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Weitmoos soll renaturiert werden

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Waging am See – Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Diplom-Ingenieurin Bärbel Gänzle ein Vorhaben im Rahmen des »Klimaprogramms Bayern 2050 – Moore« des Freistaats vor: das Moorrenaturierungs-Projekt Weitmoos. Auch wenn sich manche Gemeinderäte skeptisch zu Nutzen beziehungsweise zur erwarteten Akzeptanz äußerten, stimmte eine Mehrheit dafür, dass die Gemeinde die Trägerschaft dafür übernehmen wird. Die möglichen Kosten halten sich im Rahmen, da die Regierung von Oberbayern diesen Rückbau des Moores mit hohen Zuschüssen fördert.


Kiefern und Latschen dürfen stehenbleiben

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Der Staat ist bereits in Vorleistung gegangen: Das Weitmoos ist 2014 intensiv untersucht worden, eine Projektfläche, die komplett auf dem Gebiet der Gemeinde Waging liegt, wurde abgegrenzt. Eine Moorrenaturierung beinhaltet den Ausführungen von Bärbel Gänzle zufolge in erster Linie zwei Maßnahmen: eine maßvolle Entfernung von Fichtenbeständen und den Verschluss von Entwässerungsgräben innerhalb der Renaturierungsbereiche. Kiefern und Latschen dürften größtenteils stehenbleiben. So könnte sich ein teilweise baumfreies Hochmoor mit nassen Senken entwickeln. Damit könnte der natürliche Moorwasserhaushalt wieder hergestellt werden, und seltene Tier- und Pflanzenarten, wie sie typisch sind für Moore, würden sich hier wieder ansiedeln.

Bevor diese Maßnahme anlaufen kann, müssen erst die Flächen gesichert werden. Und hier hat der Staat eine sehr großzügige Zuschussregelung in Aussicht gestellt. Der Kauf beziehungsweise die Pacht solcher Flächen werde mit 90 Prozent bezuschusst, einschließlich aller Nebenkosten, informierte Bärbel Gänzle. Allerdings ist der Kostenrahmen ziemlich eng, was manche Gemeinderäte in ihrer Meinung bestärkte, dass wohl die wenigsten Grundbesitzer mitmachen würden: Pro Quadratmeter mit Bäumen bewachsen sollen 1,50 Euro gezahlt werden, für eine Grünlandfläche 2,50 Euro.

Gemeinderat Andreas Barmbichler fragte deshalb: »Glauben Sie, dass Sie dafür auch nur einen Quadratmeter Grund bekommen?« Gänzle sagte, dass dies in anderen Bereichen auch funktioniert habe: etwa in Inzell, in Halfing oder Raubling.

Die Kosten für die Umsetzung der Maßnahme werden komplett vom Staat getragen. So sprach sich der Gemeinderat schließlich bei drei Gegenstimmen dafür aus, die Trägerschaft zu übernehmen. Um in dieses Programm zur Moorrenaturierung im Rahmen des Klimaprogramms 2050 einzusteigen, wäre folgender Ablauf denkbar, wie die Referentin aufzeigte: Zunächst soll es eine Informationsveranstaltung für die Grundeigentümer der Weitmoos-Flächen und andere interessierte Bürger geben. Dabei will »Moorfachfrau« Gänzle darstellen, für welche ökologischen Funktionen ein intaktes Moor verantwortlich ist und welch hohe Bedeutung und Brisanz eine Moorrenaturierung habe: für das Klima, für die Artenvielfalt und den Wasserhaushalt der jetzigen und späteren Generationen.

Den Eigentümern und interessierten Bürgern soll das Ziel der Maßnahme erläutert werden. Es ist geplant, ihnen anzubieten, ihre Flächen anzukaufen, zu pachten oder vielleicht auch nur dinglich sichern zu lassen; denn nur unter diesen Voraussetzungen kann das Klimaschutzprogramm anlaufen.

Christine Rehrl wollte von der Referentin wissen, ob das Moor nach der Renaturierung touristisch genutzt werden dürfe, etwa durch das Anlegen von Spazierwegen. Dies bestätigte Gänzle ausdrücklich und nannte Beispiele auch aus den anderen Moorgebieten, in denen sie tätig war beziehungsweise ist. Dagegen können, so ihre Antwort auf eine Frage von Gemeinderat Hannes Obermayer, die eines Tages möglicherweise von der Gemeinde angekauften Flächen nicht dem Ökokonto zugerechnet werden.

Auf Nachbargrundstücke Rücksicht nehmen

Bürgermeister Herbert Häusl stellte fest, dass die nächste Aktion in dieser Sache eine Infoveranstaltung sein werde – allerdings wohl erst im kommenden Frühjahr. Da müsse dann ausgelotet werden, inwieweit Grundstücke zum Verkauf angeboten werden. Dazu merkte Gemeinderat Martin Dandl an, dass bei Renaturierungsmaßnahmen Rücksicht auf die jeweiligen Nachbargrundstücke genommen werden müsse. Dies sei selbstverständlich, beruhigte Gänzle. Eine Maßnahme werde immer nur dann in Angriff genommen, wenn größere zusammenhängende Flächen zusammengekommen sind, so dass Nachbargrundstücke nicht beeinträchtigt werden.

Neben Sepp Egger und Beppo Hofmann stimmte auch Hias Schneider gegen dieses Projekt. Er vertrat die Auffassung, dass die Besitzer kaum etwas davon verkaufen würden, weil im Zeitalter zunehmender Holzheizungen alle ihr Holz selber bräuchten. »Eine noch schönere Landschaft als dort gibt es nicht«, war sein weiterer Einwand und quasi sein Appell, die Flächen doch so zu belassen, wie sie sind. Er könne nicht verstehen, warum daraus »wieder ein Sumpf gemacht werden« solle.

Fast eine Stunde dauerten Vortrag und Fragestellungen. Am Schluss wurde auch noch übers Geld gesprochen. Die Fläche des Weitmoos beträgt rund 65 Hektar. Wenn jetzt, so rechnete Bürgermeister Häusl nach, etwa die Hälfte zum Preis von 1,50 Euro pro Quadratmeter an die Gemeinde verkauft würde, kämen rein theoretisch nach Abzug des 90-prozentigen staatlichen Zuschusses maximal 52 500 Euro zusammen – eine Summe, die wenig wahrscheinlich, aber verkraftbar sei. he