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Weltmeistertitel für den 14-jährigen Jonas Öttl

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Neuer Junioren-Weltmeister in der Skijöring-Klasse: Youngster Jonas Öttl, erst 14 Jahre alt, vom SC Weißbach. Sein treuer Freund Duke gab alles. (Foto: Kila Zamana)

Schneizlreuth – Bei der Schlittenhunde-Weltmeisterschaft des größeren der beiden Weltverbände – der World Sleddog Association (WSA) – in Seefeld (Scharnitz) in Tirol gab es eine Überraschung: Jonas Öttl, 14 Jahre alter Schüler der achten Klasse der Reiffenstuel-Realschule in Traunstein und seit dieser Saison mit seinem fünfjährigen Hund Duke im Wettkampf, sicherte sich in der Skijöring-Klasse der Junioren mit einem Hund den Titel – mit nur drei Sekunden Vorsprung.


Am zweiten Tag zog Jonas alle Register

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250 Teams aus 18 Nationen waren dabei, darunter 196 Sprinter und 54 Mitteldistanzler auf Strecken bis zu 36 Kilometer. Bei der Eröffnungsfeier durfte Jonas den Sportler-Eid vor allen Nationen sprechen: »Das war schon eine große Ehre für mich«. Am ersten, sehr warmen Tag, lag der Sohn von Inzell-Organisator Robert Öttl mit zehn Sekunden Rückstand hinter den Brüdern Sirin und Noe In Albon aus der Schweiz auf Rang drei. Doch am zweiten Tag zog er alle Register und legte zwischen sich und den Rest des Feldes satte 1:46 Minuten. Der dritte Tag lief schlecht. »Nach halber Strecke holten mich die anderen ein und ich konnte eigentlich nur noch hinterherlaufen. Dann stürzte ich auch noch und 'Duke' verhedderte sich in der Leine«.

Im Ziel der 21 und sieben Kilometer langen Distanzen erfuhr er jedoch von seinem Sieg. »Ein unglaublicher Moment«, sagt er: »Die spielten extra für mich die deutsche Hymne«. Er kam mit der bayerischen Fahne zur Siegerehrung und sorgte damit für Erstaunen. »Vor allem die Schweden wussten nicht, was das für eine Fahne ist«, erzählt der Deutsche Meister Andi Birkel.

»Sehr zufrieden« ist auch Birkel mit seinem Sechsergespann. »Der Freitag war brutal schwer, weil viel zu warm«. Seine Hunde taten sich nach der langen Saison schwer, mittags bei 15 Grad im Schatten zu starten. Der tiefe und schwere Schnee, an den weiteren Tagen auch Schneefall und viel Wind, kosteten nicht nur Birkels Leader Chilli und Epo auf der auf je 13,5 Kilometer verlängerten Strecke Substanz. Einige bekamen auch noch Husten, sodass Birkel am Ende mit Rang fünf absolut leben konnte. Hinter Champion Stepan Krkoska (Tschechien), Laurent Berge (Frankreich), der Schwedin Marie Israelsson und dem Tschechen Zdenek Kurka war Birkel bester Deutscher.

17 Überholmanöver »schon außergewöhnlich«

Er hat derzeit sechs Hunde, die top laufen, aber keinen starken Ersatz: »Da haben andere viel mehr Möglichkeiten«, sagt er. Vor ihm waren die Mitteldistanz-Schlitten und die Skijöring-Teilnehmer gestartet, die ihn mitunter aufhielten und seine Hunde stressten: »Wir hatten 17 Überholmanöver, das ist schon außergewöhnlich«. Sabine Steinbacher sah sich in der Zwei-Hunde-Klasse mit Schlitten einer starken Konkurrenz ausgesetzt und zeigte sich mit Rang 14 unter 27 Gestarteten zufrieden. Auf der rund 400 Meter langen und sechs bis sieben Meter breiten Zielgeraden gewann die Weißbacherin bei ihrem ganz persönlichen WM-Höhepunkt den Zielsprint mit dem Engländer Keith Hutchon.

Unter 16 Teilnehmern errang Sabine Klein aus Piding den dritter Platz. Weltmeister in der Zwei-Hunde-Kategorie mit Pulka wurde der Pole Waldemar Stawowczyk vor dem Esten Aivar Narusson – Klein war also beste Deutsche. Team-Kollege Bernd Kirstein aus Anger, musste vorzeitig aufgeben, da sein Grönlandhund »Lemmy« starken Husten bekam – die Gesundheit der Tiere steht stets vor den sportlichen Erfolgen.

Auch Schlittenhunde-Newcomerin Kathi Demmelbauer (SC Weißbach) aus Großgmain hatte ein traumhaftes Wochenende. Die 33-jährige Musherin erreichte in der Skijöring-Kategorie mit einem Hund – ihr Siberian Husky »Isko« ist eineinhalb Jahre alt – vor der Deutschen Meisterin Marina Gröschl Rang vier. »Die waren da vorn alle schon sehr stark«, anerkannte sie die Leistungen ihrer Mitstreiterinnen. Den Weltmeistertitel holte die Schwedin Maja Karlsson.

»Die Österreicher waren ganz stolz auf ihre Deutsche«, schmunzelte Kathis Mann Thomas Demmelbauer. Denn die Gastgeber durften mit Markus Rotter nur einen Titelgewinner feiern. Ein besonderes Lob gab es für Robert Öttl, der auch die Langlaufski von Kathi Demmelbauer »hingebungsvoll präparierte«, wie sie sagte.

Für die heimischen Musher vom SC Weißbach würde noch der Saisonabschluss am kommenden Wochenende in Sportgastein auf dem Programm stehen. »Ein lockeres Finale in gelöster Stimmung«, sagt Andi Birkel, der sportliche Charakter steht dabei aber nicht mehr im Vordergrund. bit

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