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Wenn das Geschenk des Lebens Angst statt Freude macht

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Donum Vitae – das Geschenk des Lebens – heißt der Träger der staatlich anerkannten Schwangerenberatungsstelle in Traunstein. Dort erhalten alle Schwangeren mit ihren Männern Hilfe, besonders aber auch Frauen und Mädchen, denen das Geschenk des Lebens mehr Angst als Freude macht.

Traunstein – Donum Vitae – Geschenk des Lebens – heißt der Trägerverein der staatlich anerkannten Schwangerenberatungsstelle, die es seit 20 Jahren in Traunstein gibt. Neben allgemeiner Schwangerenberatung finden hier auch Frauen und Mädchen Hilfe, denen das Geschenk des Lebens mehr Angst als Freude macht.


Diese Konfliktberatung war es seinerzeit auch, die zur Gründung von Donum Vitae führte, erst bundesweit, dann bayernweit und schließlich auch zur Beratungsstelle Traunstein mit der Außenstelle Freilassing. »Ursprünglich waren einige meiner Kolleginnen und ich beim Sozialdienst Katholischer Frauen in der Schwangerenberatung tätig«, sagt dazu Gabriele Felix von Donum Vitae in Traunstein.

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Wegfall der kirchlichen Finanzierung

»Aber als der Papst den Ausstieg aus dem staatlichen System der Konfliktberatung forderte und das Ausstellen des Beratungsnachweises, der zur Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs notwendig ist, verlangte, gründete sich der Verein 'Donum Vitae zur Förderung des Schutzes des menschlichen Lebens (DV)'«, so Felix. »Das war damals eine spannende Zeit. Wir sind zu Donum Vitae gewechselt, obwohl noch gar nicht klar war, ob und wie der Verein sich langfristig finanzieren wird und ob unsere Arbeitsplätze wirklich sicher sind.«

Den Unterschied habe damals tatsächlich der Beratungsschein ausgemacht. Neben der Konfliktberatung gab es aber immer schon viele andere Aufgabenbereiche und mit den Jahren sind auch neue dazu gekommen. »Wir beraten auch Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch und Frauen, die ihre Schwangerschaft geheim halten wollen und sich eine vertrauliche Geburt wünschen«, erklärt Felix. »Wir wissen, wer die Frau ist, aber gegenüber Klinik, Standesamt, Arzt und Hebamme bleibt sie anonym.« Ihre Daten gingen nur an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Angelegenheiten (BAFzA) in Köln, wo sie das Kind dann mit 16 Jahren einsehen könne. »Donum Vitae hat schon vor 20 Jahren das 'Moses-Projekt' gestartet, um zu vermeiden, dass Neugeborene ausgesetzt und nicht versorgt werden.« Es gehe darum, den Frauen eine medizinisch gut betreute Geburt im geschützten Rahmen zu ermöglichen. »Das hat es auch schon hier in der Region gegeben«, sagt Gabriele Felix. »Das sind zwar keine großen Fallzahlen, aber diese Beratungen sind sehr intensiv.«

Generell berate man Schwangere und leiste Hilfe auch über die Geburt hinaus. »Jungen Müttern stellen wir das Mutter-Kind-Heim der Diakonie vor, wir informieren über Mutter-Kind-Kuren und stellen Anträge bei der Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind. Hier konnten wir im letzten Jahr insgesamt 97 317 Euro an Hilfen, zum Beispiel für Erstausstattung, Umzugskosten, Renovierungskosten, Waschmaschine und dergleichen auszahlen.« Allerdings müsse man diese Hilfe vor der Geburt beantragen. »Aber wir haben im Zweifelsfall noch mehr Möglichkeiten zur Unterstützung, wie die Sternstunden des Bayerischen Rundfunks, die Marianne-Strauß-Stiftung, die Aktion für das Leben oder Familie in Not«, so Gabriele Felix.

Mehr Sozialwohnungen wären gut

Zudem könnten beispielsweise Alleinerziehende, deren Elterngeld nicht zum Leben reicht, aufstockend Arbeitslosengeld II beantragen. »Die Elternzeit ist ja bis zu drei Jahre lang möglich, wenn man das Kind lieber selbst betreuen und erst dann wieder zurück in den Job möchte.«

Ein großes Problem sei aber die Wohnungssuche: »Da hatten wir früher mehr Möglichkeiten. Das wäre ein großer Wunsch an Stadt und Landkreis, mehr Sozialwohnungen zu bauen und dabei besonders auch Alleinerziehende und Familien im Blick zu haben.« Für Fragen rechtlicher oder medizinischer Art habe man ein Fachteam auf Honorarbasis zur Verfügung. Dazu gehören eine Psychologin, eine Rechtsanwältin, eine Hebamme, eine Gynäkologin und auch ein Seelsorger. Bei Fragen zur Betreuung wüssten das Jugendamt, Krippen, die Kindergärten oder auch das Mütterzentrum Rat.

2020 wurden insgesamt 1383 Personen beraten, davon kamen 653 zur allgemeinen Schwangerenberatung, 145 zur nachgehenden Betreuung und 110 zur Konfliktberatung. Coronabedingt fanden ca. 40 % der Beratungen telefonisch bzw. online statt. 330 Männer haben ihre Frauen bzw. Partnerinnen zur Beratung begleitet. »Seit Jahren können wir eine Zunahme der Männer in der Beratung beobachten. Sie sind von Anfang an mit dabei und tragen die Verantwortung für den Familiennachwuchs mit« hat Felix festgestellt. »Auch die beiden Partnermonate bei der Elternzeit werden gern angenommen.« Corona spiele bei durchaus eine Rolle, etwa wenn der Mann durch Corona seine Arbeit verloren habe oder auch Frauen mit eigenem Betrieb, die alleine nicht weiter wüssten.

Ob eine Frau, die den Beratungsschein erhalten hat, sich dann tatsächlich für eine Abtreibung entscheidet, erfahre man nicht, so Felix. »Wir stehen den Frauen und Männern aber auch nach der Konfliktberatung zur Verfügung, egal wie die Entscheidung ausfällt. Das ist schon schön zu hören, wenn man helfen konnte und wenn die Beratung vielleicht dazu beitragen konnte, dass sich die Frau oder das Paar für das Austragen des Kindes entscheiden konnte.«

Auch nach einem Schwangerschaftsabbruch suchten Frauen, wenn auch sehr selten, die Beratung auf. »Egal, mit welchen Themen sie zu uns kommt, begleiten wir sie auf ihrem Weg, suchen mit ihr nach Wegen und Lösungen, damit sie mit ihrer getroffenen Entscheidung leben kann.«

Bessere finanzielle Absicherung wünschenswert

Dürfte sie sich einfach etwas wünschen – ohne den Gedanken »aber das geht doch nicht, weil ...« – dann wären das zur finanziellen Absicherung von Mutter und Kind drei Jahre lang 100 Prozent Elterngeld, unbefristete Arbeitsverträge für Frauen und mehr günstiger Wohnraum. »Manche Frauen leben länger bei den Eltern, als es beiden Seiten gut tut oder Familien leben mangels Alternativen in viel zu kleinen Wohnungen.«

Für die Beratungsstelle würde sie sich eine besser gesicherte Finanzierung wünschen. Denn Donum Vitae finanziere sich zum Großteil vom Staat, über Spenden und Mitgliedsbeiträge sowie Benefizveranstaltungen. Versuche, einen Förderverein zu gründen, seien bisher gescheitert. »Wir als Beratungsstelle in Traunstein müssen 30 000 Euro im Jahr selbst aufbringen, haben aber ja über die kostenlose Beratung keine Einnahmen.«

coho

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