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Wasserkraft als starker Partner bei der Energiewende

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Im Rahmen einer Veranstaltung der Klimawoche des Landkreises Traunstein in der Schlossbrauerei Stein besichtigten Teilnehmer und Landrat Siegfried Walch auch ein Wasserkraftwerk auf dem Brauereigelände. (Foto: Rasch)

Traunreut – Dass die Wasserkraft auch im kleinen Maßstab ökonomisch sowie ökologisch wertvoll ist, davon ist Dr. Birgit Seeholzer vom Sonnenkreis Traunstein überzeugt. »Kleinvieh macht auch Mist«, sagte sie am Rande einer Veranstaltung anlässlich der Klimawoche des Landkreises Traunstein in der Schlossbrauerei Stein dem Traunsteiner Tagblatt. Rund 80 Teilnehmer waren zu der Veranstaltung mit Fachvorträgen und Besichtigung der Wasserkraftwerke gekommen. Entlang des Steiner Mühlbaches befinden sich sechs Wasserkraftwerke. Jeweils zwei davon betreiben die Schlossbrauerei und die Firma Gattermann. Neben einem bereits seit 1960 bestehenden Kraftwerk, hat die Firma Gattermann ein neues Kraftwerk gebaut, das seit rund einem Jahr in Betrieb ist. Seeholzer sprach von einem »Energetischen Zentrum« im nördlichen Landkreis Traunstein.


Es sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr, ein neues Kraftwerk zu initiieren, betonte Landrat Siegfried Walch. Er lobte die Innovationskraft des Unternehmens, das vor fünf Jahren auch in eine Hackschnitzel-Anlage investiert hat und damit auch das gesamte Areal der Schule Schloss Stein mit umweltfreundlicher Wärme beliefert. Nach Angaben des Geschäftsführers der Firma Gattermann (GaTo), Thomas Gattermann, sei der Kanal (Mühlbach) seinerzeit ausschließlich zur Energieerzeugung gegraben worden. Aus der Erfahrung des seit 1960 bestehenden Kraftwerks heraus habe er erkannt, dass die Energie der kurzen Wege die Zukunft sei. Deshalb habe er 2011 den Schritt unternommen und in ein weiteres Kraftwerk investiert, so Gattermann. Ziel der Schlossbrauerei Stein ist es, energieautark zu werden. Die Brauerei, die zu 99 Prozent ihren gesamten Strombedarf mit zwei E-Werken produziere, sei ein sehr intensiver Energiebetrieb, vor allem die Abfüllung benötige jede Menge Strom, sagte Braumeister Markus Milkreiter. Die Brauerei, die ihren Wasserverbrauch in den vergangenen Jahren durch moderne, wassersparende Maßnahmen um 20 Prozent reduzieren konnte, unterhält ein getrenntes Kanalnetz. Das Oberflächenwasser wie die Kühlwässer werden in die Traun abgeleitet und belasten somit nicht die Steiner Kläranlage. Das Schmutzwasser wird über ein Misch- und Ausgleichsbecken zur Kläranlage geleitet. Darüber hinaus setzt die Brauerei auch bei ihren Produkten auf Regionalität.

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Beeindruckt von der nachhaltigen Unternehmensstruktur und nicht zuletzt von der historischen Kraftwerksanlage auf dem Brauereigelände war auch der Ehrenpräsident der Vereinigung Wasserkraftwerke in Bayern (VWB) und des Bundesverbandes Deutscher Wasserkraftwerke, Anton Zeller. Die Wasserkraft sei mit 15 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Jahreserzeugung in Bayern nach der Kernkraft die stärkste Quelle der Stromerzeugung. Sie schone Rohstoffe und Umwelt gleichermaßen, bringe Steuereinnahmen und sei friedensstiftend, da sie unabhängig mache von den Energielieferungen aus dem Ausland, sagte Zeller. Deshalb müsse ihr bei der Energiewende eine deutlich stärkere Rolle zukommen. 4250 Wasserkraftwerke in Bayern decken derzeit annähernd den Strombedarf aller Haushalte im Freistaat durch saubere heimische Energie. Mittelfristig könnten seiner Ansicht nach zusätzlich noch vier Milliarden kWh hinzugewonnen werden, was fast einem Kernkraftwerk entspräche. Zeller fordert auch beim Ausbau der Wasserkraft eine spürbare Erleichterung. Den Wasserkraftwerksbetreibern würden beim Ausbau von Wasserkraftwerken seitens der Behörden große Steine in den Weg gelegt werden, was die Genehmigungsverfahren im Wasserrecht zumeist kompliziert und langwierig mache. So wünschten sich die Wasserkraftwerksbetreiber von den Genehmigungs- und Fachbehörden bei ihren Stellungnahmen zu Neubau, Modernisierung und Wiederbewilligung von Wasserkraftwerken eine größere Unterstützung, vor allem eine gerechtere Abwägung zwischen sauberer Energieerzeugung und sonstige Interessen, sagte er. Ferner betonte er, dass lediglich die Forderung zum Erhalt der Wasserkraft als Energiequelle nicht ausreiche. Die Wasserkraft habe in Südostoberbayern noch erhebliche Ausbaupotenziale: »Diese sollten genutzt werden.« ga