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Weitere 119 Asylbewerber brauchen Unterkunft

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Traunstein. Die Zahl der Asylbewerber im Landkreis Traunstein zeigt einen deutlichen Trend nach oben – von 152 Neuzugängen Anfang 2013 auf aktuell 560. Ende Dezember 2014 werden laut Regierung von Oberbayern weitere 119 Menschen eine Unterkunft benötigen.


Der Kreissozialausschuss, zuständig auch für Gesundheits- und Flüchtlingsfragen, diskutierte am Mittwoch, wie die erforderlichen Wohnungen beschafft und wie die Asylbewerber optimal betreut werden können. Siegfried Ehgartner vom Sozialamt lieferte die Daten.

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157 Asylbewerber wohnen in Grassau

Die 560 hier wohnenden Asylbewerber leben in Engelsberg (89 Personen), Grassau (157), Inzell (55), Marquartstein (16), Inzell (21), Schnaitsee (12), Traunreut (10), Ruhpolding (84), Traunstein (13), Bergen (68), Unterwössen (15), Obing (5) und Tittmoning (5). Die meisten Asylbewerber stammen aus Asien und Afrika. Der Anteil der Männer ist mit 456 der Personen weitaus größer als der Frauen mit 164.

Derzeit sucht der Landkreis konkret in den Städten Traunstein, Traunreut und Trostberg händeringend nach geeigneten Wohnobjekten. Geprüft wird nach Auskunft Ehgartners auch, ob man dezentrale Unterkünfte in Modulbauweise errichten kann. Landrat Siegfried Walch betonte, er wolle sachlich an die Aufgaben herangehen: »Wir reden über Menschen, die Hilfe brauchen und teils sehr Schweres hinter sich haben. Das müssen wir immer im Blick haben.«

Probleme in manchen Gemeinden befürchtete Sepp Konhäuser (SPD), der Stellvertretende Landrat: »In Grassau kommen sehr viele Kinder von Asylbewerbern in den Kindergarten, beziehungsweise später in die Schule. Es bedeutet zusätzlichen Aufwand, wenn diese Kinder der deutschen Sprache nicht mächtig sind.« Konhäuser appellierte, Asylbewerber »einigermaßen gerecht zu verteilen«.

»In allen betroffenen Gemeinden geht es auch um Mehrkosten, die zum Beispiel für mehr Personal erforderlich sind«, sagte Landrat Siegfried Walch. Der Freistaat solle die erhöhten Kosten tragen. Er habe bereits einen Brief in diesem Sinn nach München geschrieben. Ein anderes Problem seien »unbegleitete Minderjährige«, aktuell vor allem in den Landkreisen Rosenheim und Berchtesgadener Land. Auch auf Traunstein werde das Problem zukommen: »Diese jungen Menschen brauchen nicht nur Unterkunft, sondern auch pädagogische Betreuung.«

Zum Thema »Verteilung auf die Kommunen« meinte Walch: »Manche Gemeinden sind sehr stark belastet, andere leisten weniger. Eine Quote gibt es nicht. Ohne die Städte wird es nicht funktionieren. Dort suchen wir aktiv Unterbringungsmöglichkeiten.« Der Landrat sah aktuell »keine Not«: »Aber wir wollen einige Monate voraus planen. Dadurch haben wir mehr Steuerungsmöglichkeiten.« Frühzeitige Information und Transparenz führten außerdem zu höherer Akzeptanz in der Bevölkerung.

»Hut ab: Alles alleine bewältigt ohne Hilfe«

»Von oben noch zu wenig Unterstützung durch den Freistaat und die Regierung von Oberbayern«, kritisierte Benno Graf (FW/UW). Der Landrat erwiderte, jeder bayerische Bezirk solle eine Erstaufnahmeeinrichtung erhalten. Dadurch werde vielleicht der Zeitdruck gemindert. Mit den Worten »Hut ab« kommentierte Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) die Gemeinden Grassau und Engelsberg: »Sie haben seit ewigen Zeiten Asylbewerber und alles ohne Hilfe bewältigt, allein mit persönlichem Einsatz.« Angesichts der Prognose zum Jahresende habe der Landkreis schnell reagiert und mit dem Diakonischen Werk eine Vereinbarung zur Asylbewerbersozialberatung getroffen. Die SPD-Kreisrätin wörtlich: »Der Kreis ist nicht dafür zuständig. Aber es geht um Menschen, denen man helfen muss.« Das Diakonische Werk hätte vier Leute eingestellt. Die Regierung fördere aber nur zwei Stellen. Siegfried Walch konkretisierte: »Wir geben als freiwillige Leistung 40 000 Euro für Asylbewerberberatung aus.«

Bernd Gietl (CSU) riet, Ehrenamtliche »nicht zu überfordern«.

Der Ausschuss für Gesundheits- und Flüchtlingsfragen und soziale Angelegenheiten mit Landrat Siegfried Walch (CSU) als Vorsitzendem ist besetzt für die CSU mit Annemarie Funke, Bernd Gietl, Martin Lackner, Josef Mayer, Irmingard Siglreithmayer und Johann Spiel. Die FW/UW vertreten Andreas Danzer und Dr. Lothar Seissiger, die SPD Elisabeth Holzner, Waltraud Wiesholler-Niederlöhner, Bündnis 90/Die Grünen Andreas Herden und Marianne Penn, die Bayernpartei Alfons Baumgartner und die ÖDP Dr. Thomas Graf. kd