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Was passiert nun mit dem Bahnhofsbereich West?

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Seit mehr als 30 Jahren liegen die Flächen im westlichen Bereich des Bahnhofs brach. Wie es mit der Entwicklung nun weitergeht, nachdem sich der Stadtrat gegen die Weiterverfolgung des Projekts »AlpBC« entschieden hat, ist unklar. (Foto: Tanja Ghirardini)

Traunstein – Der Bahnhofsbereich West soll ohne das Projekt »AlpBC« weiterentwickelt werden. Das hat der Traunsteiner Stadtrat beschlossen. Wie das Gelände nun genutzt werden soll, steht noch nicht fest. Die Planungen müssen von vorne beginnen.


Die letzten größeren, zusammenhängenden Flächen im Zentrum Traunsteins mit einer Fläche von rund 20 000 Quadratmetern liegen laut Oberbürgermeister Christian Kegel seit über 30 Jahren brach. Wichtig ist ihm nun eine saubere Entwicklung bezüglich der künftigen Planungen: »Das Grundstück muss nicht in den nächsten beiden Wochen bebaut werden.«

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Zum Hintergrund: Das EU-Projekt »AlpBC« möchte die typischen Baustile des Alpenraums als Kulturgut bewahren. Alpenländische Baukultur sollte mit Energieeffizienz verbunden werden. So entstanden die Pläne, unter anderem zusammen mit der Handwerkskammer auf dem leerstehenden Gelände ein Bildungszentrum für Bauen in den Alpen, ein sogenanntes »Alphouse«, zu realisieren. Seit dem Jahr 2011 waren die Planungen dafür gelaufen, Machbarkeitsstudien wurden erstellt, der Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung der TU München eingeschaltet, dessen Studenten erste konkrete Entwürfe erstellten, und Gespräche mit möglichen Investoren wurden geführt.

Investor schlug Genossenschaftsmodell vor

Wie Oberbürgermeister Christian Kegel nun berichtete, stellten Ende April drei mögliche Investoren dem Stadtrat ihre generellen Einschätzungen hinsichtlich der Chancen einer städtebaulichen Entwicklung des Bahnhofsareals vor. Zwei von ihnen wollten für die Realisierung des Projekts »AlpBC« einen öffentlichen Träger haben. »Dieser könnte die Stadt sein«, so Kegel. Ein weiterer Investor schlug ein Genossenschaftsmodell vor, um die notwendigen Gelder zu bekommen. Laut Kegel würde die Akquise aber bis zu zwei Jahre dauern und somit einen großen Zeitverlust bedeuten. »Nach dieser Vorstellungsrunde müssen wir uns klar werden, ob wir das Projekt Bahnhofsareal West mit AlpBC weiterverfolgen oder nicht«, so Kegel.

Wie Waltraud Wiesholler-Niederlöhner (SPD) sagte, sei der über Jahre andauernde Planungsprozess sehr aufwändig gewesen. Sie betonte aber auch: »Wir werden nicht weiterkommen mit AlpBC.« Mit den Entwürfen der Studenten könne man aber trotzdem etwas anfangen. »Sie hatten einen guten Blick von außen, was Traunstein voranbringen würde.«

Dr. Christian Hümmer (CSU) verglich die Planungen, die nach sechs Jahren nun wieder von vorne beginnen werden, mit dem Spiel »Mensch ärgere dich nicht«. Er sprach für die weiteren Planungen noch zwei wichtige Aspekte an: Zum einen sei die Eigentumsfrage ungeklärt. »Der Stadt gehört dort so gut wie kein Grundstück.« Zum anderen müsse sich der Stadtrat klar werden, »was und wie wollen wir dort weiter vorangehen?« Denn solange die Stadt dort nur einen Bruchteil der Grundstücke besitzen würde, könne sie auch nur wenig planen. Außerdem forderte Hümmer, die Güterhalle in die Gesamtplanung einzubeziehen.

»Behutsam mit den Flächen umgehen«

Zustimmung bekam er von Burgi Mörtl-Körner (Grüne). Sie machte deutlich, dass man Gespräche mit den Grundstücksbesitzern führen müsse. Erst dann könne man sehen, ob sich die Stadt die Grundstücke überhaupt leisten könne. Sie betonte aber auch: »Wir müssen mit der Fläche behutsam umgehen.« Die Planungshoheit soll ihrer Meinung nach bei der Stadt bleiben.

Nach längerer Diskussion beschloss das Gremium einstimmig, dass die Stadtverwaltung den Eigenerwerb der Grundstücke vom Bundeseisenbahnvermögen überprüfen soll. Dazu sollen alle Grundstückseigentümer in die Gespräche miteinbezogen werden. Mit den nächsten Schritten, zum Beispiel den städtebaulichen Rahmenbedingungen für die Stadtteilentwicklung, die Nutzungsmischung innerhalb des Areals oder den Grobzeitplan, befasst sich der Stadtrat nach der Sommerpause. »Bevor wir ein Konzept entwickeln, müssen wir noch gewaltige Vorarbeiten leisten«, so Dr. Thomas Graf (Traunsteiner Liste) zusammenfassend. jar