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»Weg von der Playstation und zurück zur Natur«

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Übersee. »Selten ist das Thema Waldkindergarten auf einen so fruchtbaren Boden gefallen wie in Übersee«, freute sich Initiatorin Ursula Kern angesichts der Resonanz bei der Informationsveranstaltung im Wirtshaus D' Feldwies. Mehr als 60 Interessierte, darunter Bürgermeister Marc Nitschke und viele Gemeinderäte, registrierten die Aussagen erfahrener Waldpädagogen, nach denen »der Besuch eines Waldkindergartens die Grundlage für starke, gefestigte und mit der Natur verbundene Persönlichkeiten schafft«.


Rund 40 Rückmeldungen interessierter Eltern

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Seit zweieinhalb Jahren sei sie vom Bazillus »Waldkindergarten« infiziert und arbeite hoch motiviert daran, baldmöglichst eine solche Einrichtung in Übersee zu etablieren, sagte Kern, selbst Mutter eines dreijährigen Buben. Bestärkt hätten sie die rund 40 Rückmeldungen von Eltern, aber auch die Unterstützung von Sponsoren und Spontanangebote für eine Zusammenarbeit.

Das Motto von Kern, aber auch vom Vorsitzenden des 1998 gegründeten bayerischen Landesverbandes für Waldkindergärten, Franz Huber, heiße für die Zwei- bis Sechsjährigen »Weg von Playstation und Fernseher und zurück zur Natur«.

Die Kinder sind die gesamte Zeit draußen – zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter, auch die Brotzeiten gibt es draußen. Ein Bauwagen ist zwar das Zentrum des Kindergartens, er dient aber eher als Lager und Abstellraum. Huber berichtete von positiven Erfahrungen in 16 Jahren in den mittlerweile 220 Waldkindergärten in Bayern. Sie seien staatlich ebenso anerkannt, wie die Regel-, Waldorf- oder Montessorikindergärten. Auch die Vermittlung von Fähigkeiten zur Schulreife sei ihnen attestiert worden.

»Leider wird die Welt heuer vielfach nur noch zweidimensional erlebt, und auch Kinder lernen meist nur noch über das Anschauen«, bedauerte Veronika Görlich, Leiterin des Waldkindergartens »Pusteblume« in Palling. Dabei erfahren Kinder durch das Klettern auf Bäume, das Überwinden kleiner Hindernisse, Tierbeobachtungen und vor allem das kreative Spielen in der sich wandelnden Natur wieder den Wert von Sinneswahrnehmungen und Emotionen.

»Nicht Gefahren vermeiden, sondern an sie heranführen«

Vielfältig waren die Fragen aus der Versammlung. Am meisten beschäftigten die Eltern die Gefahren von Zecken, Fuchsbandwürmern und anderen möglichen Bedrohungen. Außer einem strikten T-Shirt Verbot im Sommer und dem Appell an die Eltern, ihre Kinder daheim gründlich zu untersuchen, gebe es keine Vorsichtsmaßnahmen. Es herrsche das Motto: »Nicht Gefahren vermeiden, sondern sorgsam an sie heranführen.«

Träger eines Waldkindergartens sei in der Regel eine Elterninitiative. Meist würden 22 Kinder von vier Personen betreut. Möglich ist der Besuch ab zwei Jahren. Die Kleinen werden draußen gewickelt und nehmen auch am Programmteil, notfalls in einem Leiterwagerl.

Kern sieht gute Chancen für den baldigen Start eines Waldkindergartens in Übersee. Sie habe in jüngster Zeit viele Angebote erhalten, sei es in notariellen, finanziellen, juristischen und praktischen Angelegenheiten. Vorrangig sei es zur Zeit, aus drei möglichen Standorten den besten auszuwählen. Zur Entscheidungsfindung erhielt sie ein spontanes Hilfsangebot von Landschaftsarchitekt Wolf Steinert vom Arbeitskreis Ortsentwicklung.

Zurückhaltend äußerte sich Bürgermeister Marc Nitschke. Er würdigte zwar das offensichtlich große Interesse, wollte aber zu einer eventuellen Realisierung noch keine Äußerung machen. Vorerst gelte es einen Standort zu finden, alles Weitere solle dann in Ruhe abgeklärt werden. bvd