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»Was wäre Bayern ohne die Tracht?«

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Rund 2500 Trachtler nahmen am Gottesdienst im Kurpark von Unterwössen teil. (Fotos: Flug)

Unterwössen – Rund 2500 Trachtler haben gestern in Unterwössen das 80. Gaufest des Chiemgau-Alpenverbands gefeiert. Die beiden Höhepunkt waren der feierliche Festgottesdienst im Kurpark und der lange Festumzug durch das Dorf.


»Was wären die vielen kirchlichen und weltlichen Anlässe im Jahreskreis ohne die Trachtler und was wäre Bayern ohne die Tracht?«, fragte Gauvorstand Miche Huber. 133 Jahre nach der Gründung des ersten Trachtenvereins habe sich vieles verändert. Doch die Trachtenbewegung habe sich durchgesetzt. Ein Zeichen dafür seien auch die vielen Teilnehmer am Gaufest.

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Richtlinien zur Vereinstracht dürften nicht willkürlich ausgelegt werden, mahnte Huber. Das Bewusstsein über die Bedeutung und die Errungenschaft der Tracht müsste den Weg vorgeben. Dann verwirkliche sich auch das Ziel, mündige Trachtler zu haben, die selber wüssten, was sie zum jeweiligen Anlass anzuziehen haben. »Wir sind ein Trachtenerhaltungsverein und wollen keine Kleiderordnung aufzwingen. Vorrangig muss es uns aber antreiben, die Tracht zu erhalten, weil sich dadurch unsere Kultur erhält«, sagte Huber.

»Ich selbst bin Trachtler von Kindesbeinen an«, sagte Pfarrer Martin Straßer, der den feierlichen Festgottesdienst zusammen mit Diakon Erik Oberhorner zelebrierte. Aus der Tracht sprächen drei Dinge, so der Geistliche. Da sei der äußerliche Sinn für das Schöne, für das Aussehen einer feschen Tracht. Tracht spreche dafür, dass etwas Schönes nicht ins Museum abgestellt werde. Tracht würde benutzt, gepflegt und erhalten. Und für die Tracht stünden auch die Leute mit den gleichen Zielen, Menschen mit Sinn für das Schöne im Miteinander und vor dem Ansehen Gottes. Für Gott gelte nicht nur die äußere Schönheit, die Tracht, sondern auch eine innere Schönheit. Es gelte darum für jeden, die innere Schönheit anzustreben.

Einem jeden gab Straßer mit auf den Weg: »Ganz gleich, ob nach außen oder innen, es gilt für jeden, den richtigen Umgang auch mit sich selbst zu finden.« Nach dem Glaubensbekenntnis las die zweite Vorsitzende Andrea Größ Fürbitten vor. Der Gottesdienst hatte zudem einen feierlichen musikalischen Rahmen. Der Unterwössner Kirchenchor St. Martin und die Musikkapelle Wössen führten die Kleine Messe von Anette Thoma in einer Bearbeitung des Unterwössners Jochen Langers auf. Am Ende des Gottesdiensts weihte der Pfarrer die Fahnenbänder für den Unterwössner Trachtenverein »D' Achentaler«. Der Gau übergab eines in Erinnerung an das Gaufest, das Fahnenband, das die Staudacher Trachtler überbrachten, wies auf das 125-jährige Bestehen der Unterwössner Trachtler hin.

Für solch eine Anzahl an Menschen war der Gottesdienst gelungen organisiert, nichts störte die Andacht der Teilnehmer. So entstand eine besondere Stimmung. Nur eine Einschränkung gab es. Weil es zwischendurch 20 Minuten regnete, entstand etwas Unruhe, bis alle Schirme aufgespannt waren. Der Pfarrer nahm es mit Humor. »Hitze wäre schlimmer, und bei Regen hört ihr besser zu«, meinte er schmunzelnd im überdachten Musikpavillon. Und ganz am Ende – da war es wieder trocken –, meinte er im Schlusswort. »Es hätte ruhig etwas mehr regnen dürfen.« Als sich da erstauntes Murmeln erhob, schickte er nach: »Leute, wir sind Gebirgler. Und von dem, was da von oben kommt, ist auch immer etwas von Gott dabei.«

Dennoch waren die Trachtler froh, als sie nach dem Mittagessen beim großen Festumzug trocken blieben. Es wurde ein eineinhalbstündiges Spektakel durch den Ort, an dem Tausende – im Zug und an der Straße – ihren Spaß hatten.

Schon lange vor dem Start füllte sich der Ort. Die einen zog es zum Streichenweg, wo sich am frühen Nachmittag die Trachtler aus 23 Gauvereinen, Gastvereine wie aus Kössen und Ortsvereine sammelten, wo die wundervoll geschmückten Fest- oder Themenwagen bereit standen, die mächtigen Rösser eingespannt wurden, häufig auch vierspännig. Andere Zuschauer strebten in den Ort, um sich die besten Plätze am Zugweg zu sichern. Schlag 14 Uhr gab die weithin hörbare Kanone der Gebirgsschützen das Startsignal und ein nicht enden wollender Festzug nahm seinen Weg.

Der Vorreiter führte den langen Zug an

Vom Festzelt marschierten insgesamt sechs Züge zur Kirche, von dort über die Hauptstraße bis weit hinaus, um im Begegnungsverkehr zurückzukehren. Im ersten Zug zeigten sich hinter dem Vorreiter und der Festmusik die Gaustandarte, Vorstandschaft, Ehrengäste und der Festverein »D' Achentaler« Unterwössen. Nach den Ortsvereinen reihte sich der Göd der Achentaler, der GTEV Staudach-Egerndach, ein. Es folgten über die Züge hinweg die vielen Trachtenvereine im Gau. Den Abschluss bildeten der Brauereiwagen des Hofbräuhauses Traunstein und die Gebirgsschützenkompanie Wössen/Achental.

Eindrucksvoll waren die Wagen. Bei den Ortsvereinen machte das Seeräuberschiff auf sich aufmerksam. Der Gartenbauverein hatte einen Segelflieger aus über tausend Blüten der Studentenblume gesteckt. Andere schmiedeten am vermeintlichen Wasserrad lebensecht am Feuer und Amboss. lukk

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