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Wenn der Baum vom Nachbarn nervt

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Je näher die Anpflanzung, zum Beispiel eine Hecke oder ein Baum, an der Grenze steht, desto niedriger muss sie sein. Nachbarn können dann auch verlangen, dass das Gewächs zurückgeschnitten wird.

Der Baum zu hoch, die Hecke zu nah am eigenen Grundstück – immer wieder kommt es deswegen zu Streitigkeiten unter Nachbarn. Doch man kann dagegen vorgehen. Das Nachbarschaftsrecht gibt vor, wie dicht und wie hoch Sträucher und Bäume an der Grundstücksgrenze sein dürfen. Allerdings sind diese Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, auch Kommunen haben oft eigene Regelungen. Wir geben einen kleinen Überblick.


Markus Breier, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt in Traunstein empfiehlt »unabhängig von den gesetzlichen Vorschriften das Gespräch mit dem Nachbarn zu suchen – und zwar möglichst bald. Ein Rechtsstreit kann teuer werden und fördert im Allgemeinen nicht das nachbarschaftliche Verhältnis.«

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In der Kurzbroschüre »Rund um die Gartengrenze« des Justiz-Ministeriums heißt es: »Bäume und Sträucher sind in erster Linie keine Störenfriede, sondern ein wichtiger und prägender Teil unserer natürlichen Umwelt.« Dennoch gibt es einige Grundregeln, die einzuhalten sind. Abstandsvorschriften gibt es nur für Bäume, Sträucher und Hecken.

Nicht immer ist ein Grenzabstand nötig

Bei anderen Pflanzen muss man keinen Grenzabstand einhalten. Weiter heißt es: »Der erforderliche Grenzabstand richtet sich nach der Höhe des Gewächses. Ist es bis zu zwei Meter hoch, so beträgt der notwendige Abstand mindestens 50 Zentimeter von der Grenze. Ist es höher als zwei Meter, so muss es auch mindestens zwei Meter von der Grenze entfernt gehalten werden.« Sonderregelungen gibt es zum Beispiel für landwirtschaftlich genutzte Flächen oder Waldgrundstücke.

Prinzipiell können Nachbarn das Herstellen eines Abstands verlangen. Sie können zum Beispiel darauf bestehen, dass ein Strauch oder eine Hecke entfernt oder zurückgeschnitten wird, wenn sie näher als 50 Zentimeter an der Grundstücksgrenze stehen. Aber diese Ansprüche können auch verjähren: Hat man also zu lange schon den ausladenden Strauch an der Grundstücksgrenze hingenommen, hat man keinen Anspruch mehr auf seinen Rückschnitt oder gar die Beseitigung.

Hat man den Verdacht, der neu gepflanzte Baum des Nachbarn könnte mich eines Tages in meinem Grundstück belästigen, wird empfohlen, einen Experten um Einschätzung zu bitten und frühzeitig seine Ansprüche anzumelden.

Es kann aber auch sein, dass die Gemeinde das Fällen großer Bäume grundsätzlich untersagt. Gerade in Gegenden mit hoher Besiedlungsdichte stehen Bäume unter einem besonderen Schutz. Gehölze ab einer bestimmten Größe oder einem bestimmten Alter sind dann laut Baumschutzsatzungen zu erhalten. Ob das der Fall ist, weiß die jeweilige Gemeindeverwaltung.

Darf man Zweige einfach abschneiden?

Zum Streit kommt es häufig auch, weil ein Baum direkt auf der Grenze steht. Jeder Nachbar kann dann die Beseitigung des Baums verlangen. Die Früchte und das Holz des Baums stehen beiden Nachbarn zu gleichen Teilen zu. Auslöser für Ärger sind manchmal auch überhängende Äste oder Wurzeln. In der Kurzbroschüre des Ministeriums heißt es dazu: »Zweige, die über die Grundstücksgrenze ragen, darf man an der Grenze abschneiden.« Hier verlangt das Gesetz aber eine Beeinträchtigung der Grundstücksnutzung durch den Überhang, zum Beispiel, dass ohne die Beseitigung eine Schaukel nicht aufgestellt werden kann.

Was die Garten- und Grenzgestaltung betrifft, gibt es viele weitere Regelungen. Wie Kreisfachberater Markus Breier erklärt, können sich Gartenbesitzer bei Fragen dazu jederzeit an ihn wenden. Er ist im Landratsamt Traunstein unter Telefon 0861/58-385 erreichbar. jar