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»Welches ist das wichtigste Kinderrecht?«

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Fragen über Fragen: Die Schüler der Klassen 4a, 4b und 7R der Grund- und Mittelschule Siegsdorf hatten Besuch von der Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Bärbel Kofler, und sprachen mit ihr über die Rechte von Kindern. Anlass ist der Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention am kommenden Sonntag. (Foto: Bauer)
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Die Schüler der Klasse 7R hatten Wünsche an Kinder aufgeschrieben, denen es nicht so gut geht, wie ihnen selbst.

Siegsdorf – »Wie finden Sie das, für Kinderrechte zu sorgen?«, »Wie sind sie zu dieser Aufgabe gekommen?«, »Welches ist das wichtigste Kinderrecht?« und »Wie kann man dafür sorgen, dass Kinderrechte eingehalten werden?« Sehr viele Fragen hatten die Schüler der Grund- und Mittelschule Siegsdorf an die Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Bärbel Kofler (SPD), bei ihrem Besuch im Rahmen des bundesweiten Unicef-Aktionstags Kinderrechte am Sonntag.


Die Schüler der vierten und siebten Klassen (4a, 4b, 7R) hatten sich im Unterricht ausführlich mit den Rechten von Kindern beschäftigt. Auf zehn Plakaten schrieben die Viertklässler aus 51 Kinderrechten die zehn wichtigsten heraus und nannten jeweils Beispiele dazu. Zum Recht auf »Freie Meinungsäußerung und Beteiligung« zum Beispiel meinte eine Schülerin: »Wenn auf dem Spielplatz eine Rutsche kaputt ist, können wir das jemandem sagen, dass sie repariert wird.« Zum Recht auf Gesundheit wusste ein Bub, dass dieses in einigen Ländern nicht eingehalten wird, beispielsweise in Syrien, wo Krankenhäuser zerbombt wurden. Zum Recht auf »Spiel und Freizeit« erklärte ein weiterer Schüler, dass auch das Recht vielen Kindern verwehrt bleibe, beispielsweise in Bolivien. »Da müssen die Kinder arbeiten, weil die Eltern so arm sind.« Es wird geschätzt, dass weltweit 160 bis 170 Millionen Kinder – die Dunkelziffer könnte noch viel höher sein – arbeiten müssen, ergänzte Kofler. »Ich habe in Pakistan Kinder gesehen, die mit sieben Jahren in Kohleminen schufteten. So etwas vergisst man nicht.«

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Auch die Klasse 7R hatte etwas für den Besuch vorbereitet: Inmitten einer Schautafel war die Erdkugel mit all ihren Kontinenten dargestellt. Einzelne Schüler verdeutlichten, wo Kinderrechte verletzt werden – nämlich überall, selbst in Europa. Rundherum an den Wänden hingen Plakate, auf denen die Schüler Wünsche an Kinder, die sie aus der Internetrecherche zum Thema oder aus dem eigenen Umfeld kennen, formulierten: »Mir geht es in meinem Land gut, weil hier kein Krieg ist. Bei dir in Afghanistan ist leider Krieg. Ich wünsche dir, dass du bald in Frieden leben kannst.« Ein anderer Wunsch lautete: »Ich habe jeden Tag frische Kleidung und gute Schuhe. Bei dir in Indien leben viele Kinder auf der Straße in Lumpen. Ich wünsche dir, dass du bald in einem Kinderheim versorgt wirst.«

Bärbel Kofler ist seit März dieses Jahres Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung. Zusammen mit Unicef hat sie zum 27. Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November alle Schulen im Land unter dem Motto »Ich habe Rechte« aufgerufen, sich an dem Aktionstag »Kinderrechte« zu beteiligen. Die Grundschule in Siegsdorf packte diese Gelegenheit beim Schopf und lud die Bundesbeauftragte zu sich ein.

Bei den Schülern hatten sich in den Wochen der Vorbereitung einige Fragen angestaut, die sie nun alle loswerden konnten. »In welchen Ländern waren sie schon?« – wollte ein Viertklässler wissen. In den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit sei sie bereits 52 000 Kilometer rund um den Erdball unterwegs gewesen: zum Thema Hungersnot in Äthiopien, zum Thema Kinderarbeit in Pakistan, für den Versöhnungsprozess in Sri Lanka, bei der UN-Generalversammlung in New York oder bei einem Treffen im Kosovo, wo es um Rechte von Minderheiten ging. »Welche Kinderrechte werden oft nicht eingehalten«, war eine andere Frage. Kofler verwies auf den Beitrag der 7. Klasse, der bereits gezeigt habe: Kinderrechte werden überall gebrochen, leider sogar sehr häufig. Zum Recht auf freie Meinungsäußerung findet Kofler, dass generell »viel zu wenig auf die Kinder gehört wird«. »Aber wie kann man die Kinderrechte einhalten?« hinterfragte ein weiteres Kind. »Durch Gesetze und Schutzmöglichkeiten«, so Kofler. Allerdings gebe es nicht überall Gesetze zum Schutz der Kinder. Die Rechte müssten auch dort verankert werden – im Gesetzbuch, in den Köpfen und den Herzen. »Wie finden Sie das, für Kinderrechte zu sorgen?« »Schön, sehr schön. Ich freue mich über jedes Kind, dem ich helfen kann.«

»Mir ist wichtig, dass alle Menschen gleichbehandelt werden – auch Kinder«, hatten die Bundesbeauftragte gleich zu Beginn der Veranstaltung in der Siegsdorfer Schule deutlich gemacht. »Kinder sollen von Anfang an spüren, dass sie wertvoll sind.« Weil dies aber nicht immer so sei, gebe es den Jahrestag der UN-Kinderrechtskonvention, die 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen von 191 Nationen unterschrieben worden war. ka

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