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»Wasserwirtschaftsamt hat zu früh gemäht«

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»Wir bemühen uns wirklich sehr um diesen Streifen an der Traun«, betont Gertrud Vogel vom Sachgebiet Naturschutz am Landratsamt Traunstein. Dort, wo die Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts den blühenden Türkenbund erkannt haben, hätten sie ihn stehen gelassen. Doch an anderen Stellen wurde die geschützte Pflanze wohl abgemäht, was für Aufregung sorgte.

Traunstein – Es war ein Schock für Blumenfreund Willi Merkl aus Traunstein. Bei einer Radtour an der Traun entdeckte er, »dass die Wegränder kahlrasiert waren. Dort waren nur noch einzelne Blüten des Türkenbunds zu sehen, von der sonstigen Fülle keine Spur«. Nicht nur dem 82-Jährigen ist das aufgefallen, auch Sabine Sell vom Bund Naturschutz hat sich an das Traunsteiner Tagblatt gewendet und kritisiert, dass das Wasserwirtschaftsamt diese geschützten Pflanzen »einfach weggemäht hat«. Wir haben nachgefragt.


»Wir bemühen uns wirklich sehr um diesen Streifen an der Traun«, sagt Gertrud Vogel vom Sachgebiet Naturschutz am Landratsamt Traunstein. »Das Wasserwirtschaftsamt hat heuer zu früh gemäht, doch das wird sicher nicht wieder vorkommen«, betont sie. Außerdem hätten sich die Mitarbeiter beim Mähen wirklich sehr viel Mühe gegeben. »Sie haben versucht, um die blühenden Pflanzen herumzumähen.«

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Der Türkenbund sei nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt, die Lilienart dürfe deshalb auch nicht gepflückt werden. So ein Verhalten könne – je nach Einzelfall betrachtet – auch eine Geldstrafe nach sich ziehen.

Für das Wasserwirtschaftsamt hat das zu frühe Mähen keine Konsequenz. »Das einmalige falsche Mähen verkraften die Pflanzen«, sagt Gertrud Vogel. Viel schlimmer sei es, dass in der Vergangenheit immer zu spät gemäht und gemulcht wurde. Hochstauden und hohe Obergräser hätten verstärkt zugenommen, selbst die Brombeere habe sich stellenweise ausgebreitet und habe den konkurrenzschwächeren Blütenpflanzen wie dem Türkenbund, den Orchideen oder der Teufelskralle ihren Lebensraum streitig gemacht. »Wir haben festgestellt, dass sich dieser Standort an der Traun verändert hat«, sagt Gertrud Vogel. Vor zwei Jahren habe deshalb das Wasserwirtschaftsamt das Mähen übernommen, außerdem habe man mit Unterstützung eines Biologen den richtigen Mahdzeitpunkt festgelegt, der zwischen Ende Juli und Anfang August liegt – dann, wenn der Türkenbund und die anderen seltenen Pflanzen geblüht haben. Warum das in diesem Jahr nicht geklappt hat, kann sich Gertrud Vogel selbst nicht erklären. »Das war ein einmaliges Versehen. Nächstes Jahr mäht das Wasserwirtschaftsamt später.«

Der Krautsaum entlang der Traun von Traunstein Richtung Seiboldsdorf ist besonders arten- und blütenreich. Dort gibt es neben dem Türkenbund noch weitere gefährdete Arten wie das Helmknabenkraut, eine heimische Wildorchideenart, und die kugelige Teufelskralle. KR