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Wegen der Trockenheit: Die Pilze lassen auf sich warten

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In den Fichtenwäldern im Chiemgau und im Rupertiwinkel sowie im übrigen Voralpenland sind die Reherl in den letzten Jahrzehnten relativ selten geworden. Im Bergwald kann man aber noch Fleckerl finden, wo sich das Ernten richtig lohnt.

Die Trockenheit der letzten Wochen hat auch die Hoffnung der Pilzsammler auf ein gutes Schwammerljahr gedämpft. Der Regen vor einer Woche summierte sich bei uns im Voralpenland im Durchschnitt auf weniger als 30 Liter pro Quadratmeter. Das hört sich nach viel an, entspricht aber einer Wassersäule von nur drei Zentimetern. Angesichts des ausgetrockneten Bodens drang der Regen also oft nur zwei bis vier Zentimeter in das Erdreich ein. Im Wald war es noch weniger, denn Laub, Zweige und Äste fangen viel vom Wasser ab und verdunsten es sofort wieder. In der Nacht zum gestrigen Freitag kamen noch einmal 20 bis 30 Liter dazu und die Hoffnung, dass die Pilze nun kommen, steigt weiter.


Ohne Wasser gibt es keine Pilze. Das kann jeder feststellen, der in dieser Woche in den Wald gegangen ist und nach den begehrten Schmankerln Ausschau gehalten hat. Wenn man etwas gefunden hat, dann waren es vor allem Reherl, welche die letzten drei Wochen Trockenheit überdauert haben. Die wenigen Täuberl, Perl- und Reifpilze sind von Maden und Schnecken zerfressen. Warum eigentlich wird es den Schnecken nie zu trocken? – eine berechtigte Frage, die zu beantworten gar nicht so einfach sein dürfte.

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Die ersten Reherl findet man im Chiemgau und im Rupertiwinkel meist schon in der ersten Junihälfte. Die kleinen gelben Speisepilze sind hier aber – nimmt man die Bergregionen aus – inzwischen so rar, dass es schon einem Glücksfall gleicht, wenn man bei einem Pirschgang nördlich der Autobahn München-Salzburg eine Mahlzeit zusammenbringt. Reherl, im Handel heißen sie Pfifferlinge und im Österreichischen bezeichnet man sie gemeinhin als Eierschwammerl, sind mit die beliebtesten Speisepilze. Sie werden kaum von Ungeziefer befallen und sind im Vergleich zu anderen Arten lange haltbar. Frisch aus dem Wald haben sie einen unvergleichlich guten Geschmack.

Aber was ein echter Schwammerlsucher ist, für den sind Reherl nur Beiwerk. Sein ganzes Streben gilt dem König der Pilze in den heimischen Wäldern, dem Steinpilz. Und es ist in der Tat ein unbeschreibliches Glücksgefühl, wenn man ein Prachtexemplar findet. Wie sagte es doch dieser Tage ein Mann, den ich zufällig am Parkplatz vor meinem Schwammerlwald traf (er kam zurück, ich ging erst los): »Den Weg kannst Du Dir sparen«. Und dann erzählte er, dass er voriges Jahr um diese Zeit schon 200 Steinpilze gefunden hatte und heuer noch keinen einzigen. Zum Beweis drehte er seinen leeren Korb um.

Meinen Einwand, ich wäre mit ein paar Reherln auch zufrieden, ignorierte er. Zwei Stunden später, mein Korb war gut gefüllt mit – zugegeben vorwiegend älteren – Pfifferlingen, ging ich zurück zum Parkplatz und traf auf ein Ehepaar, das offenbar auf dem Weg zu meinen Schwammerlplätzen war. Meinen Hinweis, heute sei nicht viel zu holen, quittierten die beiden mit einem Lächeln: Sie hatten mindestens genauso viele (alte) Reherl im Korb wie ich. Und ihre Frage, ob es etwas Besseres gäbe als einen schönen Waldspaziergang und anschließend eine Pfanne Schwammerl, beschämte mich fast angesichts meines Hinweises, heute sei nicht viel zu holen.

Auch diese beiden sind überzeugt: Heute oder morgen, vielleicht erst in der nächsten Woche geht’s los mit den Steinpilzen. Vielleicht auch erst ein oder zwei Wochen später. Das beweist: Es gibt kaum etwas Spannenderes, als in den Wald zu gehen und seine Schwammerlplätze zu inspizieren. Denn der Mensch kann nicht wissen, wann sie kommen. Er kann das Wachstum der Pilze genauso wenig beeinflussen wie das Wetter. Und das ist gut so. -K.O.-