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»Weitmoos ein Naturjuwel«

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Waging am See – Große Teile des Weitmoos südlich von Waging sollen wieder renaturiert werden. Das ist Ziel eines Projekts im Rahmen des »Klimaprogramms Bayern 2050 – Moore«, das der Freistaat Bayern aufgelegt hat. Die Gemeinde Waging will, wie Bürgermeister Herbert Häusl auf Anfrage nochmals bekräftigte, dabei mitmachen, möglicherweise – wie von der Projektleitung gewünscht – auch die Trägerschaft dafür übernehmen, wenn der Gemeinderat zustimmt.


Anliegerversammlung ist geplant

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Häusl stellte in Aussicht, die Grundbesitzer des Moors anschreiben zu lassen und dann sobald als möglich, spätestens im September, eine Anliegerversammlung einzuberufen. Hier sollen dann die Details der geplanten Renaturierungsmaßnahmen erläutert werden.

Vom Landratsamt Traunstein dafür zuständig ist die Diplom-Ingenieurin Bärbel Gänzle. Sie hatte vor einiger Zeit dem Umweltausschuss das Projekt schon vorgestellt. Jetzt hofft sie, dass auch die Grundbesitzer mitmachen und Flächen zur Verfügung stellen – was allen Beteiligten durch beträchtliche Zuschüsse erleichtert werden soll. Denn um die Flächen zu sichern, hat der Staat eine sehr großzügige Zuschussregelung in Aussicht gestellt. Der Kauf beziehungsweise die Pacht solcher Flächen durch den Träger, voraussichtlich also die Gemeinde, soll mit 90 Prozent bezuschusst werden. Und für die Umsetzung der Renaturierung fallen für die Gemeinde gar keine Kosten an: Die werden komplett vom Staat getragen.

Diplom-Ingenieurin Bärbel Gänzle betont aber in dem Zusammenhang, dass der Staat für ihm angebotene Moorflächen nur den tatsächlichen Preis bezahlen könne und wolle, keine »Liebhaberpreise«. Und sie verweist weiter darauf, dass das Weitmoos großflächig als Biotop kartiert und als FFH-Gebiet von europäischer Bedeutung ausgewiesen sei. Dieses Moor sei ein »Naturjuwel«, in dem es nicht gestattet sei, Abgrabungen oder Aufschüttungen zu tätigen. Es dürfen hier keine Wege gebaut oder sonstige bauliche Maßnahmen ausgeführt werden. Erst recht dürfen keine Freizeithütten aufgestellt werden. Auch nicht-heimische Pflanzen dürfen im Moor nicht gepflanzt werden. Insgesamt sei im Moor, so Gänzle, keine intensive Nutzung erlaubt.

Moor wurde bis zu 90 Prozent entwässert

Hintergrund der Maßnahme sei, das Moor, das in der Vergangenheit bis zu 90 Prozent entwässert wurde, um es land- und forstwirtschaftlich nutzen zu können, wieder in den ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen – für bessere Artenvielfalt, für geregelten Wasser-Haushalt und für mehr Klimaschutz. Bedrohte Tier- und Pflanzenarten könnten dann hier wieder ihre Heimat finden. Dazu nannte Bärbel Gänzle etwa verschiedene Molch- und Amphibienarten, konkret die Ringelnatter, den Wiesenknopf-Ameisenbläuling oder den Hochmoorgelbling. Außerdem puffere der durch das Moor verzögerte Wasserabfluss Starkregen ab und mindere dadurch Hochwasserspitzen in den Fließgewässern. Und schließlich würden im wieder wachsenden Hochmoor klimaschädliche Treibhausgase um bis zu 15 Tonnen pro Hektar und Jahr reduziert.

Eine Moorrenaturierung beinhaltet den Ausführungen von Bärbel Gänzle zufolge in erster Linie eine maßvolle Entfernung von Fichtenbeständen und den Verschluss von Entwässerungsgräben innerhalb der Renaturierungsbereiche. Kiefern und Latschen dürften größtenteils stehenbleiben. So könnte sich ein teilweise baumfreies Hochmoor mit nassen Senken entwickeln. Damit könnte der natürliche Moorwasserhaushalt wiederhergestellt werden.

All das soll den Eigentümern in einer Informationsveranstaltung für die Grundeigentümer nahegebracht werden. Und es ist geplant, ihnen anzubieten, ihre Flächen anzukaufen, zu pachten oder vielleicht auch nur dinglich sichern zu lassen; denn nur unter diesen Voraussetzungen kann das Klimaschutzprogramm anlaufen. Falls größere Einheiten zusammenhängender Flächen auf diese Weise gesichert werden konnten, könnten nach Ausschreibung und Vergabe die verschiedenen Maßnahmen umgesetzt werden. he