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Weniger Einwohner mit Hauptwohnsitz – mehr Asylbewerber

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Marquartstein – Die Zahl der Einwohner mit Hauptwohnsitz in Marquartstein– 3122 zur Mitte des Jahres – ist seit Jahren leicht fallend. Das berichtete Bürgermeister Andreas Scheck bei der Bürgerversammlung im Gasthof Prinzregent. Mit heuer nur 18 Geburten gegenüber 28 im Vorjahr habe sich die hohe Anzahl der Geburten nicht fortgesetzt, bedauerte Scheck. Dazu kommen viele Sterbefälle, 68 in diesem Jahr (49 in 2014). Zusammen mit den 473 Einwohnern mit Nebenwohnsitz in Marquartstein ergebe sich dennoch eine leicht gestiegene Einwohnerzahl, so der Bürgermeister.


Zufrieden zeigte er sich mit der Finanzlage. 2015 habe sich positiver entwickelt als erwartet. Mit 995 000 Euro Einnahmen durch die Gewerbesteuer habe der Ort gleichsam ein »Allzeit-Hoch«, wobei dennoch auch in Zukunft vorsichtig kalkuliert und der Posten zurückhaltend angesetzt werde. Auch die Einnahmen aus der Grundsteuer B mit rund 329 000 Euro und der Einkommenssteuerbeteiligung von 1,5 Millionen Euro seien erfreulich. Dennoch werde es immer schwieriger, den Verwaltungshaushalt, das heißt die Kosten und Einnahmen für den laufenden Betrieb, auszugleichen oder gar Mittel für Investitionen in den Vermögenshaushalt zu überführen. Bei den Ausgaben sei die Kreisumlage mit 1,4 Millionen Euro nach wie vor der größte Posten, so das Gemeindeoberhaupt. Durch strukturelle Änderungen bei der Berechnung der Umlagekraft drohe den Gemeinden ab 2016 eine weit höhere Umlagebelastung.

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Trotz allem sei es 2015 wieder möglich geworden, 172 000 Euro an den Vermögenshaushalt zu überführen. Die Pro-Kopf-Verschuldung liege in Marquartstein lediglich bei 9,71 Euro. Die hohe Rücklage von 4,3 Millionen Euro sei besonders durch den Kauf von unbebauten Grundstücken auf 3,2 Millionen Euro reduziert worden. Wegen der weiterhin schlechten Zinsen würden weitere Mittel für Projekte verwendet, die mittel- und langfristig Kosten sparen, kündigte Scheck an. Ein gutes Jahr habe es bei der Hochplattenbahn gegeben. Das Einnahme-Plus von fast 40 000 Euro sei nicht nur der Preissteigerung ab Anfang Januar zu verdanken, sondern auch den gestiegenen Fahrgastzahlen um 5800 auf von 67 800 Leute.

Zahl der Flüchtlinge soll sich 2016 verdoppeln

Als Thema das »uns mehr und mehr beschäftigt«, bezeichnete der Bürgermeister die Verteilung und Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Derzeit sind rund 54 im Ort untergebracht, wobei die Zahlen sich manchmal täglich ändern. Neu ist, dass das Landratsamt zwei weitere Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge angemietet hat, an der Lanzinger Straße 2 c für acht Personen und an der Staudacher Straße 9 für weitere neun. Für 2016 ist eine Soll-Unterbringung von 107 Asylbewerbern angekündigt. 2016 müssten im Landkreis von jetzt 1438 fast doppelt so viele aufgenommen werden, berichtete Scheck.

Im Vergleich zu den anderen 34 Orten im Landkreis, die teilweise noch gar keine Flüchtlinge haben, tue Marquartstein schon relativ viel, sagte der Bürgermeister. Dank der Unterstützung vieler ehrenamtlicher Helfer klappe das Zusammenleben mit den neuen Mitbewohnern bisher sehr gut, »Die Bemühungen für eine Integration zeigen sichtbare Erfolge.« Organisiert werde die Hilfe durch den Arbeitskreis Integration mit den Gründern Monika Rappl, Claudia Kraus und Peter Lloyd, denen er unter dem Applaus der Zuhörer dankte.

In Marquartstein wird Deutsch-Unterricht mit elf ehrenamtlichen Lehrern in drei Gruppen zu je drei Unterrichtseinheiten pro Woche angeboten. Außerdem gibt es Unterstützung bei Formalitäten, Anleitungen für Sauberkeit und Hygiene aber auch integrativen Sport. Beim Auf- und Abbau des Adventsgartens hätten acht junge Afghanen aus der Gränzmühle sehr engagiert mitgearbeitet, der Bauhof sei begeistert gewesen, berichtete Scheck. Wenn jemand die Möglichkeit habe, Asylbewerber zu beschäftigen, soll er sich im Rathaus oder beim Arbeitskreis melden. Scheck: »Die Asylbewerber freuen sich über jeden Kontakt«.

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Marquartstein, Thomas Mayer, warb um neue aktive Mitglieder für die Feuerwehr, wobei er auch besonders die Frauen ansprach. Die Feuerwehr Marquartstein habe zwar 46 Aktive, aber bei Einsätzen tagsüber seien oft nur sechs bis sieben Aktive verfügbar, so Mayer. Es sei ein »spannender Job«, der natürlich etwas Zeit koste. Besonders würdigte der Kommandant die Fördermitglieder des seit 25 Jahren bestehenden Fördervereins, die insgesamt 103 000 Euro in dieser Zeit für die aktive Feuerwehr gespendet hatten. Er dankte auch den Firmenchefs, die ihre Mitarbeiter für Einsätze bei der Feuerwehr freistellen, wozu sie zwar gesetzlich verpflichtet seien, was aber dennoch keineswegs so selbstverständlich sei. gi

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