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Was wird aus dem Frauenbrunn-Häuschen?

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In diesen Tagen räumt Mathias Schneider seine letzten Habseligkeiten aus dem Frauenbrunnhäuschen, in dem er zweieinhalb Jahre gewohnt hatte. (Foto: H. Eder)

Traunreut – Das malerische Häuschen neben der altehrwürdigen Frauenbrunnkapelle hat in seiner fast 250-jährigen Geschichte schon viel erlebt. Es war Schulhaus, Lehrerwohnung, Schneiderwerkstatt, Wohnhaus und Übernachtungsort. Jetzt blickt das Häuschen, das seit 1992 im Besitz des Heimatbundes Schloss Pertenstein ist, einer neuen, derzeit noch recht vagen Zukunft entgegen.


Bis dato letzter Bewohner des Frauenbrunn-Hauses, das 1770 erbaut worden war, ist der Bildhauer Mathias Schneider. Er war vor rund zweieinhalb Jahren eingezogen und hatte versucht, es sich in dem alten, energetisch nicht unproblematischen Haus so gemütlich wie möglich zu machen. Er hatte in der Anfangszeit auch Holzschnitte mit der Ansicht des Frauenbrunns hergestellt und diese verkauft – als kleinen Obolus für die zahlreichen Renovierungen, die im Haus anstanden und immer noch anstehen.

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Für ihn völlig überraschend kam vor kurzem die Kündigung. Auf Anregung von Hans Lauber, dem Vorsitzenden des Heimatbundes, war Schneider einst in das Haus eingezogen. Jetzt war es wiederum Lauber, von dem die Kündigung ausging. Der Grund: Es gibt wohl – so formuliert es etwa Stadtkämmerer Erich Suttner, der in dieser Angelegenheit von Lauber angesprochen worden ist – »eine Stiftung mit kulturellem Hintergrund«, die bereit wäre, das Haus zu übernehmen, eine Stiftung, in der potenzielle Stifter ihr Vermögen anlegen können.

Das Interesse einer so gearteten Stiftung am Frauenbrunn-Haus bestätigt auch Heimatbund-Vorsitzender Lauber. Und er macht auch kein Hehl daraus, welche Gründe ihn bewogen haben, sich mit dieser Stiftung, die vor drei Jahren schon einmal angeklopft hatte, nunmehr erneut zu befassen. Nachdem der Heimatbund 1992 mit Unterstützung der Heidenhain-Stiftung das Frauenbrunn-Häuschen kaufen konnte, wurde eine sogenannte Auflassungsvormerkung eingetragen, wonach das Haus an die Stadt fallen würde, wenn der Stiftungszweck, die Unterbringung von Musiklehrern und -studenten, die an der Carl-Orff-Schule hospitierten, nicht mehr erfüllt sei. Dies ist nun seit geraumer Zeit schon nicht mehr der Fall.

Darüber vergingen Jahre, in denen das Haus zunächst leer stand, dann mit Mathias Schneider einen neuen Bewohner fand.

Warum die Sache jetzt wieder aktuell wird, hat wohl auch seinen Grund darin, dass es unterschiedliche Ansichten zwischen der Stadt als möglicher »Erbin« des Hauses und dem jetzigen Besitzer Heimatbund gab. Das Haus sollte nämlich im Fall, dass der Stiftungszweck nicht mehr erfüllt wäre, kostenlos an die Stadt fallen – es sei denn, es wäre nach dem Kauf nach 1992 noch Wesentliches hineingerichtet worden. Dies sei unbedingt der Fall, meint Lauber, und erhofft sich diese Investition für den Heimatbund zurück. Die Stadt jedoch wolle dafür aber nichts zahlen, sagte Lauber gegenüber unserer Zeitung, habe in dem Fall das »Erbe« möglicherweise sogar ablehnen wollen.

Kämmerer Suttner will sich dazu nicht näher äußern; diese Angelegenheit sei im Stadtrat nichtöffentlich diskutiert und beschlossen worden, so dass er darüber nichts preisgeben dürfe. Sollte aber, so seine persönliche Meinung, der Heimatbund einen anderen Interessenten finden, bei dem das Haus in gesicherten Händen wäre, würde er dem Stadtrat empfehlen, dem zuzustimmen: »Dann hat die Stadt kein erhöhtes Interesse. Warum sollte dann die Stadt einsteigen, das kann eine Stiftung auch machen.«

Über die Stiftung gibt es bisher noch keine genaueren Angaben. Aber die Dame, die diese Stiftung offenbar vertritt, hatte sich schon vor drei Jahren einmal bei einer Heimatbund-Jahreshauptversammlung vorgestellt. In einem ausführlichen Vortrag hatte Beatrice Voigt ausgeführt, dass sie im Zusammenhang mit dem Frauenbrunnhaus das tun könnte, »was ich in meiner Arbeit sowieso ständig tue, nämlich neue Nutzungen suchen für leer werdende Flächen«. Ohne sich genauer über eine mögliche Zukunftsvision für den Frauenbrunn zu äußern, hatte sie damals das bekannte Sprichwort geäußert, nach dem »Tradition nicht Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers« sei.

Was somit aus dem Frauenbrunn-Häusl – nur um das geht es ja, denn die Kapelle gehört der Pfarrei – künftig entwickelt werden sollte, bleibt abzuwarten, falls aus der Verbindung überhaupt etwas werden sollte. Denn Lauber erhofft sich durchaus, dass ihm die Stiftung die Kosten für die zwischenzeitlichen Renovierungsarbeiten ersetzen würde.

Das alles muss Mathias Schneider nun nicht mehr belasten. Er hat sich inzwischen in Traunwalchen eine Wohnung gesucht und macht sich auch auf die Suche nach einer Anstellung; denn von seiner Kunst allein kann er nicht leben. Dafür, dass er sich um das Frauenbrunn-Häuschen gekümmert hat, musste er keine Miete, lediglich die anfallenden Nebenkosten zahlen. he

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