amtszeit habe Entfellner angeregt, für freie Sicht auf schöne und historische Bauten zu sorgen. Mancher Eigentümer hatte darauf seine Einfriedung radikal gekürzt. Dort am alten Friedhof, »wo es weder von denen draußen, schon gleich gar nicht von denen drinnen viel zu sehen gibt«, sei die Mauer verschönert, nicht gekürzt worden.

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Traurig stimme ihn, so der »Pater«, dass mit der Biergartenmauer als letztem sichtbarem Zeichen des ehemaligen Gasthofs zur Post ungeheuer lustige Erinnerungen an das Gasthoftreiben »wegkompressert« wurden. Andererseits freute er sich über eine neue Terrassenmauer beim Ehrengauhauptmann der Gebirgsschützen. Ob die Aussparungen in der Mauer Schießscharten sind und was sich dahinter abspielen mag, das wolle sich ihm nicht erschließen.

Seit dieser Predigt heißt der neue Markt im Zentrum mit seiner zurückhaltenden Innenraumbeleuchtung »das schwarze Loch von Wessen«. Der sei zwar sicher »eine Goldgrube«, aber kein neues Goldloch von Wössen. Den Trachtlern sagte Bruder Andreas Dank für jahrelange Plattl- und Tanzproben am Bürgermeister. Nur diesen nie nachlassenden Anstrengungen sei es zu verdanken, dass Entfellner bei einer Zumba- Tanzeinlage zur Eröffnung des Marktes eine gute Figur gemacht habe.

Wer von der Bürgermeisterkandidatin erfahren möchte, höre im Dorf wenig. Der solle seine Kinder fragen, rät der Prediger. Die »Generation Facebook« werde von Sonntag reichlich informiert. Sie sei nun Kreisrätin und auf dem Weg in die große Politik: »Auf nach Berlin, Sandra!«, feuerte er sie an.

Im letzten Jahr vermisste Bruder Andreas politische Entscheidungen. Das wünsche er sich künftig lebhafter. Und die Starkbierpredigt 2016 wünschte er sich ohne das Thema Hallenbad. »Zuerst ein Mordsgeschrei, Mordsvorbereitungen, Riesenaufwand. Ein jeder rennt hin und rauskommen tut nichts!« Dann wurde er lateinisch: »Parturient montes, nascetur ridiculus mus – der Berg kreißte und gebar eine Maus«. Eine Schaumparty mit der Dirndlschaft lieferte ihm eine eigene Idee.

Die Elektriker im Stammhaus Haslreiter und die Gemeinde haben ein Beschäftigungsprogramm für den Altbürgermeister aufgelegt, zuvor als Praktikant im eigenen Unternehmen beschäftigt. Er habe die Aufgabe gefunden, Glückwünsche an die Senioren zu überbringen. »Die Senioren freut der Besuch, den Hans hat gefreut, dass er helfen kann, und die Elektriker haben sich erst recht gefreut«, meinte der Prediger. »Ein Winterradlverbot für Bauhofmitarbeiter muss her«, so Andreas. Der Martin Blösl habe verschrien: »Ich fahre solange mit dem Rad zur Arbeit, bis es mich beim Wiendl in der Kurve zerlegt.« Er habe nicht lange warten müssen.

Verregnete Feste waren ebenso Themen des Predigers wie die Schwierigkeiten bei Vorstandssuchen. Heimliche Stammtischsitzungen brachten ein neues, wegweisendes Modell – ein Modell, dass alle fortgehen können, ohne gleich arbeiten zu müssen. Und dann war da noch die Rede von der früheren Wirtin, die die Leute mag, wie die Leute auch sie. Besonders die Mannsbilder vom Stammtisch habe sie in ihr Herz geschlossen, »und umgekehrt war es das Gleiche«. Weiter berichtete der Bruder vom Malermeister, der das falsche Haus weißelte und vom dritten Anlauf zum neuen Maibaum: der erste verfault, der zweite krumm. »Wie der Dritte ist, weiß ich noch nicht, weil er bereits gestohlen ist. » Fürs nächste Jahr wünschte Bruder Andreas mit Augenzwinkern auf den Gemeinderat, »dass endlich einmal wieder richtig was passiert«.

Trachtenvorstand Reinhard Kurz-Hörterer hatte auf die Fastenpredigt eingestimmt. Der Trachtenverein sehe seine Aufgabe nicht darin, die Kommunalpolitik zu derblecken. Er wolle sich darauf beschränken, die bemerkenswerten Geschehnisse im Dorf humorvoll zu beleuchten. Das ist vollauf gelungen. Zu danken ist die Starkbierpredigt Johanna Steiner aus dem Wössner Bauerntheater im Trachtenverein. Für sie gab es einen dicken Sonderapplaus.

Im Vorfeld hatte das Bauerntheater mit einem Einakter auf den lustigen Abend eingestimmt. In der Hauptprobe, so heißt auch das Theaterstück von Erfried Smija, kollidiert Reinigungsfrau Claudia Schweinöster mit Theaterdirektor Wolfgang Färbinger. Sie wird vom Auftrag getrieben, die Bühne zu reinigen, er ist verzweifelt, weil die Probe gestört wird. Großes Schauspiel, wie Färbinger seine Verzweiflung und Fassungslosigkeit Ausdruck gibt, wie sich Claudia Schweinöster befeuert vom Brotzeitbier immer betrunkener darstellt. Mitspieler waren Gabi Haslberger und Peter Steiner. Das Publikum war begeistert. lukk