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Weiter Tourismusmillion vom Kreis

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Foto: Symbolbild, pixabay

Traunstein – Die »Tourismusmillion«, 2008 für die Folgejahre vom Kreistag einmütig beschlossen, wird auch 2018 an den Chiemgau-Tourismusverband fließen. Das beschloss der Kreistag unter Vorsitz von Vize-Landrätin Resi Schmidhuber am Freitag bei zwölf Gegenstimmen. Das Gremium lehnte den Grünen-Antrag ab, den Kreisbeitrag künftig pro Jahr um 100 000 Euro zu mindern und private Geldgeber noch stärker zu beteiligen. Die 35 Kommunen bringen insgesamt weitere 512 000 Euro auf, berechnet nach der Zahl der Übernachtungen, um die Verbandsarbeit zu gewährleisten. Private Geldgeber wie Golfclubs, Brauereien und Bergbahnen steuern jährlich 90 000 Euro bei.


Verbandsgeschäftsführer Stefan Semmelmayr präsentierte beachtliche Zahlen wie rund 4,4 Millionen Gästeübernachtungen, dazu mittlerweile 6,2 Millionen Tagesgäste, also 10,6 Millionen Gäste per anno. Der Fremdenverkehr generiere rund 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Zu 57 Prozent davon profitiere das Gastgewerbe, zu 23 Prozent der Einzelhandel, der Dienstleistungsbereich zu 20 Prozent. Rund 9500 Arbeitsplätze würden dadurch gesichert. Semmelmayr betonte: »Wir wollen Wertschöpfung in die Region bringen – die nicht aufhört beim Gastwirt, sondern hineinreicht bis zum Handwerk und zur Industrie.« Mitglieder des Chiemgau-Tourismusverbands seien neben dem Landkreis Traunstein alle 35 Gemeinden, die zur Zeit pro Übernachtung 12,5 Cent zahlten. Für Marketingmaßnahmen stelle der Verband seit letztem Jahr 50 Prozent seiner Einnahmen zur Verfügung. Die 90 000 Euro der Privatwirtschaft sollten letztlich auf 150 000 Euro steigen. Der Verband stelle sicher, dass alle Mittel für die Allgemeinheit eingesetzt werden.

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»Erfolgreichen Weg weitergehen«

Der Geschäftsführer erläuterte die »strategischen Geschäftsfelder«. Mit Österreich könne man sich »keine Werbeschlachten« leisten. Der Chiemgau-Tourismusverband setze »auf ein gutes Produkt« und wolle »intelligente Lösungen« umsetzen, zum Beispiel Synergien nutzen in Kooperation mit der Wirtschaftsförderung. »Lassen Sie uns den erfolgreichen Weg weitergehen«, bat Stefan Semmelmayr.

Wegen »Befangenheit« von Landrat Siegfried Walch als Verbandsvorsitzendem leitete Resi Schmidhuber die Diskussion. Kein einziger Redner erhob Zweifel an der guten Verbandsarbeit. Für Bündnis 90/Die Grünen erinnerte Sepp Hohlweger an einen 2014 einstimmig vom Kreistag gefassten Beschluss, der Tourismusverband solle ein Konzept erarbeiten, wonach »Interessensträger« stärker an der Finanzierung beteiligt werden sollten. Die Million seit 2009 sei eine »freiwillige Leistung«. Angesichts der positiven Entwicklung im Tourismus könnte der Landkreisbeitrag reduziert werden, forderte Hohlweger.

Million netto durch die Inflation verringert

Johann Schild (SPD) sah keinen Grund für eine Änderung: »Wir sollten nicht als Dank für gute Arbeit den Geldhahn abschneiden.« Trotzdem müsse man versuchen, zusätzlich Geld von Leistungsträgern zu finden. Die Million habe sich netto durch die Inflation verringert. Werde die »große Solidargemeinschaft zwischen Kreis und Kommunen« in Frage gestellt, würden auch die Gemeinden ihren Beitrag zurückfahren. Dr. Lothar Seissiger (FW/UW) verwies auf den Umsatz aus dem Fremdenverkehr von einer halben Milliarde Euro, dazu noch anteilig Mehrwert-, Umsatz-, Gewerbe- und Einkommensteuern, von denen Kreis und Gemeinden profitierten. Heinz Wallner kündigte an, die Bayernpartei werde den Antrag der Grünen nicht mittragen. Bewährtes und Erfolgreiches nicht zu verändern, appellierte Franz Parzinger, CSU: »Lassen wir es bei dem Modell. Sonst gibt es wieder eine Riesendiskussion – ohne Not.« Den Mehrwert für nördliche Gemeinden, etwa durch wohnortnahe Freizeiteinrichtungen für Familien, hob Franziska Mayer (CSU) hervor.

900 000 Euro »auch ein Haufen Geld«

Für die Grünen argumentierte Willi Geistanger: »Tourismus ist in erster Linie Aufgabe der privaten Wirtschaft. Eine Million Euro ist ein Batzen Geld. Kein anderer Wirtschaftszweig wird so hoch gefördert.« Die Bereitschaft bei ökologischen Belangen sei deutlich geringer. 900 000 Euro seien »auch ein Haufen Geld«. Eine Förderung sollte gezielt und zeitlich begrenzt sein, sagte Dr. Michael Hüller (Grüne). Wenn für jede der 4,4 Millionen Übernachtungen zwei Cent abgezweigt würden, kämen 100 000 Euro schnell zusammen. Die Million sei damals eine Anschubfinanzierung gewesen, meinte seine Fraktionskollegin Gisela Sengl. Andreas Huber signalisierte, die ÖDP werde den Grünen-Antrag befürworten: »Aber jedes Jahr 100 000 Euro weniger – das ist zu viel.«

Claus Pichler (SPD) sprach von einem »großartigen Solidarpakt«: »Wir sind sehr dankbar für das viele Geld, das in den Tourismus investiert wurde und werden soll. Wir leben in Nachbarschaft zu Österreich, wo ganz andere Voraussetzungen herrschen.« Regionale Werbung habe enorm an Bedeutung gewonnen. Der Verband brauche inhaltlich die von Stefan Semmelmayr empfohlenen Strategien – nach dem alten Motto »Von Schnaitsee bis zum Alpenland bleiben wir im Kreis beieinand’.«

Der Beschluss von 2014 beinhalte neben der »Tourismusmillion« die Aufforderung an den Vorstand, ein Konzept zu entwickeln, wie Leistungsträger stärker beteiligt werden könnten, unterstrich der Landrat als Verbandsvorsitzender. Der Verband habe ein Konzept erarbeitet und bereits Gelder von außen generiert. Der Landkreis wolle Mittel reduzieren, »aber nicht Mittel, die benötigt werden«. Die Unternehmer würden nicht mehr zahlen, wenn der Kreis spare. Vonnöten sei eine verlässliche Sockelfinanzierung vom Kreis, den Kommunen und den Privaten: »Nur dann können wir erfolgreiche Arbeit leisten.«

Der Antrag von Sandra Sonntag, FW/UW, den Punkt zurückzustellen und zu prüfen, wieviel Geld der Tourismusverband – der in Kürze seine Mitgliederversammlung halte – überhaupt benötige, fand keine Mehrheit. kd