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»Was war gut an diesem verflixten Jahr?«

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Froh ist Wast Eisenreich aus Traunstein, dass die Schäffler-Tänze noch über die Bühne gehen konnten. Foto: privat

Das Traunsteiner Tagblatt war zum Jahreswechsel auf der Suche nach Ihren positiven Geschichten aus 2020


Fest im Griff hatte uns heuer das Corona-Virus. Das ganze Jahr über hat es uns begleitet, uns eingeschränkt und auch gefordert. Homeoffice, Kurzarbeit und Distanzunterricht haben viele von uns an ihre Grenzen gebracht. Zum Jahreswechsel ist es Zeit, zurückzublicken. Wie hat das Corona-Virus uns beeinflusst und gab es in diesem Jahr neben all den negativen Nachrichten auch Positives? Das Traunsteiner Tagblatt hat Sie, liebe Leserinnen und Leser, nach Ihrem ganz persönlichen Höhepunkt des Jahres 2020 gefragt.

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Vieles hat sich in diesem »Corona-Jahr« für uns geändert, betont Heike Geyermann. »Homeschooling und Homeoffice war für uns als Familie eine ganz neue Situation, in die wir uns zuhause erst einfinden mussten. « Das war verbunden mit vielen Herausforderungen, technischen wie zwischenmenschlichen, sagt die Traunsteinerin. »Wir haben wieder selbst gekocht – ganz in Ruhe – alte Rezepte wiederentdeckt und die Familie saß auf einmal wiedergemeinsam am Mittagstisch. Das Corona-Jahr hat der Familie gutgetan«, betont Geyermann. Auch ein neues Hobby hat die Traunsteinerin für sich wiederentdeckt: Das Kochen – für sie eine Art, zur Ruhe zu kommen. Der schönste Moment für sie war, als ihre beiden pubertierenden Kinder auf einmal ihre Zimmer wieder verlassen hatten und »schnuppernd« in die Küche kamen und fragten, was so gut duftet.

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Monika Huber mit ihrem Mann Andreas und dem Enkel Maximilian Josef auf dem Arm. Foto: Huber

Auch wenn für Monika Huber das Jahr nicht gut startete, blickt die Ruhpoldingerin positiv auf 2020 zurück: In der ersten Corona-Hochphase musste ihr 85-jähriger Vater ins Krankenhaus. Die Diagnose: Nierenstau. Er musste innerhalb von einer Woche zweimal operiert werden. »Für einen älteren Herrn nicht gerade ohne«, sagt Monika Huber. »Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war er nicht mehr mobil.« Die ganze Familie musste zusammenhelfen und ihn wieder aufpäppeln. »Es ist ein riesen Glück, dass er jetzt wieder so fit ist«, freut sich die Ruhpoldingerin. Ihren zweiten ganz besonderen »Glücksmoment « erlebte Monika Huber dann am ersten Adventssonntag. An diesem Tag kam ihr erstes Enkelkind Maximilian Josef zur Welt. Diese positiven Erlebnisse begleiten Monika Huber das ganze Jahr. Sie hat immer versucht, das Positive aus der Situation zu ziehen. »Eine Krise kann auch immer ein Wendepunkt sein. Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, wie gut es uns doch eigentlich geht, aber noch deutlicher, wo Missstände herrschen.« In einer Krise, so Huber, muss man etwas wagen, etwas Neues ausprobieren. »Das kann auch eine Chance sein«, ist die Ruhpoldingerin überzeugt.

Familienzuwachs gab es auch in der Familie von Heide Strigl aus Traunstein. Anfang Februar besuchte sie ihre Verwandten in Rosenheim. Bei dieser Gelegenheit überreichten ihr der Enkel und seine Frau ein »Überraschungs-Schokoei«. Darin befand sich eine Kopie einer Ultraschallaufnahme. Auf der Vorderseite stand eine kurze Notiz: »Hallo, liebe Ur-Oma Heide, jetzt bin ich fast schon so groß wie ein Gummibärchen! Ich freue mich schon darauf, dich bald kennenlernen zu dürfen, aber bis September müssen wir uns leider noch gedulden.« Anfang September wurde ihr Urenkel Julian im Traunsteiner Krankenhaus geboren. Wegen Corona kenne sie Julian allerdings nur über WhatsApp. Sie hofft, ihn bald persönlich kennenzulernen.

»Es war in der Tat ein unruhiges Jahr mit zahlreichen und vielschichtigen Entbehrungen und Einschränkungen, die viele Menschen in tiefgreifende Notlagen jedweder Art gebracht haben«, schreibt Prof. Dieter Gieseler der Redaktion. Dass diese neue Krankheit jetzt erforscht werde und ein hoffentlich wirksames Gegenmittel gefunden wurde, sollte uns alle wieder mit Zuversicht, Hoffnung, Trost, Stärke und neuem Mut erfüllen, so der Bergener. Das alles basiere auf unserer »einzigartigen Friedenswelt in Europa, wie wir sie seit ewigen Zeiten nicht mehr erlebt haben«, betont er. Für ihn hat die Erkenntnis von Hoffnung und Frieden, die naturgemäß die Menschen miteinander verbindet, den Kern dieses Jahres als einzigartiges, positives Erlebnis geprägt.

»Vor einigen Tagen haben wir im Pfarrbrief gelesen, dass wir das einzige Brautpaar waren, das sich 2020 in Altötting getraut hat«, sagt Johanna Unterhitzenberger gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Im Sommer hatte die Altöttingerin, die in Kammer aufgewachsen ist, ihren Mann Johannes geheiratet. »Am zweiten Weihnachtsfeiertag waren wir dann in der Basilika im Gottesdienst. Dabei kam der Mesner vom Tag unserer Hochzeit auf uns zu und hat uns das nochmals bestätigt. Er sagte: Das könnt ihr Euch rot im Kalender anstreichen. Ihr seid das einzige Hochzeitspaar, das 2020 in Altötting geheiratet hat und dann auch noch hier in der Basilika!'« Für die beiden war es ein tolles Erlebnis mitten in all dem »coronabedingten Chaos« so einen wunderschönen Hochzeitstag im Sommer feiern zu dürfen. »Dafür sind wir dankbar«, meint Johanna Unterhitzenberger.

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Julian überraschte mit seiner Oma Gisela Hunklinger Nachbarin Heidi Weigert am Martinstag. Foto: Hunklinger

Heide Weigert erlebte in diesem November eine ganz besondere Überraschung: Am Sankt-Martins-Tag läutete es unerwartet abends an ihrer Haustüre. Damals hat sie sich gewundert, wer so spät noch was von ihr möchte, erinnert sich Weigert. Als sie dann die Tür öffnete, war sie ziemlich überrascht. Vor ihr stand ihre Nachbarin zusammen mit ihrer Tochter und ihrem Enkel Julian. Der Dreijährige hatte eine Laterne in der Hand und stimmte das Lied »Sonne, Mond und Sterne« an und übergab Heide Weigert mit Hilfe seiner Oma, Gisela Hunklinger, ein kleines Marmeladenglas mit einer Kerze, die er am Licht seiner Laterne angezündet hatte. »Julian war so enttäuscht, dass dieses Jahr die Martinsumzüge ausfielen, dass seine Oma beschloss, mit ihm eine kleine Runde in der Nachbarschaft zu gehen «, sagt die Ruhpoldingerin. Bei jedem Haus klingelten sie, Julian stimmte sein Lied an und übergab das kleine Marmeladenglas mit Kerze. »Der kleine Kerl war so süß wie er vor mir stand. Das war für mich eines der schönsten Erlebnisse in diesem Jahr.«

Immer viel unterwegs ist der Skilangläufer, Jonas Dobler vom SC Traunstein. Doch in diesem »verflixten« Coronajahr war vieles anders: Er und seine Kollegen mussten Corona-bedingt einige Trainingscamps ausfallen lassen. So waren die Sportler nicht ganz so viel unterwegs wie sonst und konnten mehr die Zeit daheim genießen. »Es ist mir noch mehr bewusst geworden, wie schön es bei uns daheim ist und wir hier eigentlich alles haben, was man braucht«, meint er dazu.

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Froh ist Wast Eisenreich aus Traunstein, dass die Schäffler-Tänze noch über die Bühne gehen konnten. Foto: privat

»Mein schönstes Erlebnis in diesem Jahr waren die 77 Schäffler-Tänze im Januar und Februar«, berichtet Wast Eisenreich. Seit 1963 ist er bei den Traunsteiner Schäfflern aktiv. Noch vor der Pandemie konnten ihre Tänze über die Bühne gehen und das auch noch für einen guten Zweck: Rund 30 000 Euro sammelten die Schäffler. Das Geld wird nun für soziale Projekte gespendet. »Die letzte Aufführung ist immer traditionell am Faschingssamstag«, erklärt Eisenreich. »Da kommen immer alle zusammen. Das war mein schönstes Erlebnis in diesem Jahr«, schwärmt er.

Die Bayernliga-Fußballer des SV-Kirchanschöring sehen die Einschränkungen nicht nur negativ. »Für uns Fußballer war es natürlich sehr bitter, sich ein ums andere Mal auf den Pflichtspielstart vorzubereiten, um dann nach wenigen Wochen wieder unterbrechen zu müssen«, erklärt Hannes Kraus vom SV Kirchanschöring. Die Fußballer würden aber auch die guten Dinge der Krise sehen, zu denen zum Beispiel die Erweiterung der Stadiontribüne mit dem neuen Kiosk am Sportplatz gehöre, so Krause. »Außerdem wurde uns durch die Athletik-Trainer über Online-Meetings die Möglichkeit gegeben, uns trotz der Einschränkungen als Team gemeinsam sportlich zu betätigen und fit zu halten«, erzählt er. »Wir konnten deshalb auch mehr Zeit in andere Dinge investieren, die sonst oftmals zu kurz kamen.«

Mehr Zeit hatte auch der Pallinger Benedikt Huber. Er ist dreifacher Deutscher Meister über die 800 Meter. In einem Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagt er: »Das Schöne war, dass man in diesem Jahr viel mehr Zeit für sich und seine Familie gehabt hat. Es ist einem bewusst geworden, was im Leben wirklich wichtig ist. Ich hatte auch mehr Zeit daheim und bin auch öfters mal auf den Berg gegangen.«

»Im Juni war es endlich soweit: Nach knapp einem Vierteljahr Unterbrechung durfte sich unser Team erstmals wieder gemeinsam auf dem Feld begegnen«, erinnert sich der Kapitän der Chiemgau Baskets des TV Traunsteins, Tom Weber. Anfangs mussten die Basketballer ihren geliebten Sport zur Freiluftaktivität mit Abstand umfunktionieren. Doch bei den zahlreichen Trainingseinheiten an Traunsteiner Freiplätzen »verkam« die Ausübung des Sports schon fast zur Nebensache. Viel mehr rückten Spaß und Freundschaft immer stärker in den Vordergrund, betont Weber. »Noch heute erinnere ich mich gerne an die vielen schönen Momente zurück. In Zeiten des „Social Distancings“ waren alle einfach extrem dankbar, dieses Gemeinschaftsgefühl erleben zu dürfen. Und nicht zuletzt wurde uns dadurch so richtig bewusst, welchen Stellenwert und auch welche soziale Verantwortung der Freizeitsport in der Gesellschaft besitzt«, so der Basketballer.

Dieses Jahr 2020 hat Dekan Peter Bertram gelehrt, »wie zerbrechlich und auch unverfügbar das Leben ist. Die alte Weisheit des Psalmbeters 'Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.' (Psalm 90,12) hat für mich ganz neu an Bedeutung gewonnen. Was ist wirklich wichtig? Worauf kommt es an? Was ist verzichtbar? Kopf- und Herzensklugheit sind 2021 gefragt.«

Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer ist sehr dankbar, sagen zu können, »dass das Jahr 2020 für mich persönlich ein gutes und besonderes Jahr war. Meine Familie und ich sind – bis zum heutigen Tag – gesund geblieben und wir konnten gemeinsam – trotz allem – schöne Momente im Urlaub und an freien Tagen in den Bergen am Chiemsee oder in unserem Schwimmbad genießen. Im Gedächtnis bleiben natürlich ganz private Momente, wie der Tag, als unser jüngerer Sohn schwimmen gelernt hat oder das gemeinsame familiäre Mitfiebern mit dem FC Bayern auf dem Weg zum Triple.«

Landrat Siegfried Walch hat am meisten gefreut oder bewegt in diesem Jahr, »dass man gerade auch in der Krise so viele Beispiele gesehen hat, wie sehr unsere Heimat zusammenstehen kann. Oft sehen wir die, die am lautesten schreien, doch beeindruckt haben mich die vielen Menschen, die Disziplin gehalten haben und schwere Situationen ausgehalten haben.« aha/SB/vew

 

 

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