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Wegen Spielzeugauto: 37-Jähriger schubste Kind

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Traunstein. Ein damals 13-jähriger Bub fand heuer im Januar in einem Mülleimer neben einem Gasthaus in Kastl (Landkreis Altötting) ein teures, aber ziemlich verdrecktes ferngesteuertes Auto, dazu eine absolut saubere Fernbedienung. Weit und breit war niemand zu sehen, dem das Fahrzeug gehörte. Als der Junge seinen Fund testete, bekam er plötzlich von hinten einen Schubser. Dabei trug er einen Unterschenkelbruch davon.


Den mutmaßlichen »Schubser«, einen Angestellten (37) aus Kastl, verurteilte das Amtsgericht Altötting am 25. Juli wegen »vorsätzlicher« Körperverletzung zu 50 Tagessätzen zu je 25 Euro Geldstrafe, somit 1250 Euro. In der gestrigen Berufsverhandlung vor der Dritten Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Heike Will wurde daraus eine »fahrlässige« Körperverletzung mit 30 mal 25 Euro Geldstrafe, also 750 Euro.

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Die Vorsitzende Richterin hielt dem Angeklagten zugute, er sei auf der Suche nach dem Auto auf den damit spielenden Buben gestoßen: »Sie haben den Rückschluss gezogen: Der hat es mir auch entwendet.« Außerdem habe der Angeklagte »geglaubt, im Recht zu sein«. Damit sei er einem »Irrtum« erlegen. Ein »Vorsatz« für die Körperverletzung entfalle dadurch.

Das Opfer hat noch heute mit den Folgen zu kämpfen. »Hundertprozentig fit ist er noch nicht«, sagte seine Mutter im Gericht. Bei einer Operation am Tag nach dem »Schubser« wurden dem Buben zwei 20 bis 30 Zentimeter lange Nägel in die Knochen gesetzt.

Bislang hat die Mutter auf zivilrechtlichem Weg noch kein Schmerzensgeld geltend gemacht. Ein Anwalt deutete eine mögliche Höhe von 5000 Euro an. Dass der Sohn für seine Schmerzen entschädigt wird, ist wahrscheinlicher geworden. Der Grund: Der 37-Jährige ist haftpflichtversichert. Eine Versicherung zahlt aber nicht bei »Vorsatz«, sondern nur bei »Fahrlässigkeit«. kd