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Wasserwirtschaftsamt informierte über die Hirschauer Bucht

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Glaubt man den Fachleuten, könnte die Hirschauer Bucht schon in 50 Jahren verschwunden sein. Das beim Rekord-Hochwasser im Juni vorigen Jahres angeschwemmte Treibgut, darunter bis zu 20 000 Kubikmeter Holz, dürfte den Bestand der Bucht um einige Jahre verkürzt haben. (Foto: Müller)

Grabenstätt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung informierte Hans Semmler vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Traunstein über die Situation in der Hirschauer Bucht. Vor den Räten betonte er noch einmal, dass es weder notwendig noch wirtschaftlich sei, die 15 000 bis 20 000 Kubikmeter Schwemmholz aus der Hirschauer Bucht zu entfernen. Dies gelte aber nicht für die Ölwehranlagen der Transalpinen Leitung (TAL), die funktionstüchtig bleiben müssten.


Im Gegensatz zum Treibholz habe man Mitte November den angeschwemmten Müll aus der Bucht entfernen lassen. Insgesamt seien es 2,7 Tonnen gewesen. Die latente Hochwassergefahr und Verlandungsprobleme hätten die Bewohner im Achental und am Chiemsee schon vor Jahrhunderten zu Eingriffen veranlasst. So sei die ursprüngliche Mündung der Tiroler Achen am Achenzipf/Lachsgang Ende des 16. Jahrhunderts nach Osten in die Hirschauer Bucht verlegt worden. Um der dadurch hervorgerufenen starken Verlandung entgegenzuwirken, habe man den Mündungsbereich in den 1870er Jahren wieder ein gutes Stück nach Westen verlegt. Seitdem bilde sich in diesem Bereich das größte Binnendelta Mitteleuropas aus.

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Die Tieferlegung des Chiemsee-Wasserspiegels von 1902 bis 1904 um 70 Zentimeter durch Ausbaggerungen an der Alz bei Seebruck und die Sprengung an der Entenlochklamm 1906/1907 zwischen Kössen und Schleching hätten in der Folge erneut zu einer stärkeren Verlandung geführt. Seit 1810 seien im südöstlichen Chiemseebereich über 400 Hektar neues Land entstanden.

Um den Feststofftransport in Richtung »Weitsee« umzuleiten, sei in den 1960er Jahren der östliche Seitenarm der Tiroler Achen geschlossen worden. »Ohne diese Maßnahme würde es die Hirschauer Bucht schon heute nicht mehr geben«, zeigte sich Semmler überzeugt.

Problematisch seien die 300 000 Kubikmeter Schwebstoffe, die alljährlich über die Tiroler Achen in den Chiemsee geschwemmt und durch westliche Winde gen Osten verfrachtet würden. Die Kiesfallen im Unterlauf der Tiroler Achen könnten das feine Material nicht zurückhalten. Der Kies sei auch deshalb das geringere Problem, weil von den alljährlich 30 000 Kubikmetern 20 000 an den Kiesfallen entnommen würden.

Bei der Beeinflussung der Verlandung seien einem heute enge Grenzen gesetzt, beantwortete Korbinian Stettwieser, Abteilungsleiter Landkreis Traunstein im Wasserwirtschaftsamt Traunstein, eine Zwischenfrage. Mit Maßnahmen wie einer Deichrückverlegung nördlich der Autobahn und der Schaffung von Überflutungsflächen könnte man die zunehmende Verlandung »verlangsamen, aber nicht aufhalten«. Korrekturen im Mündungsgebiet seien nicht möglich, da es in der Kernzone des Naturschutzgebietes ein absolutes Betretungsverbot gebe.

»Den rechten Seitenarm wieder aufzumachen, wie es die Interessengemeinschaft 'Hirschauer Bucht' fordert, haben wir schon einmal in den 1980er Jahren diskutiert«, erinnerte Bürgermeister Georg Schützinger. Fachleute hätten damals davon abgeraten. Für Grabenstätt sei es »lebensnotwendig«, dass die Gräben vom Grabenstätter Moos in die Hirschauer Bucht entwässern können. Sollte die Verlandung so weitergehen, »kriegen wir massive Probleme mit der Entwässerung«, warnte das Gemeindeoberhaupt.

»Der Hochwasserschutz hat derzeit Vorrang vor allen anderen Maßnahmen«, erwiderte Stettwieser. Dass der Deich beim letztjährigen Rekord-Hochwasser nördlich von Staudach auf östlicher Seite gebrochen sei und die Wassermassen dort riesige landwirtschaftliche Flächen überflutet hätten, sei so gewollt gewesen, denn auf der Westseite wären zahlreiche Siedlungen betroffen gewesen.

Das Verschwinden des einst weithin bekannten Sandstrandes in der Hirschauer Bucht vor etwa 50 Jahren liege zu einem nicht unerheblichen Teil am Torfmull, der über den Rothgraben in die Bucht gelange, so Franz Wiesholler. Semmler relativierte dies und verwies auf die aktuelle Konstellation im Achendelta, wo der Hauptabfluss der Tiroler Achen seit einiger Zeit in nordöstliche Richtung fließe. Dies könne sich auf natürliche Weise schnell ändern, da sich das Wasser erfahrungsgemäß immer den leichtesten und kürzesten Weg suche.

Hans Pertl monierte, dass man aufgrund der vielfältigen Zuständigkeiten nie so recht wisse, an wen man sich in Sachen Hirschauer Bucht eigentlich wenden solle. Es gebe kein Kompetenzgerangel zwischen Wasserwirtschaftsamt und den Naturschutzbehörden im Landratsamt oder bei der Regierung von Oberbayern, jeder habe seine Aufgaben, betonte Stettwieser und schob hinterher: »Es ist nicht Aufgabe des Wasserwirtschaftsamtes, wieder einen Badestrand zu machen, das müssen sie schon mit dem Naturschutz ausmachen«. mmü